Knappe 1:2-Niederlage gegen Dortmund Pavlenka-Patzer verhindert Punktgewinn

Lange Zeit durfte Werder von einem Punktgewinn gegen Borussia Dortmund träumen, doch dann verursachte Jiri Pavlenka in der Schlussviertelstunde einen Strafstoß - und am Ende stand es 1:2 (1:1).
15.12.2020, 22:23
Lesedauer: 4 Min
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Pavlenka-Patzer verhindert Punktgewinn
Von Malte Bürger

Ein Trainerwechsel, eine 1:5-Niederlage in Stuttgart - es war auch für Florian Kohfeldt ziemlich offensichtlich, dass das Gesicht der Dortmunder Borussia ein ganz anderes sein sollte als noch am vergangenen Wochenende. „Sie werden versuchen, sich viel Frust von der Seele zu spielen und eine Reaktion zu zeigen“, sagte Werders Coach unmittelbar vor der Partie. Und deshalb hatte er vorgebeugt und der ohnehin schon nicht allzu durchschlagskräftigen Offensive noch mehr Nährboden entzogen. So blieben im Vergleich zum jüngsten Auftritt in Leipzig Leonardo Bittencourt und Romano Schmid erst einmal auf der Bank. Mit Yuya Osako und Josh Sargent gab es lediglich zwei nominelle Angreifer, dahinter tummelte sich viel Masse, um den BVB nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Kevin Möhwald gab den alleinigen Sechser, um ihn herum sollten Maximilian Eggestein und Manuel Mbom den Gegner frühzeitig beeindrucken. „Wir müssen die Dortmunder an den Punkt bringen, dass sie nicht in den Rhythmus kommen und das Nachdenken beginnen“, sagte Kohfeldt.

So jedenfalls sah die Theorie aus. Dortmunds neuer Cheftrainer Edin Terzic hatte jedoch allerlei Qualität aufgeboten. Und beeindruckend jung war sie noch dazu. Youssofa Moukoko (16), Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (18), Mateu Morey (20) und Jadon Sancho (20) könnten theoretisch noch jede U21-Mannschaft bereichern, für die Borussia wirbelt die Rasselbande jedoch bereits durch die Bundesliga.

Guerreiro trifft zur Führung

Wie so häufig in dieser Saison begann Werder schwungvoll, hatte bereits nach 16 Sekunden einen - allerdings verunglückten - Abschluss von Möhwald. Wie so häufig in dieser Saison war diese Phase der Aggressivität aber nicht von allzu langer Dauer. Nach nicht einmal fünf Minuten rannte Reyna im Eiltempo Theodor Gebre Selassie davon, die folgende Hereingabe verfehlte Moukoko nur ganz knapp. Kurz darauf fand der Ball dann aber den Weg ins Ziel. Obwohl die Bremer im eigenen Strafraum eine klare Überzahl hatten, fehlte der nötige Zugriff, sodass schließlich Raphael Guerreiro relativ problemlos zur Führung der Gäste traf (12.).

Werder steckte in der Folge keineswegs auf, doch viel mehr Positives gab es zunächst kaum. Stattdessen waren all die Defizite zu sehen, die die Mannschaft schon so lange begleiten und die Freude am Zuschauen so massiv minimieren. Öffnende Diagonalpässe landen kaum einmal beim Mitspieler, die wenigen sich bietenden Räume werden entweder zu langsam durchschritten oder erst gar nicht genutzt. Ein desaströses Aufbauspiel von Jiri Pavlenka bringt viel zu häufig den Gegner in eine bessere Ausgangslage und die eigene Abwehr unter Druck.

Ausgleich durch Möhwald

Umso überraschender war es, dass die Heimelf plötzlich ausglich. Beim ersten sehenswerten Angriff passte Gebre Selassie zu Eggestein, der wiederum auf Möhwald ablegte. Und der 27-Jährige traf ebenso schnörkellos wie platziert aus 22 Metern ins untere rechte Ecke (28.). Keine drei Minuten später hätte es aber fast den nächsten Rückschlag gegeben. Nach einer flachen Hereingabe von Bellingham wollte Christian Groß eigentlich ins Toraus klären, setzte den Ball aber völlig unbedrängt krachend an den Pfosten des eigenen Kastens (31.). Dann musste Pavlenka beweisen, dass er mit den Händen deutlich besser arbeitet als mit dem Fuß, indem er gegen Manuel Akanji mit einem tollen Reflex rettete (41.). Fast im Gegenzug zeigte Roman Bürki eine Glanzparade nach einem herrlichen Schlenzer von Ludwig Augustinsson (43.). Der Ausgleichstreffer hatte Werder spürbar Sicherheit verliehen und mutiger werden lassen, allerdings loderte weiterhin die Gefahr, dass die mitunter etwas zögerliche Borussia mit einer einzigen gelungenen Aktion wieder in Führung gehen könnte. Zumindest bis zur Pause tat sie es nicht.

Kurz nach dem Wiederanpfiff wäre es dann beinahe so weit gewesen. Wie im ersten Durchgang dauerte es gerade einmal fünf Minuten, ehe der Ball flach in den Bremer Strafraum kam, dieses Mal erreichte Moukoko ihn sogar etwas ungelenk, verfehlte seinen allerersten Bundesligatreffer aber doch (50.). Doch auch Werder mischte weiter mit, nach einer Augustinsson-Flanke köpfte Gebre Selassie aber nicht platziert und druckvoll genug (53.).

Pavlenkas bittere Minuten

Es war in dieser Phase deutlich zu merken: Die Bremer wollten liebend gern die spielbestimmenden Dortmunder auskontern, doch dafür fehlte das geeignete, nämlich schnelle und ballsichere Personal auf dem Platz. Nach 65 Minuten wurden deshalb frische Kräfte gebracht, Kohfeldt erhoffte sich zusätzlichen Schwung durch Leonardo Bittencourt und Nick Woltemade. Das Tempo bestimmten dennoch weiterhin die Gäste. Nicht selten liefen sie sich fest, weil Werder mittlerweile richtig gut verteidigte, doch dann blitzte immer wieder das Können der Borussia auf. So musste Pavlenka nach einem Kopfball von Marco Reus eingreifen (72.).

Nur vier Minuten später wurde der vorherige Retter jedoch zum Pechvogel. Bei einer Flanke eilte er laut rufend aus seinem Tor, hielt anschließend jedoch den Ball nicht fest und brachte dann im Nachsetzen Moukoko zu Fall. Den folgenden Elfmeter von Reus hielt Werders Nummer eins dann sogar erst, im zweiten Versuch war der BVB-Kapitän aber erfolgreich (78.).

Werder suchte nach der neuerlichen Antwort, ging in der Schlussphase deutlich mehr ins Risiko. Die zündende Idee gab es aber auch dieses Mal nicht zu sehen. Die Situation mochte noch so aussichtsreich sein, der entscheidende Pass oder gar ein gefährlicher Abschluss wollte nicht gelingen. „Ein individueller Fehler hat das Spiel entschieden, das ist ärgerlich“, sagte Kevin Möhwald. „Wir reißen Pavlas aber jetzt nicht den Kopf ab, er hat uns schon so viele Punkte gerettet.“ Trotzdem hatte Werder so erneut aus einem Spiel, in dem viel mehr möglich war, nichts mitgenommen.

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