Souveräner 4:1-Sieg gegen Heidenheim

Werder stürmt ins Achtelfinale

Dank einer imposanten Anfangsphase ist Werder souverän ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Vor eigenem Publikum bezwangen die Bremer den Zweitligisten 1. FC Heidenheim mit 4:1 (4:1).
30.10.2019, 21:52
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Werder stürmt ins Achtelfinale
Von Malte Bürger
Werder stürmt ins Achtelfinale

Torschützen unter sich: Marco Friedl (r.) und Milot Rashica bejubeln Werders Sieg gegen Heidenheim.

nordphoto

Die Worte des Trainers waren im Vorfeld unmissverständlich gewesen: „Wir werden die bestmögliche Mannschaft aufbieten“, hatte Florian Kohfeldt gesagt. Für das Pokalspiel gegen den 1. FC Heidenheim bedeutete das einen gleich vierfachen Wechsel, besonders in der Abwehr mischte der Coach kräftig durch. Der just genesene Ömer Toprak wurde direkt wieder geschont, um die Englische Woche unbeschadet durchstehen zu können. Darüber hinaus fehlte Christian Groß aufgrund von Magen-Darm-Problemen. Die Zentrale bildeten daher in Abwesenheit des noch immer verletzten Niklas Moisander ein wenig überraschend Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp.

Auch auf der rechten Seite wurde das Personal getauscht, so schickte Kohfeldt nicht etwa Dauerbrenner Theodor Gebre Selassie erneut ins Rennen, sondern gab Michael Lang eine weitere Chance dazu, sich zu beweisen. Des Weiteren kehrte Philipp Bargfrede in die Startformation zurück, während Nuri Sahin eine schöpferische Auszeit bekam. Auf zusätzliche Verschiebungen verzichtete Florian Kohfeldt, die Offensive blieb mit Milot Rashica, Josh Sargent und Leonardo Bittencourt unverändert. Rückkehrer Yuya Osako saß erst einmal auf der Bank.

Rashica und Bittencourt sorgen für Blitzstart

Werder wollte von Beginn an Druck machen, das Tempo sofort hoch halten. Und das gelang. Der Favorit übernahm weitgehend die Kontrolle und ließ den Ball laufen. Und nach gerade einmal sechs Minuten durfte prompt gejubelt werden. Philipp Bargfrede hatte den Vorwärtsgang eingelegt und Milot Rashica in Szene gesetzt. Der Kosovare lief noch ein paar Meter und schlenzte das Spielgerät wunderbar und unhaltbar an Gäste-Keeper Vitus Eicher vorbei ins Tor.

Und die Bremer blieben nach diesem Blitzstart dran. Erst wurde ein Schuss von Davy Klaassen noch geblockt (9.), dann erzielte Leonardo Bittencourt nach Sargent-Vorarbeit seinen ersten Treffer im Werder-Trikot (11.). Der Großteil des Publikums sang, klatschte und war richtig zufrieden, als sich die Partie nach einer Viertelstunde eine erste kleine Auszeit nahm. So viel war klar: Werder wollte mit Vehemenz und Cleverness souverän ins Achtelfinale.

Klaassen legt zügig nach

Es dauerte nicht lange, da ertönte im Weserstadion erneut das Nebelhorn. Dieses Mal hatte Klaassen mehr Erfolg, als er an der Strafraumgrenze den Ball erhielt, dieser beim anschließenden Schuss abgefälscht wurde und somit ungehindert ins Netz flog (18.). Den Bremern gelang es tatsächlich in imposanter Manier, den Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaft sichtbar zu machen. Und das hatte es aus Werder-Sicht schon ziemlich lange nicht mehr gegeben.

