Kapino würde auch mit in die 2. Liga gehen

Liebeserklärung an Werder Bremen

Legionäre gibt es viele in der Liga, es gibt aber auch Spieler wie Stefanos Kapino. Hier erklärt Werders griechischer Torhüter, was ihn in Bremen so fasziniert. Und warum er bei Abstieg bleiben möchte.
20.03.2020, 13:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer
Liebeserklärung an Werder Bremen

Auf dem Weg zu seinen ersten 90 Minuten für Werder: Stefanos Kapino vor dem Spiel in Berlin.

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Seinen 26. Geburtstag hätte Stefanos Kapino gerne anders gefeiert, in größerer Runde. Wegen der aktuellen Lage blieb ein solches Fest jedoch aus. Seine Videos bei Instagram zeigen aber, dass es ihm trotzdem gut geht in Bremen. Zuletzt tanzte er mit seiner Frau auf der Dachterrasse. Und wenn man im Hintergrund die Ausläufer der Weser so dahinplätschern sieht, unterstreicht das den Eindruck, dass da jemand nach einigen Stationen in Griechenland, in England und in Mainz inzwischen sehr gerne in Bremen lebt.

Das betont Werders griechischer Torhüter auch im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Bremen ist meine erste Heimat. Ich verbringe hier mehr Zeit als irgendwo sonst“, erzählt Kapino, „ich fühle mich wirklich wohl. Ich liebe die Stadt und die Leute, wie sie diese Mannschaft unterstützen.“ Werders Spieler mit der unscheinbaren Trikotnummer 27 sagt das nicht einfach so dahin. Er kann es erklären und begründen, und dabei wird deutlich, dass er sich ernsthaft mit allem beschäftigt, was im Laufe einer Saison um ihn herum passiert. „Die Leute hier in Bremen“, hat Kapino in den vergangenen Monaten mit all den nicht gewonnenen Spielen festgestellt, „die bleiben auch in schwierigen Zeiten dabei.“

„Werder ist ein großer Verein“

Inzwischen kann er diese besondere Treue der Bremer Fans zur ihrem Verein beurteilen. Nach seinem Wechsel von Nottingham Forest zu Werder im Sommer 2018 habe er nun „zwei völlig unterschiedliche Saisons hier erlebt“, erklärt Kapino, „vergangenes Jahr wären wir fast in den Europacup gekommen, alle waren glücklich. Es ist seltsam, nun diese schwierige Saison mit dem Abstiegskampf zu erleben und zu spüren, dass die Leute trotzdem alle hinter uns stehen.“ Dass das Weserstadion trotz des Abstiegskampfes und der enttäuschenden Spiele immer voll war, hat Kapino beeindruckt und auch nachdenklich gestimmt: „Die Fans unterstützen uns manchmal sogar mehr, als wir es verdienen. Das gefällt mir wirklich sehr. Ich möchte all diesen Leuten gerne etwas zurückgeben für diese besondere Unterstützung.“

Am liebsten durch den Klassenerhalt, sollte die aktuelle Saison denn noch zu Ende gespielt werden. Und wenn es für Werder künftig doch in der zweiten Bundesliga weitergehen würde, möchte Kapino gerne weiter in Bremen dabei sein. „Als ich zu Werder kam, war es natürlich nicht mein Ziel, in die zweite Liga zu gehen“, erzählt er, „und ich hätte auch niemals gedacht, dass Werder Bremen absteigen könnte. Für mich ist das ein großer Verein hier, das ist kein Zweitligist. Und ich denke immer noch, dass es nicht passieren wird.“

„Ich würde gerne hier bleiben“

Sollte es „unglücklicherweise doch so kommen und Werder steigt ab“, dann glaubt Kapino fest an eine schnelle Rückkehr: „Dann wird es ein Jahr dauern, bis Werder zurück ist in der Bundesliga.“ Nach heutigem Stand wäre es sehr unwahrscheinlich, dass Jiri Pavlenka in seiner Rolle als Stammtorhüter und tschechischer Nationalspieler mitgehen würde in die zweite Liga. Pavlenka galt schon im vergangenen Sommer als ein Kandidat für einen Verkauf. Für Kapino könnte sich dadurch bei Abstieg die Chance auf einen festen Platz als neue Nummer 1 in Bremen ergeben. „Ich würde mehr als glücklich sein, wenn ich noch viele Jahre hier in diesem Verein bleiben könnte. Das habe ich immer betont“, sagt er dazu, „ich fühle mich bei Werder sehr wohl, es ist ein besonderer Verein. Ich würde gerne hier bleiben und spielen, auch in der zweiten Liga. Denn die Liga wäre für mich nicht ausschlaggebend.“ Worte, die selten geworden sind in der Fußballbranche. Und die zeigen, dass Kapino in Bremen nicht auf der Durchreise ist.

Kein glücklicher Start

Dabei waren die ersten beiden Jahre von Kapino in Bremen keineswegs von einer persönlichen Glückssträhne geprägt. Ganz im Gegenteil. Gleich in seiner ersten Saisonvorbereitung zog er sich eine komplizierte Verletzung im Oberschenkel zu. Und das gerade einmal vier Tage nach seiner offiziellen Vorstellung bei Werder. Es passierte im Trainingslager in Grassau, und wie das halt manchmal so ist bei Werder, ging man zunächst gar nicht von einer längeren Pause aus. Doch nach einer gründlichen MRT-Untersuchung war klar, dass Kapino doch nicht die anfangs veranschlagten wenigen Wochen ausfallen würde, sondern gleich mehrere Monate. Grund war eine Muskel- und Sehnenverletzung.

So verpasste Kapino die erste Chance, für Pavlenka ins Tor zu kommen. Als sich der Tscheche beim 2:1-Sieg in Frankfurt im September 2018 verletzte, durfte der junge Luca Plogmann in der zweiten Hälfte ins Tor. Kapino hatte da gerade mal mit der Reha begonnen und musste bis zum 19. Januar warten, ehe er endlich in der Bundesliga zum Bremer Kader gehörte. Nach der Wintervorbereitung rückte er an Plogmann vorbei zur Nummer zwei im Tor auf, wie ursprünglich geplant. Im April durfte er dann erstmals ins Tor, nachdem sich Pavlenka während des Heimspiels gegen den SC Freiburg verletzt hatte: In der 53. Minute kam Kapino damals zu seinem Werder-Debüt in der Bundesliga und half, den 2:1-Sieg zu sichern.

Noch ungeschlagen im Bremer Tor

Sein Bundesligadebüt war das übrigens nicht. Schon in seiner Zeit bei Mainz 05 war Kapino in der Saison 2014/15 zu zwei Einsätzen gekommen. Nach einer Roten Karte des damaligen Mainzer Torhüters Loris Karius spielte Kapino zunächst gegen Hertha BSC und dann auch beim Auswärtsspiel in Dortmund.

Für Werder stand er zuletzt beim 2:2 gegen die Hertha in Berlin 90 Minuten im Tor, weil sich Pavlenka zuvor beim Pokalaus in Frankfurt am Oberschenkel verletzt hatte. 2:1 gegen Freiburg, 2:2 bei der Hertha – immerhin kann Kapino darauf verweisen, noch kein Spiel mit Werder verloren zu haben. Wenn Pavlenka wieder fit ist, dürfte dieser trotzdem zunächst wieder im Bremer Tor stehen – wenn diese Saison denn noch einmal angepfiffen wird.

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