Werder Wie es Friedl nach seiner Covid-19-Erkrankung geht

Marco Friedl kann wohl am Samstag gegen Holstein Kiel für Werder antreten. Dabei hat er erst kürzlich Covid-19 überstanden. Obwohl er geimpft ist, war die Diagnose zunächst ein Schock, wie er erzählt.
25.11.2021, 17:46
Lesedauer: 4 Min
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Von csa

Von dem, was durch seinen positiven Corona-Test in Bremen losgetreten wurde, hat Marco Friedl wenig mitbekommen. Er war ja weit weg, in Österreich bei der Familie. Und als er wieder zurückkehrte zum SV Werder, war quasi schon alles gelaufen: Trainer Markus Anfang zurückgetreten, Co-Trainer Florian Junge gleich mit. Irgendwie alles wegen Friedl. Denn die routinemäßigen Maßnahmen nach seiner – während des kurzen Heimaturlaubs festgestellten Infektion – waren es, die ans Licht brachten, dass Anfang und Junge unechte Impfausweise genutzt hatten, mutmaßlich gar nicht geimpft sind.

Dass Friedl Teil dieser Geschichte geworden ist, geschah natürlich unfreiwillig. Und klar: Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn es beides nicht gegeben hätte: seine Infektion nicht und Anfangs Rücktritt auch nicht. Denn Freude habe das eine wie das andere nicht gemacht.

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„Wir haben einen guten Trainer verloren“, sagt der 23 Jahre alte Österreicher, möchte darüber hinaus aber keinen Kommentar zu Anfangs Verhalten abgeben. Dagegen wird der Innenverteidiger deutlich, wenn es ums Impfen an sich geht. Er gehört zu der großen Mehrheit der Werder-Profis, die durchgeimpft sind, sagt Friedl. Dass er sich dennoch infizierte, mache ihn nicht zur Ausnahme, vielen gehe es ja so. Aber was ohne Impfung gewesen wäre, mag sich der Fußball-Profi gar nicht vorstellen. „Ich glaube, mit einer Impfung sind die Symptome bei einer Ansteckung einfach leichter. Die Infektion geht schneller vorüber, der Verlauf ist milder.“ Jedenfalls ist das seine Schlussfolgerung aus den eigenen Erfahrungen.

Bei Friedl waren die ersten zwei Tage nach Diagnosestellung schlimm. Fieber und extreme Halsschmerzen plagten ihn, dazu Schwitzattacken in der Nacht. „Das hat sich dann zum Glück schnell wieder erledigt“, sagt er. Nur neun Tage nach dem positiven PCR-Test durfte er schon wieder reisen und nach Bremen zurückkehren. Seit Mittwoch ist Friedl wieder im Teamtraining, ein Einsatz am Samstag im Spiel bei Holstein Kiel scheint möglich. „Wie lange es dann schon wieder gehen wird, müssen wir noch abwarten“, sagt Friedl zwar, aber aktuell gehe es ihm „sehr gut. Ich fühle mich fit.“ Alle Tests, Blutuntersuchungen, EKGs sowie  Herz- und Lungenchecks seien positiv ausgefallen: „Deshalb haben die Mediziner ihr Okay für einen Einsatz am Samstag gegeben.“

Auch wenn sich rückblickend sagen lässt, dass die Infektion weitgehend harmlos verlaufen ist, war der Augenblick des positiven Tests „ein kleiner Schock“, meint Friedl: „Du denkst: Was passiert jetzt mit mir? Was hat das für Folgen für mich?“ Es waren Ängste, die er bis dahin nicht kannte. Die sich aber auch schnell abbauten, als das normale Gefühl zurückkehrte. An Spätfolgen glaubt Friedl wegen der schnellen Gesundung nicht. „Ein bisschen habe ich das zwar im Hinterkopf, aber grundsätzlich mache ich mir da keine Sorgen“, erklärt er.

Obwohl er jetzt mehr denn je ein Befürworter des Impfens ist, mag sich Marco Friedl nicht in die derzeitige Debatte über die Impfbereitschaft von Fußball-Profis einschalten. Weder will er die wenigen noch nicht geschützten Werder-Mitspieler überzeugen noch den nicht geimpften Kollegen in anderen Klubs ins Gewissen reden. Seine Haltung: „Ich bin dafür, dass man sich impfen lässt. Aber ich gehe jetzt nicht zu den Leuten und sage: ,Lasst euch impfen!‘ Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die ungeimpften Jungs müssen aber damit leben, dass sie bei jedem Corona-Fall in ihrer Umgebung in Quarantäne müssen. Dessen sind sie sich ja auch bewusst.“

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Dass Markus Anfang und Florian Junge angegeben haben, geimpft zu sein, obwohl sie es wohl nicht sind, könnten Spieler als große Täuschung und als üblen Schwindel bezeichnen. Doch Friedl gehört zur großen Fraktion derer, die ihre Meinung noch hinter dem großen Schild Unschuldsvermutung verstecken. Zu einem laufenden Verfahren möchte er nichts sagen. Nur so viel: Kurz vor der Rückreise nach Deutschland von Anfangs Rücktritt erfahren zu haben, „war schon ein Schock. Ich habe das noch am Freitag für nicht möglich gehalten“, erklärt Friedl.

Eine Woche später ist alles anders. Friedl leidet immer noch, aber diesmal mit seinem Landsmann Danijel Zenkovic. Nach nur einem Einsatz als Interimstrainer wurde auch bei dem 35-Jährigen eine Corona-Infektion festgestellt, auf der Bank sitzt am Samstag in Kiel deshalb U19-Coach Christian Brand. Friedl im Österreich-Dialekt: „Der Zenkovic Danijel hätt‘ sich sicher mega-gefreut, wenn er noch die Trainingseinheiten hätte machen können. Aber Christian Brand gibt alles dafür, uns so gut es geht auf Kiel vorzubereiten. Er nimmt uns Spieler gut mit, redet viel mit uns.“

Und die Mannschaft? Sie sei „noch enger zusammengerückt“ durch die Ereignisse, so Friedls Eindruck: „Jeder einzelne Spieler steht jetzt noch mehr in der Pflicht, dazu beizutragen, dass es im Team gut läuft. Du merkst schon, dass der Zusammenhalt sehr groß ist.“ 

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