Werder-Profi Friedl nach dem Streik „Eine harte und belastende Zeit“

Kurz vor dem Spiel gegen Hansa Rostock sagt Marco Friedl: Er wird nicht antreten, er streikt. Das Echo auf diese Aktion hat Werder-Profi nicht erwartet.
29.09.2021, 13:50
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dco

Heute würde er es anders machen. Nicht mehr so wie Ende August, als Marco Friedl eine Entscheidung traf, deren Folgen ihm „eine harte und belastende Zeit“ bescherten, wie der 23-Jährige die vergangenen Wochen rückblickend nennt. Zur Erinnerung: Nachdem sich Friedl geweigert hatte, für Werder Bremen am fünften Spieltag gegen Hansa Rostock anzutreten, weil er damit einen Wechsel zu Bundesligist Union Berlin erzwingen wollte, schlug ihm eine heftige Welle der Empörung entgegen, die nach dem letztlich geplatzten Transfer in Bremen über ihn hereinbrach. Neben dem internen Ärger bei Werder erreichten Friedl derart viele und im Ton vermutlich weniger freundliche Nachrichten, dass er die Kommentarfunktion in seinem Instagram-Profil zwischenzeitlich deaktivierte. „Ich habe vorher nicht gewusst, dass es so ein großes Thema und so ein großer Rummel um meine Person wird“, sagt der Verteidiger, der am vergangenen Spieltag in Dresden erstmals seit seinem Streik von Trainer Markus Anfang wieder berücksichtigt worden war.

Lesen Sie auch

Die vollen 90 Minuten durfte Friedl während der bitteren 0:3-Pleite auf dem Platz stehen, einen erfreulichen Nachmittag erlebte also auch er in Sachsen nicht. Und dennoch war die Partie für den Österreicher so etwas wie der nächste Schritt zurück in Richtung Normalität. „Ich freue mich, dass ich das Vertrauen des Trainers bekommen habe“, sagt Friedl, der es nach dem Rostock-Vorfall nicht als Denkzettel wahrgenommen hat, dass Anfang ihn während der Spiele gegen Ingolstadt (3:0) und den Hamburger SV (0:2) draußen ließ: „Die Mannschaft war in dieser Phase erfolgreich. Da musste der Trainer nichts verändern.“ Über gute Leistungen im Training habe er stattdessen versucht, sich den verloren gegangenen Kredit zurückzuholen. Volle Konzentration auf die Sache – also genau das, was Friedl nach eigener Aussage zuvor abgegangen war.

„Der Kopf spielt im Profisport eine große Rolle, und ich war mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt“, hält er fest – und betont: „Das würde ich heute anders machen.“ Die Entscheidung, gegen Rostock nicht zu spielen, habe er dabei allein getroffen, er sei nicht von seiner Berateragentur beeinflusst worden. Auffällig allerdings: Die Agentur hat Friedl inzwischen verlassen, lässt sich seit kurzer Zeit von einer anderen beraten. „Ich wollte für mich einfach eine Veränderung haben“, erklärt er. Mehr möchte er dazu öffentlich nicht sagen.

Dann schon lieber der Blick auf die kommende Aufgabe, auf das Heimspiel gegen Heidenheim (Freitag, 18.30 Uhr), bei dem Friedl erneut in der Startelf stehen könnte und sich durchaus Gedanken darüber macht, wie ihn die 30.000 Fans im Weserstadion dann in Empfang nehmen werden. „Ich rechne mit einer normalen Reaktion, denn nachdem ich mich öffentlich bei Instagram erklärt hatte, sind die Nachrichten wieder positiver geworden“, sagt Friedl. Andererseits: „Sollte es anders kommen, gehört es auch zum Job dazu.“ Schließlich habe er den Ärger der Anhänger über sein Verhalten ja verstehen können. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+