Auswärtsniederlage in Dortmund

Werder spielt mit dem Feuer - und verliert

Zwischenzeitlich wackelte Werders Abwehr bedenklich, dann gefielen die Bremer bei Borussia Dortmund wieder mit Mut und Engagement. Die Belohnung gab es dafür allerdings nicht, sondern eine 1:2 (1:2)-Niederlage.
16.12.2018, 08:12
Lesedauer: 4 Min
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Werder spielt mit dem Feuer - und verliert
Von Malte Bürger
Werder spielt mit dem Feuer - und verliert
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Was hatte sich Werder nicht alles vorgenommen. Florian Kohfeldt stellte Nuri Sahin an alter Wirkungsstätte auf die Sechserposition, in der Offensive erhielt Martin Harnik nach seinem Treffer gegen Düsseldorf das Vertrauen. Werder wollte, so verriet es der Trainer unmittelbar vor der Partie, die Räume eng halten und defensiv gut stehen. Aber eben nicht nur. „Wenn man hier mit dem Gedanken reingeht, nur zu verteidigen, dann geht das nicht gut“, sagte Kohfeldt.

In der Praxis sah das dann zunächst so aus: Werder begann recht schwungvoll und versuchte, selbst mutig Akzente zu setzen. Das Problem: Es gelang nicht allzu lang. Es fehlte nicht viel und nach sieben Minuten hätte Werder bereits zurückgelegen. Nach einer Bremer Ecke konterte die Heimelf blitzschnell, Paco Alcacer lupfte den Ball über Jiri Pavlenka hinweg in Richtung Tor. Im allerletzten Moment kratzte Davy Klaassen den Ball noch artistisch von der Linie. Bei seiner Flugeinlage verletzte er sich am Schienbein, die Zeitlupe deckte wenig später auf, dass Alcacer ohnehin knapp im Abseits gestanden hatte.

Klaassen muss verletzt raus

Nur vier Minuten später stand der Niederländer erneut im Mittelpunkt. Im eigenen Strafraum gab es einen deutlichen Schubser gegen Marco Reus, doch die Pfeife von Schiedsrichter Guido Winkmann blieb stumm. Auch von den Video-Assistenten gab es durchaus glücklich keine Rückmeldung, sodass die Partie weiterlief. Allerdings nicht für Davy Klaassen. Das geprellte Schienbein streikte nun endgültig, für ihn kam Kevin Möhwald. „Was mich ärgert, ist, dass es eine klare Abseitsposition vor der Situation gab, diese aber nicht gepfiffen wird - und so verlieren wir dann unseren besten Spieler“, monierte Werders Sportchef Frank Baumann später.

Zu allem Überfluss fiel kurz darauf das 0:1. Bei einem Dortmunder Freistoß ließ sich die Bremer Abwehr in puncto Tempo und Aufmerksamkeit komplett düpieren, Alcacer köpfte völlig unbedrängt ein. Dieses Mal hob der Assistent zwar die Fahne, weil er eine Abseitsposition gesehen haben wollte, doch der Videobeweis belegte eindeutig, dass der Treffer völlig korrekt war (19.).

Wackelige Abwehr

Da war er nun also, der frühe Rückstand, den Werder unbedingt hatte verhindern wollen. Und die Bremer hatten es nicht leicht, aus ihrer misslichen Lage herauszukommen. Es war jetzt nicht so, dass sie es nicht versuchten. Im Gegenteil. Völlig unerschrocken wehrten sie sich gegen das drohende Unheil. Aber die Mittel fehlten dann doch häufig. Und diese Qualitätsunterschiede führten schließlich dazu, dass es direkt den zweiten Gegentreffer setzte. Nach einem Fehlpass von Niklas Moisander schaltete Dortmund wieder blitzschnell um und ließ sich auch von einer personellen Überzahl der Bremer nicht einschüchtern. Am Ende schob Reus locker ein (27.), erneut hatte die Werder-Defensive keine allzu gute Figur abgegeben.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde gab es dann mal ein richtiges Lebenszeichen der Kohfeldt-Elf. Kevin Möhwald probierte es mit einer Direktabnahme aus der zweiten Reihe, Roman Bürki im Tor des BVB parierte den guten Versuch jedoch sicher (31.). Aus fast identischer Position fasste sich kurz darauf Max Kruse ein Herz - und dieses Mal verfehlte der Schuss sein Ziel nicht (35.). Werder war urplötzlich wieder dran. Zumindest auf der Anzeigetafel. Denn ansonsten bestimmte die Borussia erwartungsgemäß das Spiel. Pavlenka verhinderte einen erneuten Reus-Treffer (40.), dann bügelte Sebastian Langkamp einen eigenen Patzer im letzten Moment gegen den einschussbereiten Raphaël Guerreiro aus (44.). Werder hätte also durchaus höher zurücklegen können, zur Wahrheit gehörte in der Halbzeitpause allerdings auch, dass beim Stand von 1:2 noch immer alles möglich war. Zumindest theoretisch.

Dicke Chancen nach der Pause

Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff hatte Kruse dann tatsächlich den Ausgleich auf dem Fuß. Der Kapitän traf den Ball zwar nicht ideal, gefährlich wurde es dennoch. Bürki rettete aber zur Ecke (46.). Fast im direkten Gegenzug kam Jadon Sancho an den Ball, der statt ins leere Tor jedoch nur das Außennetz traf (48.). Trotzdem: Werder wollte weiterhin mehr, übernahm die Initiative. Hatte gerade zuletzt die Leistung unmittelbar nach der Pause nicht gestimmt, agierten die Bremer dieses Mal direkt hellwach. Chancen gab es so auch weiterhin auf beiden Seiten. Erst wurde ein Möhwald-Schuss gerade noch geblockt (51.), dann probierten es die pfeilschnellen Dortmunder erneut über Alcacer und Reus (56.).

Werder spielte gewaltig mit dem Feuer. Das war zwar mitunter durchaus ansehnlich und beeindruckte die in dieser Saison so dominant agierenden Gastgeber gar, es war aber eben auch enorm gefährlich. Als eine Stunde gespielt war, stellte sich also endgültig die Frage, ob die Bremer für ihr Risiko belohnt werden oder am Ende doch als tapferer, aber eben auch trauriger Verlierer dastehen würden.

Pavlenka rettet doppelt

Fast wäre genau diese Frage blitzschnell beantwortet worden. Doch Jiri Pavlenka hatte etwas dagegen. Erst war der Tscheche gegen Sancho hellwach, Sekunden später gegen den Ex-Bremer Thomas Delaney (68.). Für Werder sollten es in der Schlussphase die eingewechselten Yuya Osako und auch Josh Sargent richten, überhaupt war es beeindruckend, wie sehr die Gäste bis zuletzt an sich glaubten. Häufig verlagerte sich das Spiel dadurch in die gegnerische Hälfte, allein es fehlte die zündende Idee vor dem Tor. Und zwar bis zuletzt. Fast hätte es gar noch das 1:3 durch Mario Götze gesetzt (90.+6), erneut griff jedoch der Video-Assistent wegen einer Abseitsstellung ein. Und so blieb es unter dem Strich dann eben doch bei der erwartbaren Niederlage, die aufgrund ihrer unglücklichen Entstehung fast noch ein wenig mehr wehtat. Courage hin, Leidenschaft her.

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