Werder beantragt 10.000 Zuschauer Fan-Rückkehr ins Weserstadion wäre für Filbry "richtiges Signal"

Der SV Werder Bremen möchte im Weserstadion 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zulassen und hat einen entsprechenden Antrag bei der Stadt gestellt.
25.01.2022, 16:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger

Vielleicht geht jetzt alles ganz schnell. Werder wünscht sich die Rückkehr Tausender Fans ins Weserstadion, womöglich kommt es schon in knapp anderthalb Wochen beim nächsten Heimspiel gegen den Karlsruher SC (Samstag, 5. Februar, 13.30 Uhr) dazu. Doch vorher muss die Politik handeln. „Werder Bremen hat einen entsprechenden Antrag gestellt, 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer wieder im Weserstadion zuzulassen“, erklärte Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Innenressorts auf Nachfrage unserer Deichstube. „Der Senat wird über diesen Antrag in der kommenden Woche Dienstag beraten.“

Werder-Boss Klaus Filbry ist guter Dinge, dass das Ergebnis hinterher ein gutes aus Sicht des Vereins sein wird. „Bislang wurden wir von der Bremer Politik gut durch diese Corona-Krise geleitet. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir auch jetzt wieder konstruktive Lösungen erarbeiten werden“, sagte er auf Nachfrage. „Ich hoffe, dass wir unter Berücksichtigung unserer nachweisbar guten Hygienekonzepte schon bald wieder mit Zuschauern im Wohninvest Weserstadion spielen können.“

Bald, das ist im Idealfall das Duell mit dem KSC. Die Zeit der Vorbereitung würde zweifelsfrei genügen, nach einem Entschluss am Dienstag könnte Werder die Fan-Rückkehr zeitig genug in die Wege leiten. Ein Aspekt, der sich in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten natürlich auch finanziell lohnen würde.

Aufgrund der pandemischen Lage wird aktuell aber selbstverständlich ganz genau hingeschaut, inwiefern Großveranstaltungen überhaupt realisierbar und auch gerechtfertigt sind. Klaus Filbry ist trotz der aktuellen Inzidenzen von der Öffnung der Stadien überzeugt: „Ich glaube, dass es das richtige Signal ist, weil Bremen insgesamt als Bundesland während dieser Pandemie einen guten Job gemacht hat“, betonte er. „Wir wissen zudem jetzt, dass die Omikron-Variante deutlich milder im Verlauf ist.“

Und dennoch hat nicht nur der Fußball mit Einschränkungen zu kämpfen, auch die Profiligen im Handball, Eishockey oder Basketball sind betroffen – während im kulturellen Bereich mitunter andere Auflagen gelten. Diese Tatsache hat für reichlich Kritik gesorgt. „Wir begeben uns nicht in dieses Lamentieren mit hinein“, meinte Filbry, „man kann aber sicherlich hinterfragen, warum beispielsweise in der Elbphilharmonie 94 Prozent Auslastung erlaubt sind und bei Fußballspielen unter freiem Himmel nur 750 Zuschauer.“

In Bayern werden es nun sogar wieder 10.000 sein, das hat der Freistaat am Dienstag beschlossen – obwohl die Länder eigentlich bis zum 9. Februar einheitlich handeln wollten. Vorwürfe für diesen Vorstoß aus dem Süden und den abermaligen Flickenteppich in Sachen Geisterspiele gibt es von Werder aber nicht. Vielmehr erklärte Klaus Filbry: „Man muss die Lage differenziert betrachten, weil wir in jedem Bundesland andere Voraussetzungen haben. Insofern möchte ich mich nicht zur bayerischen Vorgehensweise äußern.“ Eines lag dem 55-Jährigen aber noch am Herzen: „Ich kann nur sagen, dass wir stets mit der Bremer Politik im guten Dialog waren und den dortigen Entscheidungen auch folgen. Wir haben auch die Hygienevorschriften alle stets umgesetzt, sodass die möglichen Spiele mit Zuschauern bezüglich der Ansteckungsgefahr auch problemlos durchgeführt werden konnten.“ Und so soll es möglichst schnell wieder sein.

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An höherer Stelle regt sich Unmut, dass die deutsche Politik erst bis zum 9. Februar gemeinschaftlich eine Entscheidung für überregionale Großveranstaltungen ausarbeiten will. Donata Hopfen, neue Chefin der Deutschen Fußball-Liga (DFL), gefällt es dagegen gar nicht, dass jüngst auf eine weitere Öffnung der Fußballstadien verzichtet wurde. „Die Eindämmung der Pandemie und der Schutz des Gesundheitssystems genießen selbstredend Priorität, erst recht angesichts der Omikron-Welle", ließ sie sich am Montag in einer Mitteilung der DFL zitieren. „Im Sinne des gesamten Profisports wäre es dennoch wichtig gewesen, schon jetzt mit Blick auf die Zulassung von Fans Einigkeit über differenzierte Szenarien zu erzielen, die sich an der jeweiligen Pandemie-Lage orientieren." Darüber hinaus kritisierte sie, dass der Profisport „aktuell an vielen Stellen objektiv schlechter gestellt" sei als andere Lebensbereiche. Für die DFL-Geschäftsführerin sei jedoch genau das nicht nachvollziehbar. Auch deshalb hoffe sie, dass jetzt möglichst zeitnah gehandelt wird: „Wir gehen davon aus, dass bis zum 9. Februar konkrete Lösungsansätze vorliegen – und sind gerne bereit, daran mitzuarbeiten", sagte Hopfen.

Gegenwind erhält die Politik nicht mehr nur aus dem Fußball, auch die Profi-Ligen aus Handball (HBL), Eishockey (DEL) oder Basketball (BBL) hatten zuletzt ein Ende des Pauschalverbot von Zuschauern gefordert. Deutliche Worte fand auch Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund. So sei es „bitter, dass die Mehrheit der MPK-Teilnehmer nach zwei Jahren nur an Verbote denkt und nicht auch an ein Mindestmaß an Möglichkeiten und logischen Entscheidungen", wetterte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Knapp drei Viertel der Deutschen sind geimpft. Seit Monaten gibt es ausreichend Impfangebote für jeden einzelnen Bürger in diesem Land. Trotzdem lassen wir in Innenräumen teilweise fast 90 Prozent der Kapazität zu und in Freiluftstadien nur 750 Menschen. Unter freiem Himmel werden die Leute ausgesperrt. Das ist nicht verhältnismäßig, das ist auch keine Wissenschaft, das versteht kein Mensch mehr.“

++ Dieser Artikel wurde am 25. Januar um 19.14 Uhr aktualisiert. ++

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