Zurückgeblättert: 13. März 1964 „Werder stellt den Angriff um“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
08.03.2019, 09:12
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Von mw

Am 13. März 1964 schrieb der WESER-KURIER:

Der FC Schalke 04 hat seine letzten drei Auswärtsspiele in der Bundesliga mit einem Torverhältnis von 1:9 verloren. Schon allein aus diesem Grunde hätte Werder noch vor einer Woche gegen die Elf aus dem Kohlenpott als Favorit gegolten. Von einer Außenseiterrolle der Schalker kann aber nach den Ergebnissen des letzten Spieltages in der Bundesliga nicht mehr die Rede sein, denn die Schalker bewiesen in ihrem Treffen mit dem 1. FC Nürnberg (4:1) aufsteigende Form, während die Bremer Mannschaft gegen Eintracht Braunschweig eine dürftige Leistung bot und 2:3 unterlag. Hat Schalke seine Krise überwunden, und bleibt Werder seiner Gewohnheit treu, nach einem enttäuschenden Spiel ein gutes folgen zu lassen? Das sind die Fragen, die alle Zuschauer besonders interessieren, die dem am Sonnabend um 16.30 Uhr im Weser-Stadion beginnenden Treffen beiwohnen wollen. Es wird von Schiedsrichter Tschenscher aus Mannheim geleitet.

Die Schwächen Werders lagen am letzten Sonnabend gleichermaßen in der Abwehr und im Angriff. Ob sich eine Umstellung bewährt, die schon deshalb nicht zu umgehen ist, weil der Halbrechte Ferner mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus liegt, bleibt abzuwarten. Da auch Klöckner noch nicht wieder zur Verfügung steht, ist es besonders wichtig, daß Soya nach längerer Pause wahrscheinlich wieder mitmachen kann.

Er soll zusammen mit Meyer den linken Flügel bilden, während Thun auf die halbrechte Position und Jung in die Mitte rückt. Einer dieser beiden wird wahrscheinlich den Auftrag erhalten, Jagielski zu entlasten, dessen Gegenspieler Matischak letzthin glänzende Kritiken erhielt. Der wendige,- geschickte und schußstarke Mittelstürmer ist in der Lage, allein ein Spiel zu entscheiden, wenn ihm zuviel Spielraum gelassen wird. Werder kündigt folgende Aufstellung an: Bernard; Piontek, Lorenz; Schütz, Jagielski, Schimeczek; Zebrowski, Thun, Jung, Soya, Meyer.

Bekannte und bewährte Spieler beider Vereine stehen sich ab 15 Uhr in einem Vorspiel der „Alten Herren" gegenüber. Schalke meldet Kersting; Hinz, Klimmeck; Berg, Matzkowski, Dargaschewski; Cremer, Siebert, Burdenski, Kretschmann und Behring. Werders Traditionsmannschaft besteht aus Ilic; Henrichs, Ackerschott; Hagenacker, Pöschl, Konopkaj, Wunderlich, Erwin Ebert, Stange, Preuße, Mohrmann.

Kaum jemand zweifelt noch daran, daß der 1. FC Köln der erste Bundesligameister wird. Von Woche zu Woche ist die Zahl seiner Verfolger kleiner geworden, denn die Konkurrenten jagen sich gegenseitig die Punkte ab. Die Frage ist nur, ob der Tabellenführer noch vom Meidericher SV in Gefahr gebracht werden kann. Gewinnt er auch das Treffen im Duisburger Stadion, ist er nur theoretisch noch zu überflügeln. Selbst ein Unentschieden brächte ihn schon ein großes Stück weiter. Vielleicht zeigt sich in diesem Treffen recht drastisch, welch schlechter Dienst der inzwischen für zwei Monate gesperrte Kölner Mittelstürmer Müller seinem Verein erwies, als er sich im Spiel gegen Eintracht Frankfurt zu einer groben Unsportlichkeit hinreißen ließ. Das Duisburber Stadion müßte 80 000 Plätze haben, um alle Interessenten an dieser Begegnung aufzunehmen.

„Jetzt wird unser Publikum einen Sieg von uns erwarten", sagte der Braunschweiger Trainer Johannsen nach dem 3:2-Sieg seiner Mannschaft in Bremen, als er von der 2:9-Niederlage des HSV in München hörte, und man merkte, daß ihm bei diesem Gedanken gar nicht wohl war. In der Tat ist es fraglich, ob der HSV, dessen Spieler in der letzten Woche harte Worte zu hören bekamen, sich wieder soweit gefangen hat, daß er mit Selbstvertrauen in Braunschweig antritt. Der reiche HSV hat nicht genug getan, um gute Ersatzspieler heranzuziehen. Das rächt sich nun bitter.

Borussia Dortmund konzentriert sich offenbar ganz auf den Europapokal und wird wahrscheinlich wenige Tage vor dem Rückspiel gegen Dukla Prag kein großes Risiko eingehen. Darin liegt die Chance des VfB-Stuttgart, der als Anwärter auf die Meisterschaft abgeschlagen ist, aber einen guten Tabellenplatz zu verteidigen hat.

Die meisten vom Abstieg bedrohten Mannschaften müssen außerhalb antreten. In Bremen interessiert vor allem, wie sich Hertha BSC, der nächste Gegner Werders, im Frankfurter Wald-Stadion gegen Eintracht hält. Die Frankfurter glauben, mit Huberts einen durchschlagskräftigen und mit guter Spielübersicht ausgestatteten Mittelstürmer gefunden zu haben. Huberts wird übrigens wahrscheinlich demnächst in der österreichischen Nationalmannschaft stehen. Der österreichische Verband bemüht sich um seine Freigabe. Wird sie erteilt, wäre es das erste Mal, daß ein deutscher Bundesligaverein einen Spieler an ein Nachbarland „ausleiht".

Die Bundesligaspiele beginnen am Sonnabend alle einheitlich um 16.30 Uhr. Das Programm (in Klammern die Ergebnisse der Vorrunde). Meidericher SV — 1. FC Köln (3:3), Borussia Dortmund — VfB Stuttgart (1:2), Eintracht Braunschweig — Hamburger SV 1.2, Werder Bremen — FC Schalke 04 (3:2), München 1860 — Preußen Münster (0:0), Karlsruher SC — 1. FC Saarbrücken (3:1), Eintracht Frankfurt — Hertha BSC Berlin (3:1), 1. FC Kaiserslautern — 1. FC Nürnberg (5:0).

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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