Werder Bremen ohne Per Mertesacker Werder-Profis stehen vor neuen Aufgaben

Bremen. Der Abgang von Per Mertesacker reißt nicht nur eine Lücke in Werders Abwehr, sondern auch in die empfindliche Teamstruktur. "Aber es ist ja schon mal ein Kapitän gegangen", so Clemens Fritz, der das Amt des Mannschaftsführers übernommen hat.
01.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Werder-Profis stehen vor neuen Aufgaben
Von Oliver Matiszick

Bremen. Eigentlich, sagt Clemens Fritz, war das Thema ja durch. So sehr, dass er sich schon gar nicht mehr mit dem Gedanken beschäftigt hatte, Per Mertesacker könnte Werder unmittelbar vor Toresschluss der Transferphase vielleicht doch noch verlassen. "Es war ja ruhig um Per und die Wechselgerüchte geworden - und wir alle haben gehofft, dass es so ruhig bleiben würde", sagt Fritz. Sie hatten sich geirrt, allesamt - das haben die Werder-Profis inzwischen gelernt. Und der Irrtum stellt sie vor neue Aufgaben.

Denn Mertesackers Abschied reißt nicht nur eine Lücke in Werders Abwehr, sondern auch in die Mannschaftsstruktur. Jenes empfindliche Gefüge, das in der vergangenen, sportlich missratenen Saison so überhaupt nicht zusammenpassen wollte, schien sich jetzt gerade gefunden und durch den gelungenen Auftakt in die neue Spielzeit stabilisiert zu haben. Und nun geht mit Mertesacker derjenige, von dem über Jahre gesagt worden war, er sei der künftige Werder-Führungsspieler - und er geht unmittelbar, nachdem er diese Rolle tatsächlich auch als Kapitän angenommen hat.

"Aber es ist ja schon einmal ein Kapitän gegangen", sagt Fritz, "das ist gar nicht so lange her..." Im Sommer war das, zwangsläufig als Folge des forcierten Abschieds von Torsten Frings. Erst danach hatte Mertesacker, zuvor der Vize-Kapitän, das Amt übernommen. Jetzt gibt es binnen weniger Wochen den nächsten neuen Werder-Kapitän: den bisherigen Vize, eben Clemens Fritz.

Lange genug ist er ohnehin dabei, genau wie Mertesacker seit dem Sommer 2006. Ob er es tatsächlich schön finden soll, die Aufgabe als Mannschaftskapitän bedingt durch den Blitz-Transfer seines Vorgängers zu erben - mit diesem Gedanken muss er sich erst anfreunden.

"Schön wäre es gewesen, wenn Per geblieben wäre", stellt Fritz klar, "aber ich werde mich der Aufgabe stellen und Verantwortung übernehmen." Er ist ein anderer Typ als Mertesacker, keine Frage. Einen schlecht gelaunten Clemens Fritz zu erleben, das ist schwer vorstellbar; immer ist der 30-Jährige um Verbindlichkeit, um Diplomatie bemüht. Bei Mertesacker hingegen wusste man nie, ob er gerade einen guten oder einen schlechten Tag hatte. An guten Tagen lieferte der Abwehrchef den Reportern ausdauernd so messerscharfe Analysen, dass sie mit dem Schreiben kaum nachkamen. An schlechten Tagen hingegen ließ er sie einfach links liegen. Mannschaftsintern, so beschreibt es Fritz, gab es solche schlechten Tage nicht. "Per war ein sehr positiver Typ - er war immer für einen da, ein Ansprechpartner für alle. Einfach ein guter Kerl", sagt er.

Die gleichwohl größere Aufgabe wird es sein, Mertesackers reine Funktion in Werders Abwehrzentrale zu ersetzen. "Für den Trainer wird es jetzt die Aufgabe sein, das neu zu organisieren", sagt Sebastian Prödl, "aber die Alternativen sind ja da." Andreas Wolf und Sokratis Papastathopoulos, die Neuverpflichtungen des Sommers, stehen dafür ebenso bereit wie Naldo und er, die in den Vorjahren den Mertesacker-Partner in der Innenverteidigung gaben. Dass sich die Lücke dennoch nicht einfach so im Handumdrehen schließen lässt, steht für Prödl dennoch außer Frage. "Dass jemand die individuelle Stärke von Merte erlangen wird, das wird sicher dauern", sagt er, "wir können das nur über die Einheit schließen, über das Gesamtkonzept."

Etwas anderes wird ihnen auch nicht übrig bleiben. Denn dass ihnen die wichtige Säule Mertesacker nun fehlt, sie können es ja nicht ändern, sagt Clemens Fritz. "Ich hoffe, dass wir das auffangen können. Aber wir haben großes Potenzial in der Mannschaft." Die nächsten Wochen, sie werden ohne Frage spannend. Für Per Mertesacker in London mindestens so sehr wie für die Mannschaft, die er in Bremen verlassen hat.

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