Werders Einigung mit Leverkusen kam zu spät

Rashica-Wechsel platzt in letzter Sekunde

Kuriose Posse zum Ende der Transferphase: Milot Rashica war bereits in Leverkusen, um bei Bayer zu unterschreiben, doch am Ende platzte der Transfer doch noch, weil sich die Klubs zu spät einigten.
05.10.2020, 21:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Rashica-Wechsel platzt in letzter Sekunde
Von Malte Bürger
Rashica-Wechsel platzt in letzter Sekunde

Milot Rashica spielt künftig doch nicht für Bayer Leverkusen.

nordphoto

Es waren Szenen wie aus einem Krimi. Am Bremer Flughafen stand alles bereit, eine vollgetankte Maschine hatte Spielerberater Altin Lala organisiert, damit sein Schützling Milot Rashica möglichst schnell nach England fliegen könne, um einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Doch dann kam alles anders. Rashica wollte nicht mehr auf die Insel, sondern stattdessen zu Bayer Leverkusen. Und so machte sich der 24-Jährige gegen Mittag auf den Weg nach Köln und wurde dort in einem Hotel einquartiert, um die Weichen für seine Zukunft zu stellen. Doch noch am Abend trat er ziemlich niedergeschlagen wieder die Heimreise nach Bremen an. Der erhoffte Transfer war geplatzt.

„Ich habe vor der Pressekonferenz noch mit ihm telefoniert, natürlich ist er enttäuscht gewesen und musste das verarbeiten“, sagte Frank Baumann, als er am Montagabend vor die wartenden Journalisten trat. „Dieser Sommer war für Milot sehr aufreibend. Es gab viele Diskussionen, viele Klubs, die Interesse hatten und mit ihm Gespräche geführt haben. Manchmal wurde er da vielleicht auch ein wenig hingehalten.“

Das Erlebte verarbeiten

Nun war der Sommer ohnehin aus Pandemie-Gründen kein einfacher, der Profifußball ist zudem mitunter brutal, wenn es um Transfers geht. Der Fall Milot Rashica dürfte Kritiker jedenfalls bestärken, die von einem modernen Menschenhandel sprechen. Zurück bleibt neben einem Verein, der keine weiteren Transfererlöse erzielt hat, ein Spieler, der unter dem Erlebten mächtig leidet. „Diese Erfahrung ist nicht schön für ihn“, sagte Werders Sportchef. „Das wird vielleicht auch eine Weile dauern, bis er das verarbeitet hat.“ Doch Baumann schaltete sofort in den Angriffsmodus. „Milot wird sehr motiviert wieder angreifen, um seine Situation für die nächsten Transferphasen zu verbessern. Wir werden ihn mit allem, was wir haben, weiterhin unterstützen.“

Für die Bremer ist es das unglückliche Ende einer zähen Hängepartie. Bereits im Frühjahr hatte Milot Rashica den Verantwortlichen ­signalisiert, dass er den Verein gerne verlassen würde, um den – wie es so schön heißt – nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Schnell entschied er sich für RB Leipzig als nächstes Reiseziel, doch eine Einigung zwischen den Klubs kam nicht zustande, auch wenn Rashica in Leipzig unbedingt Champions League spielen wollte und sich mit dem Verein über einen Vertrag einig war. Und seither wurde gewartet. „Es gab in den letzten Tagen diverse Klubs, die noch Interesse signalisiert haben, sowohl aus dem In-, aber insbesondere aus dem Ausland“, sagte Frank Baumann. Doch Rashica entschied sich für Bayer Leverkusen, das ebenfalls schon frühzeitig die Fährte aufgenommen hatte. „Milot stand dort schon länger auf der Liste, allerdings haben die Gespräche mit uns erst heute Mittag so richtig begonnen.“ Weil Leverkusen erst im Laufe des Sonntags konkret vorfühlte, wie der WESER-KURIER berichtete.

Baumann weist Schuld von sich

Erst am Montagnachmittag wurde zwischen Bayer und Werder konkret verhandelt. Es blieben also nur wenige Stunden, um alle Details zu klären. Und wie sich zeigen sollte, war der letzte Tag der Transferphase dann doch zu kurz. Zwar wurden sich alle Parteien nach schwierigen Gesprächen tatsächlich noch einig, auch hierüber berichtete der WESER-KURIER um kurz vor 18 Uhr. „Die Einigung ist aber zu spät erfolgt. Dann hat die Zeit nicht mehr ausgereicht, um alle Formalitäten zu erledigen“, sagte Baumann am späten Abend auf Nachfrage, weil Gerüchte aufkamen, Werder habe die Daten zu spät in den Computer eingegeben. „An uns lag es nicht", beteuert Baumann, schließlich habe Werder großes Interesse an einem guten Geschäft gehabt. Doch Bayer habe zu spät eingewilligt, um es dann noch rechtzeitig zu schaffen.

Werder hatte sich in der Tat weit bewegt. Lange Zeit ging es für die Bremer bei der Suche nach Einnahmen eigentlich nur um einen Verkauf von Rashica, zumindest am Ende war der Verein bereit gewesen, einen seiner Leistungsträger auch per Leihe mit sehr klaren Kaufverpflichtungen ziehen zu lassen. „Wir haben harte Verhandlungen geführt, die auch sehr komplex waren“, sagte Baumann. „Leverkusen wollte oder konnte keinen fixen Transfer machen, deswegen gab es andere Optionen. Für uns war immer klar, dass wir Milot abgeben würden, wenn der Preis stimmt. Nun bin ich froh, dass wir mit ihm weiterhin einen Top-Stürmer in den eigenen Reihen haben.“ Mal sehen, wann auch Rashica selbst wieder froh darüber ist. Auf den erhofften internationalen Fußball muss er weiter verzichten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+