Heimniederlage gegen Hoffenheim Werder stößt an seine Grenzen

Werders Fußballer wollten ein Fest feiern in ihrem letzten Heimspiel der Saison. Aber sie erlebten ein Debakel. Sie blieben beim 3:5 (0:3) gegen 1899 Hoffenheim ohne jede Chance.
13.05.2017, 14:21
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Werder stößt an seine Grenzen
Von Andreas Lesch

Werders Fußballer wollten ein Fest feiern in ihrem letzten Heimspiel der Saison. Aber sie erlebten ein Debakel. Sie blieben beim 3:5 (0:3) gegen 1899 Hoffenheim ohne jede Chance.

Wochenlang haben Werders Fußballer vom Einzug in die Europa League geträumt. Am Sonnabend sind sie auf sehr unschöne Art beim Träumen gestört worden. Sie verloren 3:5 (0:3) gegen 1899 Hoffenheim. In der Tabelle der Bundesliga bleiben die Bremer damit zwar auf Rang acht. Um jetzt noch ins internationale Geschäft kommen zu können, müssen sie aber am letzten Spieltag der Saison bei Borussia Dortmund gewinnen – und hoffen, dass die Konkurrenz patzt.

Angreifer Max Kruse scheint die Hoffnung darauf fast schon aufgegeben zu haben. „Wir haben drei Tore gemacht. Aber man hat gesehen, dass wir es im Schlussspurt auch nicht verdient haben, europäisch zu spielen“, sagte er. „Man hat große Defizite gesehen. Der Kampfgeist ist da, aber wir haben viele Fehler gemacht.“

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Die Bremer kassierten gegen Hoffenheim nach dem 3:4 beim 1. FC Köln die zweite Niederlage in Serie. Anders als in Köln waren sie aber am Sonnabend im Weserstadion kein aktiver Teil eines hochklassigen Spektakels. Diesmal waren sie ein lange Zeit nachlässiges, unkonzentriertes Team, das sich einige abstruse Fehler leistete. Neun Gegentore haben die Bremer nun in zwei Spielen kassiert – ihre alten, überwunden geglaubten Abwehrprobleme sind also zurück. „Wenn man fünf Gegentore zu Hause bekommt, kann man nicht viel richtig gemacht haben im Defensivverbund“, kritisierte Kruse. Mit Blick auf das Duell gegen Dortmund warnte er: „Wir müssen schleunigst daran arbeiten, damit wir nächste Woche gegen einen Gegner, der noch einen Tick stärker ist, nicht wieder fünf Stück bekommen.“

Früh in der Partie deutete sich an, dass die Bremer schon mit dem Gegner Hoffenheim ein ernsthaftes Problem bekommen würden. Nach elf Minuten lagen sie 0:2 zurück. Vor dem ersten Gegentreffer rannten sich in der Hoffenheimer Hälfte Serge Gnabry und Thomas Delaney gegenseitig über den Haufen; so entstand der Angriff. Hinten vertändelte dann Abwehrchef Lamine Sané den Ball, der Hoffenheimer Adam Szalai nutzte das und platzierte den Ball im rechten unteren Eck (7.).

Vor dem zweiten Gegentreffer ließen die Bremer dem Hoffenheimer Andrej Kramaric nach einem weiten Diagonalpass auf ihrer rechten Abwehrseite endlos viel Zeit und Raum. Rechtsverteidiger Robert Bauer war nach vorne gesprintet in Erwartung eines Bremer Konters. Nun fehlte er hinten – und auch Sané griff den Hoffenheimer nicht an. Er ließ ihn einfach schießen. So traf Kramaric ins kurze Eck zum 0:2 (11.).

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Die Bremer wirkten noch ungeordneter, noch konfuser, noch desorientierter als vor einer Woche, in der Anfangsphase des 3:4 in Köln. „Die Mannschaft ist einfach nicht wach gewesen am Anfang“, kritisierte Klaus Filbry, der Vorsitzende von Werders Geschäftsführung, in der Halbzeitpause im Sky-Interview. Nach einer Viertelstunde bekamen die Bremer allmählich ein bisschen mehr Struktur und Ordnung in ihr Spiel. Aber sie machten auch jetzt immer nur das, was die Hoffenheimer sie machen ließen. Sie stießen gegen den Champions-League-Aspiranten schmerzhaft an ihre Grenzen. Sie waren diesem selbstbewussten, zielstrebigen, ballsicheren Klasseteam hoffnungslos unterlegen. Angreifer Fin Bartels sagte, seine Mannschaft habe bei allen Gegentreffern „überhaupt nicht gut verteidigt“. Er befand: „Da standen wir irgendwie komplett neben uns.“ Kruse sagte, der frühe, deutliche Rückstand sei „sehr, sehr bitter“ und „sehr ernüchternd“ gewesen: „Wir hatten uns viel vorgenommen.“

