Ehrliche und selbstbewusste Worte Möhwald ärgert seine „dumme Aktion“

Durch seinen lautstarken Disput mit Florian Kohfeldt geriet das Comeback von Kevin Möhwald am Wochenende in den Hintergrund. Nun äußerte sich Möhwald zu beidem - mit einem starken Auftritt vor den Medien.
21.10.2020, 18:46
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Möhwald ärgert seine „dumme Aktion“
Von Jean-Julien Beer

Andere Trainer wären in dem Moment sauer geworden, nicht aber Florian Kohfeldt. Klammheimlich war der Bremer Chefcoach sogar froh, dass Kevin Möhwald wütend und zeternd den Platz verließ, als ihn Kohfeldt kurz vor Ende des Spiels in Freiburg wieder auswechselte. Genau solche Emotionen hatte er lange vermisst. Und Kohfeldt hörte ja in diesem Moment, dass es dem heißblütigen Mittelfeldspieler nicht darum ging, dass er 40 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Feld musste – sondern um das taktische Fehlverhalten seines etwas lustlos wirkenden Mitspielers Milot Rashicas. „Kein Problem“, sagte Kohfeldt deshalb in seiner ersten Reaktion über Möhwalds Ausraster, „Kevin ist halt ein Wettkampfspieler, der will gewinnen.“

Im Laufe des Wochenendes wurde es aber doch zu einem Problem, weil die Fernsehbilder suggerierten, es würde bei Werder einen schweren Krach geben zwischen Möhwald und dem jungen Trainer. Sogar eine Demütung des lange verletzten Spielers so kurz vor dem Schlusspfiff wurde von manchen Medien in dieser Auswechslung gesehen. Deshalb schnappte sich Kohfeldt seinen Comebacker zu einem Gespräch unter vier Augen und verdeutlichte ihm die Kraft der TV-Bilder.

Möhwald reagierte verständnisvoll und zeigte sich am Mittwoch nach dem Training selbstkritisch. „Ich will klarstellen, dass es da nicht um meine Auswechslung ging. Denn die war klar besprochen“, begann er seine Erklärung, „aber ich muss mir natürlich dessen bewusst sein, dass bei solchen Bildern relativ schnell geglaubt wird, es würde um die Ein- und Wiederauswechslung gehen. Es ging aber um eine Sache im Spiel, die mir nicht gepasst hat. Und das habe ich bei der Auswechslung zum Trainer gesagt.“ Das sei „eine unnötige Aktion“ von ihm gewesen, räumte er ein, „man sieht solche Bilder ja nicht oft in der Bundesliga, deshalb hätte ich mir der Außenwirkung bewusst sein müssen. Ich bin ja keine 18 oder 19 mehr. Ich hätte bis nach dem Spiel warten können mit dem, was ich dem Trainer sagen wollte. Es war eine dumme Aktion, das wird mir nicht noch mal passieren. Es war der falsche Moment, das anzusprechen – und die falsche Art und Weise.“

Möhwald sieht Klaassens Abgang auch als Chance

Von so viel ehrlicher Selbstkritik könnte sich mancher Bundesligaprofi etwas abschauen, auch bei Werder. Und deshalb ist Kohfeldt glücklich, diesen „Möh“, wie er den Spieler nennt, wieder jeden Tag auf dem Platz zu haben, auch wenn der nach seiner Knie-Operation und 14 langen Monaten in der Reha noch Zeit braucht, bis er wieder voll belastbar ist. Im Abstiegskampf der vergangenen Saison hatte Kohfeldt oft betont, wie sehr Möhwald der Mannschaft fehle, als siegeshungriger Spieler auf dem Feld, aber auch als Führungsspieler in der Kabine. Viele verwunderte diese Wertschätzung, schließlich war Möhwald nach seinem Wechsel vom Zweitligisten Nürnberg nach Bremen zunächst kein Stammspieler und dann verletzt. Den Spieler selbst spornten die Worte seines Trainers an, er fasste seine bisherige Bremer Zeit nun ganz gut zusammen: „Im ersten Jahr, als ich aus der zweiten Liga kam, hatte ich noch Probleme, mich an das Tempo zu gewöhnen. Ich habe mich aber reingebissen und gezeigt, dass ich Bundesliga spielen kann. Dann kam eine sehr gute Sommervorbereitung, da habe ich mich sehr gut gefühlt und musste nicht mehr so viel nachdenken, wie bei Werder gespielt wird, weil ich das schon drin hatte. Da hat der Trainer gesehen, dass ich einen Mehrwert für die Mannschaft haben kann, auf und neben dem Platz. Und dann kam die Verletzung, ein Unglück, für das ich nichts konnte.“

