Friedl glaubt an Wende zum Besseren „Jeder ist sich der Situation bewusst“

Nach dem verpatzten Saisonstart soll für Werder beim Gastspiel auf Schalke unbedingt ein Sieg her. Marco Friedl glaubt weiter fest an die Qualitäten seiner Mannschaft, hat aber auch Verständnis für die Pfiffe.
23.09.2020, 12:28
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„Jeder ist sich der Situation bewusst“
Von Malte Bürger

Die Erinnerungen wiegen schwer, die Dämonen der Vergangenheit lassen sich nicht so einfach vertreiben. Bei Werder genügte ein 1:4 gegen Hertha BSC, um all das Böse der Vorsaison wieder ans Tageslicht zu befördern. Zumindest im Umfeld, vielen Fans schwant eine unangenehme Fortsetzung des Leidens der zurückliegenden Monate. Intern soll das anders sein. Diesen Eindruck zumindest vermittelte Marco Friedl. „Wenn du gleich das Auftaktspiel verlierst, kannst du natürlich an die vergangene Saison erinnert werden – aber das ist bei uns nicht der Fall“, sagte er am Mittwoch während einer Medienrunde. „Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt und intensiv trainiert. Deshalb kommen jetzt nicht automatisch wieder die Zweifel der letzten Saison auf.“

Noch nicht. Denn nicht nur der österreichische U21-Nationalspieler weiß, dass sich die Lage auch ganz schnell wieder ändern kann. Dafür sind die Bilder aus dem Abstiegskampf dann doch noch zu frisch. Und deshalb wurde die Heimpleite gegen die Berliner auch noch einmal explizit abgehandelt. „Wir haben das ganz klar und knallhart angesprochen, als wir am Dienstag das Spiel noch einmal angeschaut haben“, sagte Friedl. „Jeder ist sich der Situation bewusst, niemand will noch einmal solch eine Saison erleben wie die vergangene. Jeder weiß, wie schnell es gehen kann, wenn du mehrere Spiele hintereinander kein Erfolgserlebnis. Wir sind gewarnt und wollen es schnellstmöglich anders machen.“

Wiedergutmachung auf Schalke

Wo manchem Fan diesbezüglich bereits die Zuversicht fehlt, glaubt Friedl fest an eine Wendung zum Positiven. „Viele Dinge sind anders, besser als in der vergangenen Saison“, sagte er. „Der wichtigste Punkt ist nur, dass wir es auf dem Spielfeld umsetzen müssen. Es war jetzt ein Spiel, das wir verloren haben, doch es folgen noch weitere Begegnungen, die zu absolvieren sind. In denen müssen wir jetzt unsere Leistung bringen, damit die Zweifel, die bei Fans und Medien entstehen, wir aber ausblenden, bald gar kein Thema mehr sind. Wir haben eine Mannschaft, die Qualitäten hat, das haben wir insbesondere in der Zeit nach der Coronapause gezeigt.“

In dieser Phase gelang den Bremern auch ein Erfolg auf Schalke. Schön war er trotz eines herrlichen Treffers von Leonardo Bittencourt zwar nicht, aber unheimlich wichtig. Am kommenden Sonnabend geht es erneut nach Gelsenkirchen (18.30 Uhr), abermals ist der Druck gewaltig. Nicht nur für Werder, sondern auch für die Gastgeber, die zuletzt vom FC Bayern München beim 8:0 vorgeführt wurden. „Jeder weiß, um was es in dem Spiel geht“, sagte Marco Friedl. „Es wird schwer werden, weil beide Mannschaften darum bemüht sind, etwas wiedergutzumachen.“

Verständnis für Pfiffe

Neben Zählbarem für die Tabelle geht es für Werder auch darum, Kredit bei der eigenen Anhängerschaft zurückzugewinnen. „Die Erwartungshaltung war bei uns allen und den Fans eine andere. Es war von uns allen das Ziel, dass wir nach der Heimschwäche der vergangenen Saison nun anders starten. Wenn du dann vor der Pause innerhalb von fünf Minuten zwei Gegentore bekommst, ist es klar, dass die Fans angefressen sind und uns auspfeifen“, sagte Friedl. „Das ist ganz normal. Andersherum sind sie aber auch die Ersten, die uns unterstützen, wenn wir Leistung bringen. Deshalb kann ich das nachvollziehen.“

In besonderem Maße hatte Yuya Osako zuletzt unter dem Frust der Zuschauer zu leiden. „In dem Fall war es Yuya, der ausgepfiffen wurde, aber ich denke, dass er auf keinen Fall der Sündenbock ist“, sagte Friedl. „Wir waren schließlich alle als Team daran beteiligt. Wenn jemand anders zur Halbzeit ausgewechselt worden wäre, hätten sicher ihm die Pfiffe gegolten.“ Osako kann sich also der Unterstützung seiner Kollegen weiterhin sicher sein: „Yuya besitzt enorme Qualitäten, er ist wichtig für unser Spiel“, sagte Friedl. „Wir reden mit ihm natürlich in der Kabine, aber er ist Profi genug, um zu wissen, wie er damit umzugehen hat. Es ist natürlich nicht angenehm, wenn du von den eigenen Fans ausgepfiffen wirst, aber das gehört zum Profifußball nun einmal dazu. Am Anfang verunsichert es dich vielleicht etwas, aber danach geht man eigentlich gut damit um.“

Wohlfühloase Innenverteidigung

Diese Selbstverständlichkeit würde zweifelsfrei auch dem Bremer Spiel guttun. Gerade in der Defensive, wo das Verhindern von Gegentoren in den vergangenen Jahren ein Dauerthema war. Marco Friedl ist dort mittendrin, erst als Linksverteidiger, nun kämpft er um seinen Platz in der Abwehrzentrale. „In der letzten Saison bin ich viel und auch in den wichtigen Spielen zum Einsatz gekommen, dadurch ist mein Stellenwert in der Mannschaft gestiegen“, sagte der 22-Jährige. „Ich freue mich, dass ich jetzt die gesamte Vorbereitung in der Innenverteidigung gemacht habe, weil ich mich dort am wohlsten fühle. Nun probiere ich, im Training weiter Gas zu geben, um die nächsten Spiele auch zu spielen.“

Eine Garantie gibt es nämlich genau dafür nicht. Sein direkter Konkurrent ist auch noch Kapitän Niklas Moisander, sofern Milos Veljkovic und Ömer Toprak fit sind, gibt es noch weitere namhafte Gegenkandidaten. „Ich versuche viel zu reden, der Mannschaft zu helfen und einen guten Eindruck zu hinterlassen. Alles Weitere entscheidet der Trainer“, sagte Friedl. „Ich will mich weiterentwickeln, aber das passiert nur, wenn du Spiele machst. Ob ich in der Innenverteidigung jetzt links oder rechts spiele, ist für mich überhaupt kein Thema. Hauptsache ich stehe auf dem Platz.“

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