Werders Trainer Alexander Nouri hatte auf Sieg spielen wollen, er hatte eine offensive Aufstellung gewählt. Er hatte nicht nur Kruse und Fin Bartels gebracht, sondern auch Serge Gnabry. Aber das half nichts, denn im Angriff kam der Ball fast nie an. Kruse ging oft zurück bis in die eigene Hälfte, um überhaupt am Spiel teilnehmen zu dürfen. In der 29. Minute hatte Gnabry die erste ernstzunehmende Bremer Chance der Partie: Er schoss von der Strafraumgrenze knapp daneben.

Bartels: "Wir waren nicht energisch genug"

Aber sonst? Nichts war sonst. Die Bremer zeigten nichts von dem Schwung und Drang, von der defensiven Stabilität und offensiven Kraft, die sie während ihrer Siegesserie in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte. Vor der Pause kassierten sie sogar noch den dritten Gegentreffer. Nach einem Pass von Pavel Kaderabek tanzte Steven Zuber den bedauernswerten Bauer aus und traf flach zum 0:3 (40.). „Hoffenheim hat das super gemacht. Aber das ist keine Entschuldigung für das, was wir hier abgeliefert haben“, sagte Bartels. „Wir waren nicht energisch genug, wir sind immer einen Schritt zu spät gekommen. Dann funktioniert das nicht.“

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Ob das Chaos in der Bremer Defensive mit der Umstellung von der Dreierkette auf die Viererkette in der Abwehr zu tun hatte? Klubchef Filbry jedenfalls glaubte das nicht. „Das hat nichts mit der taktischen Umstellung zu tun, das hat mit Zweikampfverhalten zu tun“, sagte er. Auch nach der Pause konnten die Bremer sich nicht plötzlich neu erfinden, an diesem Tag konnte Trainer Alexander Nouri ihr Spiel durch seine Halbzeitansprache nicht völlig verändern. An diesem Tag ging, anders als oft in den vergangenen Wochen, nach der Pause einfach alles so weiter.

Delaney ließ Mark Uth aus dem Mittelfeld heraus einen Pass zu Kramaric spielen; der Angreifer lief aufs Tor zu, Bauer wich zurück, er griff ihn einfach nicht an – und schon stand es 0:4 (49.). Nach einem Eckball von Kerem Demirbay traf Ermin Bicakcic per Kopf schließlich sogar zum 0:5 (52.); Milos Veljkovic ließ ihn gewähren. Die Bremer näherten sich nun einer Blamage. Sie schauten nur noch zu, wie sie von den Hoffenheimern beherrscht wurden. Sie griffen sie gar nicht mehr an, sie trabten nur nur noch nebenher. „Wir haben heute viel zu wenig gemacht“, sagte Kruse.

Werder erwacht zu spät

Erst nach knapp einer Stunde begannen die Bremer, sich zu wehren. Sie merkten, dass sie sich so im letzten Heimspiel der Saison nicht von ihren Fans verabschieden durften. Theo Gebre Selassie traf nach einer Flanke von Kruse zum 1:5 (59.). Kruse hätte gleich danach fast sogar noch ein Tor erzielt, doch Oliver Baumann parierte seinen schönen Schuss (62.).

Was folgte, war nicht mehr sehr aufregend. Die Hoffenheimer mussten nichts mehr tun, und die Bremer kickten nun auch eher harmlos vor sich hin. Sie wussten, dass sie dieses Spiel längst verloren hatten. Kurz vor Schluss tat Philipp Bargfrede dann doch noch was für die grün-weiße Seele. Der Mittelfeldspieler, der so lange verletzt gefehlt hatte, traf nach einer Flanke von Bauer in bester Mittelstürmer-Manier zum 2:5 (86.). Und Bauer, dem an diesem Tag so viel misslungen war, erzielte sogar noch das 3:5 (90.).

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