Nun war es nicht so, dass die Heidenheimer gänzlich untätig waren - ihnen fehlten schlichtweg die Mittel, um sich die energischen Gastgeber vom Leib zu halten. Bot sich auch nur die geringste Möglichkeit, war zumeist ein Bremer zur Stelle und bereinigte die Situation. Es gab also für den grün-weißen Anhang genügend Gründe zur Freude. Doch die Stimmung hakte. Schon während des Spiels meldeten sich über die sozialen Medien mehrere Fans und beklagten, dass es in der Ostkurve eine Polizeieinsatz gegeben hatte, bei dem ein den Stadionsponsor kritisierendes Banner mit harten Mitteln entfernt worden sein soll. Etliche Ultras verließen daraufhin als Zeichen des Protests die Tribüne und hinterließen ein sattes Loch in der ansonsten stets prall gefüllten Ostkurve.

Nächste kuriose Handspiel-Entscheidung

Und auf dem Platz? Da ging der Torreigen munter weiter. Klaassen schickte den mitgelaufenen Marco Friedl steil, der anschließend überlegt ins lange Eck traf (40.). Wenig später verpasste Bittencourt mit einem Distanzschuss nur knapp das 5:0 (44.). Kurz bevor es dann in die Kabine ging, gab es noch das nächste Kapitel in der nicht enden wollenden Handspiel-Debatte. Friedl flog der Ball aus kurzer Distanz an den angelegten Arm, Schiedsrichter Daniel Schlager (Hügelsheim) entschied tatsächlich auf Elfmeter. Eine Entscheidung, die gerade mit Blick auf die jüngsten Erlebnisse in Leverkusen im Bremer Lager für reichlich Kopfschütteln sorgte. Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer ließ sich die Gelegenheit indes nicht entgehen, traf sicher und verkürzte so zum 4:1 (45.+1).

Der große Vorsprung veranlasste Florian Kohfeldt dazu, einen weiteren Leistungsträger zu schonen. So kehrte Leonardo Bittencourt nach der Pause nicht mehr auf den Rasen zurück, stattdessen durfte Johannes Eggestein fortan mitmischen. Und beinahe hätte er glatt Josh Sargent gratulieren dürfen. Der US-Amerikaner kam nach einer Flanke von Michael Lang per Kopf zum Abschluss, zielte aber zu zentral (48.). Eine knappe Minute später setzte Lang den Ball selbst auf die Latte des Heidenheimer Tores.

Spielkontrolle statt Feuerwerk

Auf der Gegenseite durfte sich Jiri Pavlenka erstmals auszeichnen. Die Süddeutschen spielten sich bis in den Strafraum durch, wo Stefan Schimmer aber lediglich mit der Schuhspitze an den Ball kam und somit die ganz große Gefahr ausblieb (50.). Werder ließ die ganze Angelegenheit nun wesentlich ruhiger angehen - ohne dabei allerdings die Kontrolle über das Spiel abzugeben. Kleinere Chancen gab es auch weiterhin, diese wurden jedoch nicht mehr ganz so konsequent zu Ende gespielt. Die beste Gelegenheit hatte in dieser Phase Milot Rashica, dessen Schuss nur knapp vorbeiging (63.).

Nach 68 Minuten wurde es dann Zeit für das Comeback von Yuya Osako, Philipp Bargfredes Arbeitstag war im Gegenzug vorzeitig beendet. Nur wenig später war auch für Rashica Schluss, ihn ersetzte Benjamin Goller (74.). Während die Zuschauer inzwischen die Welle durch das Stadion schickten, ließen die Bremer Profis den Ball gemächlich laufen. Das hatte zur Folge, dass Johannes Eggestein ungehindert flanken durfte, Osako dann allerdings knapp vorbeiköpfte (77.). Eine Eins-gegen-Eins-Situation mit dem gegnerischen Keeper spielte Sargent kurz darauf zu umständlich zu Ende (78.).

Dieses Auslassen der guten Möglichkeiten konnte sich Werder aber zumindest an diesem Abend leisten. Völlig unaufgeregt spulte das Team bis zum Schlusspfiff sein Programm ab und zog völlig verdient in die nächste Runde ein. Die Bremer überwintern somit im DFB-Pokal, das Achtelfinale wird nämlich erst am 4. und 5. Februar 2020 ausgetragen Der Gegner wird allerdings bereits am kommenden Sonntag in der „Sportschau“ der ARD (ab 18 Uhr) ermittelt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+