Jetzt, im Oktober 2020, kehrt er ins Team eines veränderten SV Werder zurück. Es geht nicht mehr um Europa, Werder steckt auch nicht in Abstiegsnot, dafür schreit das dünn besetzte Mittelfeld förmlich nach einem potenziellen Führungsspieler. Auch wenn die 14 Monate Ausfallzeit „natürlich ein Brett sind“ und er Zeit brauche, um sich körperlich wieder an die Belastung von 90 Bundesligaminuten heran zu tasten, sieht Möhwald jetzt seine große Chance: „Es ist ein Loch im Mittelfeld entstanden, weil Davy Klaassen immer gespielt hat. Es liegt an jedem selbst, sich aufzudrängen. So ein Abgang ist auch immer eine Chance für andere. Ich will die Chance ergreifen und so viele Spiele wie möglich machen.“

„Ich kann der Mannschaft sehr gut helfen“

Er redete da gar nicht drumherum, sondern sagte auch das offen und ehrlich: „Wenn ich körperlich bei 100 Prozent bin, habe ich den Anspruch, zu spielen. Ich habe das Selbstvertrauen, zu sagen, dass ich der Mannschaft dann auch sehr gut helfen kann.“ Er will das durch Leistung belegen, im Training und im Spiel. Bei seinem Comeback in Freiburg gelang ihm das bereits sehr gut, so lange er die nötige Kraft hatte. Das Wichtigste für ihn: Das operierte Knie reagierte nicht. Keine Schwelllung oder Schmerzen, nicht im Training und auch nicht nach dem ersten Bundesligaeinsatz nun in Freiburg. „Und das“, sagte Möhwald mit hörbarer Erleichterung, „ist wie eine Befreiung für mich.“

Die Führungsrolle im Kader, die Kohfeldt ihm und dem ebenfalls lange verletzten Niclas Füllkrug in Abwesenheit aufgetragen hat, möchte Möhwald gerne mit Leben füllen. Er sehe sich durchaus selbst als so ein Typ, „ich hasse es einfach, zu verlieren und ich sage meine Meinung. Im ersten Schritt schaue ich aber auf meine Leistung – denn wenn die nicht stimmt, nehmen dich die Mitspieler auch nicht ernst. Es geht nicht ums Quatschen.“ Dass er Rashica in Freiburg im Spiel deutlich die Richtung wies, war schon ein erster Fingerzeig. „Ich denke schon, dass Milot mich da verstanden hat“, meinte Möhwald.

Weiteren Druck muss ihm keiner machen, denn der Ex-Nürnberger ist erfreulich klar im Kopf. „Für mich persönlich ist das jetzt eine sehr wichtige Saison“, betonte er, „ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste. Klar, ich bin nicht alt, aber ich bin jetzt 27 und keine 23 mehr. Ich war auf einem sehr guten Weg, mich bei Werder festzuspielen. Dann kam die Verletzung. Jetzt liegt es an mir, so schnell wie möglich wieder auf das körperliche Level zu kommen, um mich festzuspielen.“ Kein Zweifel: Möhwald will’s jetzt wissen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+