Zurückgeblättert: 10. Mai 1989

„Werder-Profis: Wir fahren nach Berlin“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
05.05.2019, 10:46
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Von mw
„Werder-Profis: Wir fahren nach Berlin“
Archiv Weser-Kurier

Am 10. Mai 1989 schrieb der WESER-KURIER:

Das gibt es beim SV Werder auch nicht oft. Vor dem wichtigen Pokalhalbfinalspiel heute abend (20.15 Uhr, live in der ARD) beim UEFA-Cup-Gewinner Bayer Leverkusen wagen sich die Bremer Spieler mit mutigen Prognosen in die Öffentlichkeit. „Wir gewinnen 1:0 und fahren nach Berlin„, glaubt Jonny Otten. Kollege Thomas Wolter ist sogar überzeugt: „Ich tippe auf ein 3:1 für uns.“ Keine Frage, nachdem die Hoffnungen auf den Europapokal und eine erfolgreiche Titelverteidigung vorzeitig begraben werden mußten, wollen die Werder-Profis in diesem Jahr unbedingt den „Pott„ an die Weser holen. „Zweimal hatten wir schon im Halbfinale viel Pech, diesmal sind wir endlich dran“, erinnert sich Werder-Manager Willi Lemke nur ungern an das Vorjahr, als der spätere deutsche Meister im Weserstadion gegen die Frankfurter Eintracht nach einem überlegen geführten Spiel überraschend mit 0:1 unterlag.

1984 stoppte Borussia Mönchengladbach den Bremer Pokalzug in einem denkwürdigen Halbfinale auf dem Bökelberg. Werder verlor eine 4:3-Führung und in der Verlängerung das Match mit 4:5 Toren. Trainer Otto Rehhagel steht, nachdem alle Spieler das gestrige Abschlußtraining ohne Verletzungen absolviert haben, der komplette Kader zur Verfügung. So ist davon auszugehen, daß Norbert Meier seinen Platz im Bremer Mittelfeld wieder für Frank Neubarth räumen muß. Beim Gegner Leverkusen ist mit dem Einsatz der beiden angeschlagenen Leistungsträger Schreier und Rolff zu rechnen. So jedenfalls kann man eine Aussage von Kapitän Rolff interpretieren, der die Leverkusener Pokalambitionen gestern mit den Worten umriß: „Hauptsache, wir gewinnen. Ich will unbedingt mit einem Titel im Sommer zu meinem neuen Klub Racing Straßburg wechseln."

Doch selbst wenn Schreier und Rolff ob der großen Bedeutung dieser Partie heute abend im Ulrich-Haberland-Stadion auflaufen, so plagen Trainer Jürgen Gelsdorf im Abwehrbereich noch große personelle Sorgen. Seckler ist gesperrt, die möglichen Ersatzleute für die „Manndecker"-Position Raduschweit und Page sind verletzt. Nach dem Wiederaufstieg hat der SV Werder in der Bundesliga zweimal in Leverkusen gewinnen können. Im Aufstiegs- und Meisterschaftsjahr gab es jeweils einen 3:1-Erfolg für die Fußballer von Otto Rehhagel. Zwei hohe Niederlagen (1:4 und 1:5) und drei Unentschieden (zweimal 0:0, einmal 1:1) komplettieren die Auswärtsbilanz des SV Werder in Sachen Bayer Leverkusen. Keinen Sieger und Verlierer soll es im „Vorspiel" dieses Pokalschlagers geben, wenn sich Vertreter der beiden befreundeten Fanklubs „1. Bayer Fanklub 76" und „Grün-Weiß Angeles" zwei Stunden vor dem Anpfiff zu einem gemeinsamen Abendessen treffen. Überhaupt soll es auf den Rängen friedlich zugehen. „Aus Sicherheitsgründen werden 1500 Tickets von den insgesamt 26 500 Karten nicht an die Kassen kommen", hatte Bayer-Geschäftsführer Michael Meier unlängst entschieden.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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