Bargfrede über Fußball nach der Corona-Krise

„Es kann ein Neustart für uns sein“

Der Fußball pausiert, das Coronavirus bestimmt das Geschehen. Werder-Profi Philipp Bargfrede macht sich trotzdem schon Gedanken über die Zeit danach und sieht eine große Chance für sein Team.
27.03.2020, 15:58
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„Es kann ein Neustart für uns sein“
Von Malte Bürger
„Es kann ein Neustart für uns sein“

Philipp Bargfrede sieht in einer möglichen Fortsetzung der Saison eine große Chance für Werder.

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Das Wetter, immerhin spielt das Wetter mit. So lässt sich die Einschränkung während der Corona-Krise für einen Familienvater wie es Philipp Bargfrede nun einmal ist, etwas leichter aushalten. Und nicht nur deshalb. „Wir haben zum Glück einen Garten und können uns da austoben“, sagte der 31-Jährige am Freitag und schmunzelte. Als er diese Worte sprach, hatte er allerdings gerade einen Tapetenwechsel hinter sich gebracht. Statt zu Hause saß er nun im fast leeren Medienraum des Weserstadions und beantwortete einem Werder-Mitarbeiter ein paar gesammelte Fragen von Fans und Journalisten. Die kurze Einlage wurde über das Internet hinaus in die Welt geschickt, alles ganz gemäß der Sicherheitsvorkehrungen also.

Bargfrede war aber nicht nur wegen des ungewöhnlichen Pressegesprächs an den Osterdeich gekommen, die Bremer Spieler trudeln in diesen Tagen ohnehin – schön voneinander getrennt – immer mal wieder am Stadion ein, um abseits des heimischen Trainingsprogramms auch vor Ort betreut zu werden. Im Anschluss geht es auf direktem Wege zurück in die eigenen vier Wände in den veränderten Alltag. Auch für Philipp Bargfrede. „Ich stehe da jetzt schon in der Pflicht“, sagte er und lächelte vielsagend.

Sehnsucht nach dem Ball

Bei Werder würde er das auch gern wieder häufiger tun, doch zuletzt konnte er das kaum noch. Nicht wegen Corona, sondern wegen seiner vielen Verletzungen. Die jetzige, unverhoffte Auszeit kann er nun zum Auskurieren nutzen. Und zur Arbeit am Comeback. Doch es gibt erschwerte Bedingungen. „Du hast nicht deinen Rhythmus, deinen Alltag, den du kennst“, sagte Bargfrede. „Natürlich hast du deine Trainingspläne und -ziele, aber es fehlt die Vorbereitung auf ein Spiel. Es ist ein totaler Unterschied. Du trainierst für dich allein und vor allem fehlt dir der Ball extrem.“

Sollte die Saison tatsächlich fortgesetzt werden, dürfte er den Ball wieder öfter sehen. Sehr oft sogar. Es droht eine enorm hohe Belastung für alle Beteiligten, etliche Spiele müssten in womöglich sehr kurzer Zeit ausgetragen werden. "Wenn es so kommen sollte, ist es wirklich ein sehr straffes Programm, das für jeden Einzelnen eine Herausforderung ist", sagte Bargfrede, der natürlich auch um seine eigenen körperlichen Probleme weiß. Nicht erst seit dieser Saison fehlte er häufig beim Mannschaftstraining mit dem Verweis auf eine individuelle Belastungssteuerung. Nicht die besten Aussichten im Vorfeld einer möglichen Mammutaufgabe. "Umso wichtiger ist es, dass wir uns jetzt optimal vorbereiten", betonte er. Eigentlich gefällt dem Werder-Urgestein der negative Unterton aber auch nicht, er bevorzugt positive Herangehensweisen. „Es kann für uns ein Neustart sein, auch für mich", sagte er deshalb.

Mit Werder auch in Liga zwei?

Der Wille ist also da. Nicht nur bei Philipp Bargfrede, auch die anderen Werder-Profis wollen unbedingt auf sportlichem Wege das ausbessern, was zuvor schief gelaufen ist. Deshalb verschwendet der Mittelfeldspieler auch keinen Gedanken daran, ob er im Fall der Fälle mit hinunter in die zweiten Liga gehen würde. „Wir haben noch zehn Spiele vor uns und das große Ziel, die Klasse zu halten“, sagte er. „Wir bleiben in der ersten Liga – und dann ist diese Frage überflüssig.“

Philipp Bargfrede lässt sich im Moment nicht so leicht aus der Ruhe bringen, das zeigte auch sein Kurzauftritt während der Medienrunde. Da kann um ihn herum gerade noch so viel passieren. Die Gelassenheit hat aber Gründe. "Wir leben in einer Gesellschaft und einem Land, in dem es uns extrem gut geht. Das macht sich, glaube ich, jeder Einzelne zu selten bewusst", sagte er. "Ich denke, es hilft in der jetzigen Situation, sich auf die kleinen Dinge zu besinnen.“

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