Schaaf leitet erste Trainingseinheit

Erst ruhig, dann feurig

In Barsinghausen hat Werder sein Quarantäne-Trainingslager aufgeschlagen, doch der Coach ist ab dieser Woche ein anderer: Thomas Schaaf hat am Montag seine erste Einheit mit den Profis absolviert.
17.05.2021, 13:48
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Knips und Carsten Sander
Erst ruhig, dann feurig

Thomas Schaaf ist bei den Werder-Profis zurück auf dem Trainingsplatz, Milot Rashica hört ganz genau zu.

Andreas Gumz

Schwarze Trainingskleidung, dazu eine schwarze Base-Cap auf dem Kopf und die Körpersprache so, als wäre es das Normalste der Welt, dass er wieder als Chefcoach des SV Werder Bremen auf dem Trainingsplatz steht. Nichts an Thomas Schaaf wirkte am Montag aufgeregt, als er die Mannschaft um kurz vor 11 Uhr im August-Wenzel-Stadion von Barsinghausen zur ersten Trainingseinheit unter seiner Leitung begrüßte.

Es war der Beginn eines Engagements, in dem Thomas Schaaf und sein Co-Trainer Wolfgang Rolff die schnelle Eingreiftruppe bilden, um Werder Bremen in nur einem Spiel vor dem Abstieg zu retten. Und das Duo machte das mit großer Leidenschaft und viel Enthusiasmus, wie sich im Verlaufe der Einheit zeigte.

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Der erste Trainingstag hatte für Schaaf freilich schon lange vor 11 Uhr begonnen. Bereits um 9.30 Uhr verließ er mit seinem Trainerteam, das auch schon das Team von Florian Kohfeldt gewesen war, das Hotel Fuchsbachtal, machte sich auf den Weg zum Trainingsareal, wo Werder in der Woche der Teamquarantäne zwei Plätze zur Verfügung stehen. Dort angekommen wurden zwei Kleinfelder aufgebaut. Doch bevor es losging, erklärte Schaaf den Co-Trainern Rolff, Tim Borowski und Danijel Zenkovic an einer Flipchart, was er vorhat mit der Mannschaft.

Als die kam, gab es keine große Begrüßung. Schaaf beobachtete mit Abstand das Aufwärmprogramm. Dann teilte er die Profis in zwei Gruppen auf. Das Team Niklas Moisander, das aus den Akteuren bestand, die am Samstag gegen Augsburg viel Spielzeit absolviert hatten, erlebte eine etwas ruhigere Einheit. Nachvollziehbar, denn am zweiten Tag nach einem Spiel ist eigentlich Regeneration angesagt, um keine Verletzungen zu riskieren. Passübungen und auch Torschüsse sind aber offenbar erlaubt. Und Rolff hatte sich einen besonderen Mutmacher für die zuletzt so torungefährlichen Spieler des SV Werder Bremen ausgedacht: Davie Selke und Co. durften aus kürzester Distanz den Keepern die Bälle um die Ohren hauen und zahlreiche Erfolgserlebnisse feiern. Es wurde viel gejubelt und gelacht. Für die Torhüter Jiri Pavlenka gab es derweil von Rolff den einen oder anderen aufmunternden Klaps.

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Und was machte Thomas Schaaf? Der schickte seine Gruppe erst mal an die Taktiktafel. Es ging um Spieleröffnung und das Durchkombinieren in die gegnerische Hälfte. Der praktische Teil folgte auf dem Kleinfeld. Und Schaaf war zunächst gar nicht zufrieden. „Ihr müsste den Ball auch haben wollen“, rief er und kritisierte: „Das dauert noch zu lange.“ Der 60-Jährige war mittendrin, schnappte sich zum Beispiel Felix Agu, um ihm zu erklären, wie er sich nach einem Pass zu verhalten hat. „Gut so“, munterte der Coach immer wieder auf – und stellte dann nach gefühlt 40 erfolgreichen Pässen am Stück von Team Gelb lautstark fest: „Ja Leute, jetzt habt ihr es begriffen!“

Nach gut einer Stunde war Feierabend. Die jüngeren Spieler packten die Sachen ein, Schaaf schlenderte mit Sportchef Frank Baumann vom Platz. Der hatte sich mit dem späten Trainerwechsel einen Impuls erhofft – und zumindest ein erstes Anzeichen davon erhalten. Es war längst nicht alles anders. Auch Kohfeldt war immer nah bei seiner Mannschaft. Aber ein Thomas Schaaf wählt eben seine Worte, hat seine eigene Art.

Wie auch nach Trainingsende. Der Coach ging zu seinem Auto, öffnete den Kofferraum, wechselte die Schuhe und bürstete schnell noch seine Fußballstiefel ab, ehe er sie verstaute. Dann brauste er davon. Der Mannschaftsbus folgte ihm wenig später. Als sollte noch einmal dokumentiert werden, wer nun vorangeht, um am Samstag am letzten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach den Abstieg zu verhindern.

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