Werder Bremen - FC Augsburg 1:1

Werder schimpft über den Schiedsrichter

Bremen. Durch das 1:1 gegen den FC Augsburg hat Werder Bremen einen großen Schritt in Richtung Europa League verpasst. Nach dem Augsburger Ausgleich in der Nachspielzeit steht vor allem Schiedsrichter Wingenbach im Fokus der Kritik der Grün-Weißen.
25.03.2012, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder schimpft über den Schiedsrichter
Von Marc Hagedorn
Werder schimpft über den Schiedsrichter

Schiedsrichter Markus Wingenbach (r) im Gespräch mit Werder-Boss Klaus Allofs.

dpa

Bremen. Markus Rosenberg schimpfte wie ein Rohrspatz. Florian Hartherz klatschte höhnisch Beifall. Clemens Fritz redete auf den Schiedsrichter ein, wenig später unternahm auch Klaus Allofs einen Vorstoß. In der ganzen Zeit skandierten die Fans "Schieber, Schieber" in Richtung des Unparteiischen.

Allein: Es half alles nichts mehr, denn das Spiel war seit wenigen Sekunden zu Ende. Werder hatte bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit mit 1:0 durch das erste Bundesligator von Niclas Füllkrug gegen den FC Augsburg geführt. Dann reichten 60 turbulente Sekunden, an deren Ende der Augsburger Ausgleich zum 1:1 stand, um die Bremer Gemütslage so richtig in Wallung zu bringen.

Was war passiert? Augsburg hatte im ausverkauften Weserstadion einen letzten Versuch gestartet. Torwart Simon Jentzsch war längst zum Stürmer mutiert. Werder versuchte in Person von Sebastian Boenisch den Ball ein letztes Mal zu klären, Boenisch wurde geblockt, Schiedsrichter Markus Wingenbach ließ weiterlaufen, so dass Jentzsch und Aleksandar Ignjovski zusammenrasseln konnten. Schiedsrichter Wingenbach entschied auf Freistoß, ein letztes Mal. Die Zuschauer auf den Sitzplätzen standen. Axel Bellinghausen trat den Ball vors Tor, und dann machte es "duff, duff, duff, duff", wie der Flankengeber hinterher lautmalerisch beschrieb.

Der Ball prallte - duff - von Sokratis' rechtem Bein ans linke - duff - zum eingewechselten Jan-Ingwer Callsen-Bracker, dessen Schuss - duff - Mielitz abwehrte - duff - an das Knie von Paul Verhaegh. Sokratis' zweiter Rettungsversuch spielte sich schon hinter der Torlinie ab - Tor für Augsburg 1:1, Abpfiff. In der Nachspielzeit war aus einem möglichen Werder-Sieg eine gefühlte Werder-Niederlage geworden, aus vier Punkten Vorsprung auf Verfolger Hannover und fünf Punkten Vorsprung auf Wolfsburg plötzlich nur noch zwei beziehungsweise drei Punkte. "Das ist ganz, ganz bitter", fasste Kapitän Clemens Fritz zusammen.

Bitter vor allem, weil es Werder gelungen war, nach enttäuschender erster Halbzeit doch noch ins Spiel zu kommen. Es vergeht in diesen Tagen der Verletzungsmisere kein Wochenende, an dem Werder-Trainer Thomas Schaaf nicht die nächste Rekordmarke setzen muss. Die Bremer Startelf gestern war die jüngste der Vereinsgeschichte, noch mal jünger als die Rekordmannschaft aus der Vorwoche, weil diesmal Niclas Füllkrug (19 Jahre) für Mehmet Ekici (22) und Lukas Schmitz (23) für Sebastian Prödl (24) das Durchschnittsalter weiter senkten, auf 22,7 Jahre, um genau zu sein. Die Erfahrung aus gerade mal 485 Bundesligaspielen stand auf Bremer Seite beim Anpfiff auf dem Platz, das war weniger als die Augsburger Startelf zusammenbrachte (nämlich 525 Spiele). Dem Werder-Trainer muss mulmig dabei gewesen sein, denn via Stadionsprecher Christian Stoll und Arnd Zeigler ließ Schaaf für Geduld mit der Mannschaft werben.

Und Geduld mussten die Zuschauer tatsächlich aufbringen. Augsburg bedrängte die Bremer früh und hatte die beiden besten Chancen vor der Pause. Aber erst Mielitz (27.) und später Ignjovski (35.) klärten in höchster Not. Das 0:0 zur Pause schmeichelte den Bremern in einem äußerst mäßigen Spiel. Das änderte sich nach dem Wechsel. Plötzlich war Werder aktiver, mutiger, und nach zwei, drei geglückten Aktionen vor allem über den nimmermüden Kapitän Fritz war Stimmung in der Bude - die sich in der 61. Minute entlud. Nach gescheitem Pass von Schmitz zog Niclas Füllkrug aus 20 Metern herrlich ab - 1:0 für Werder. "Das war der bisher schönste Moment in meinem Leben", sagte der Füllkrug nach seinem Premierentor in der Bundesliga.

Jetzt lief das Werder-Spiel flüssiger, die Fans sangen vom "Europapokal, Europapokal", und Augsburg wirkte wie ein Gegner, den der nächste Treffer k.o. gesetzt hätte. Das 2:0 fiel aber nicht. Stattdessen steuerte das Spiel auf die dramatische Schlusssequenz, die Fragen aufwarf: War Boenisch bei seinem Klärungsversuch gefoult worden? "Eigentlich müssen wir da Freistoß kriegen", befand Füllkrug. Hatte anschließend Ignjovski Jentzsch tatsächlich gefoult? "Wir gehen beide zum Ball, ich bin eher dran, der Schiri pfeift, also war es Foul", sagte Jentzsch, der mit 261 Bundesligaspielen erfahrenste Profi auf dem Rasen. Hätte Werder die Situation nicht trotzdem klären können? "Uns haben da Cleverness und Konzentration gefehlt", sagte Sokratis. Ausgerechnet in der wichtigsten Szene des Nachmittages - eine bittere Lektion für Werders Talente-Ansammlung.

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