Werder-Sportchef über seine Zukunft

Baumann: Ich habe keine Angst vor dem neuen Aufsichtsrat

In drei Monaten wird ein neuer Aufsichtsrat des SV Werder Bremen gewählt. Sportchef Frank Baumann blickt dem gelassen entgegen, obwohl das neue Gremium ihn nicht mehr für den geeigneten Mann halten könnte.
06.06.2021, 17:29
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus
Baumann: Ich habe keine Angst vor dem neuen Aufsichtsrat

Sportchef Frank Baumann sieht der Wahl des neuen Werder-Aufsichtsrates gelassen entgegen.

Carmen Jaspersen /dpa

Der alte Cheftrainer ist längst entlassen und der amtierende Aufsichtsrat des SV Werder Bremen in drei Monaten ebenfalls Geschichte - der Abstieg aus der Bundesliga hat im Verein personelle Konsequenzen gehabt, die vielerorts durchaus passend als "Beben" beschrieben wurden. An Sportchef Frank Baumann sind die Erschütterungen dabei weitestgehend vorbeigegangen. Der 46-Jährige bleibt bekanntlich trotz zwei Jahren des sportlichen Misserfolgs im Amt. Als Arbeiten unter Bewährung oder auch nur unter verschärfter Beobachtung empfindet er seine Situation dabei nicht, wie er am Sonntag erklärte.

"In meinem Job steht man immer unter Beobachtung. Dafür sorgen allein schon die Journalisten, die Öffentlichkeit und die Fans", sagte Baumann, dessen heutige Arbeit ab Herbst allerdings rückblickend von einem Gremium kontrolliert werden wird, dessen Besetzung er heute noch nicht kennt. Wenn nach der Mitgliederversammlung am 5. September der neue Aufsichtsrat steht, könnte Baumann komplett anders bewertet werden, als es aktuell der Fall ist. Das amtierende Gremium um den Vorsitzenden Marco Bode hatte den auslaufenden Vertrag des Managers im vergangenen Dezember nur um ein Jahr bis Sommer 2022 verlängert, um der kurz zuvor wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Mitgliederversammlung inklusive Aufsichtsratswahlen Rechnung zu tragen. Ein möglicherweise neu gewähltes Gremium sollte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Eine damals sinnvolle Entscheidung, die nun dafür sorgt, dass Baumanns Zukunft ungewisser denn je ist. Hält der künftige Aufsichtsrat ihn nicht mehr für den geeigneten Mann, dürfte seine Zeit bei Werder schnell ablaufen. Allein schon wegen der dann nur noch kurzen Vertragslaufzeit.

Der Sportchef kennt diese Ausgangslage natürlich. Und er nimmt sie gelassen. "Das ist für mich ja keine ungewohnte Situation", sagte er und erinnerte: "Ich bin Ende Mai 2016 zum Geschäftsführer geworden, und auch damals war klar, dass sich der Aufsichtsrat im November komplett verändern wird. Wir hatten auch damals eine sehr schwierige Situation zu meistern." Entscheidender Unterschied: Damals hatte Baumann Werder nicht in diese Situation manövriert. Von sich und seiner Arbeit überzeugt ist er heute genau wie vor fünf Jahren. "Ich habe keine Angst vor dem neuen Gremium", betonte er. Auch größeren Druck empfinde er nicht. Ein freiwilliger Rückzug war deshalb nie Thema.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Wege, wie man sich seiner Verantwortung stellen kann. Der amtierende Aufsichtsrat hat für sich entschieden, nicht mehr anzutreten. Ich definiere für mich Verantwortung so, dass man nicht vor schwierigen Situationen wegläuft, sondern dass man sich der Kritik stellt und versucht, seinen Teil dazu beizutragen, dass wieder bessere Zeiten kommen", sagte Baumann.

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