Kohfeldts Optionen für die Doppel-Sechs

Probleme im Brennpunkt

Die Ausfälle von Kevin Möhwald und Manuel Mbom lassen Florian Kohfeldt wenig Spielraum auf der Doppel-Sechs. Dem Zentrum kommt gegen den VfB Stuttgart aber eine sehr große Bedeutung zu.
03.12.2020, 17:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel

Wie viel Unheil kleinste Veränderungen in der Bremer Startelf anrichten können, hat das Spiel in Wolfsburg eindrucksvoll gezeigt. Der Ausfall der beiden Mittelstürmer Niclas Füllkrug und Josh Sargent hat die Offensivbemühungen der Mannschaft eher peripher beeinträchtigt, drei Tore in einem Auswärtsspiel sind ein überdurchschnittlich hoher Wert. Allerdings hat sich ohne Füllkrug und Sargent ein entscheidender Nachteil im Spiel gegen den Ball ergeben.

Das Anlaufen der ersten Verteidigungslinie hatte nicht die nötige Schärfe, um zu verhindern, dass die spielstarken gegnerischen Innenverteidiger die eigenen Angriffe sauber starten. Drei der fünf Gegentore hatten ihren Ursprung in einem Pass eines Wolfsburger Innenverteidigers vorbei an der ersten Linie und hinein in die gefährliche Zone, ohne dabei wirklich Druck aushalten zu müssen.

Eggestein und Groß auf der Doppel-Sechs

Nun dürfte gegen den VfB Stuttgart zumindest Sargent wieder zurückkehren und als erster Verteidiger seiner Mannschaft ganz vorne Dienst schieben. Dahinter aber wird Florian Kohfeldt erneut zwei wichtige Spieler ersetzen und sich im Zentrum des Spiels eine alternative Strategie überlegen müssen. Die Sperren von Manuel Mbom und Kevin Möhwald haben eine unmittelbare Auswirkung auf das zuletzt doch recht erfolgreiche Konstrukt der Doppel-Sechs.

Dem Trainer bleibt nun kaum Spielraum. Maximilian Eggestein ist gesetzt und hat sich seit der Umstellung auf zwei statt nur einem zentralen Spieler vor der Abwehr in seinen Leistungen deutlich gesteigert. Daneben dürfte Christian Groß die erste Wahl sein. So wie zum Start des Wolfsburg-Spiels, als Groß Eggestein flankierte und erst durch eine mehr oder minder erzwungene taktische Umstellung in die Abwehrreihe rückte. Patrick Erras oder Ilia Gruev sind als Startspieler eher keine Optionen. Beide haben in dieser Saison noch keine Minute gespielt und standen zuletzt nur sporadisch im Spieltagskader.

Stuttgart liebt das Zentrum

Der Engpass im Zentrum könnte gegen den VfB Stuttgart zu einem Problem werden. Der Aufsteiger spielt nicht wie ein Aufsteiger, sondern verfolgt einen erstaunlich dominanten und mutigen Ansatz. Stuttgart spielt gerne am Druck des gegnerischen Pressings entlang und dann auch dorthin, wo es den Gegner am meisten schmerzt: in den zentralen Bereich vor dem Tor. Die Mannschaft lässt sich nicht so leicht auf die Flügel drängen oder zu langen Schlägen verleiten, hält den Ball stattdessen am Boden und spielt sehr gerne durchs Zentrum.

In der Kampfzone 15 Meter vor und hinter der Mittellinie stehen dafür nicht nur sehr ballsichere und pressingresistente Spieler zur Verfügung, sondern auch Akteure, die körperlich robust sind und hinlangen können. Werder hat diese Härte in einigen Sequenzen gegen Wolfsburg vermissen lassen. Da wird sich gegen die schnellen Kombinationen der Stuttgarter einiges ändern müssen, wenn die Bremer dem zu erwartenden Druck standhalten wollen.

„Eine Chance für andere Spieler“

„Es muss halt auch mal wehtun im Zweikampf. Das haben wir dieses Mal weggelassen“, sagte Kohfeldt bei der Analyse des Wolfsburg-Spiels. In den Phasen kleiner Grüppchenbildungen auf dem Platz, im Zwei-gegen-zwei oder Drei-gegen-drei, muss sich Werder gegen Stuttgart wieder mehr und schlauer wehren als zuletzt in Wolfsburg. Umso wichtiger wird das Zusammenspiel im Zentrum werden und die Tatsache, dass jeder weitere Ausfall eines potenziellen Sechsers schwerwiegende Folgen haben könnte.

Sportchef Frank Baumann schätzt die Ausgangslage entspannter ein und vertraut dem gesunden und spielberechtigten Personal. „Für das eine Spiel können wir das auffangen. Beide können ja danach wieder spielen, daher ist das zu verkraften. Außerdem war Kevin Möhwald bisher ja auch nicht in allen Spielen dabei, und Manuel Mbom hat oft auf der Außenbahn gespielt“, sagt er. „Dass sie gesperrt sind, kann jetzt eine Chance für andere Spieler sein, die noch nicht so zum Zuge kamen.“ Erras und Gruev dürfen sich also offenbar berechtigte Hoffnungen machen, zumindest als Ergänzungsspieler endlich eine Alternative zu sein.

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