Bremer Innenverteidigung im Fokus Werder sucht das optimale Duo

Bremen. Werder-Trainer Thomas Schaaf hat in der Innenverteidigung noch nicht seine Wunschlösung gefunden. Nur Sokratis bringt konstant gute Leistung - doch wer ist sein idealer Nebenmann?
28.03.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Werder sucht das optimale Duo
Von Patrick Hoffmann

Bremen. Nur Sebastian Prödl fehlte am Mittwoch. Der Österreicher war nicht rechtzeitig vom Länderspiel aus Irland zurückgekommen, sein Flug war überbucht. Alle anderen Bremer Innenverteidiger standen dagegen am Nachmittag auf dem Trainingsplatz. Werder-Trainer Thomas Schaaf hat vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Mainz am Sonnabend (15.30 Uhr im Liveticker) also die Qual der Wahl in der Defensive: Wer soll die Mainzer Stürmer stoppen?

Zuletzt hatte sich Schaaf für das Duo Mateo Pavlovic/Assani Lukimya entschieden. Auch Sokratis/Lukimya wäre eine Möglichkeit. Oder vielleicht doch wieder Lukimya/Prödl? Optionen gibt es einige. Aber welches Abwehrduo hat in dieser Saison bislang die meisten Punkte und die wenigsten Gegentore auf dem Konto? Ein Überblick.

Prödl/Sokratis

Saisonspiele: 14
Gegentore: 28
Gegentore pro Spiel: 2
Punkte: 16
Punkte pro Spiel: 1,1

Zu Beginn der Saison hatte es gar keinen Zweifel gegeben: In der Innenverteidigung des SV Werder spielen Sokratis und Prödl. In 14 der ersten 18 Ligaspielen war das auch der Fall gewesen. Nach dem 0:5 zum Rückrundenauftakt gegen Borussia Dortmund rutschte Prödl allerdings – nicht nur zur eigenen Überraschung – aus der Startelf. Schaaf setzt inzwischen lieber auf Neuzugang Lukimya. Ein Grund des Trainers: Prödl ist in seinen fußballerischen Fähigkeiten zu limitiert und im Vergleich zu Lukimya vor dem gegnerischen Tor zu ungefährlich.

Prödl wartet also in seinem fünften Jahr bei Werder immer noch auf den großen Durchbruch. Dabei hat der 25-Jährige gar keine schlechte Hinrunde an der Seite von Abwehrchef Sokratis gespielt. Prödl hat aber bei seinen Einsätzen auch nicht durch besonders bemerkenswerte Abwehrarbeit geglänzt. Das Duo war Durchschnitt – das zeigen auch die zwei Gegentore pro Spiel. Für eine Mannschaft, die eigentlich die Europapokalplätze erreichen möchte, ist das einfach zu viel.

Die Werder-Fans sehen das offenbar ganz ähnlich. Bei einer Online-Umfrage auf weser-kurier.de waren nur 18 Prozent der Meinung, Prödl/Sokratis sei das beste Abwehrpaar der Bremer.

Lukimya/Sokratis

Saisonspiele: 8
Gegentore: 11
Gegentore pro Spiel: 1,4
Punkte: 12
Punkte pro Spiel: 1,5

In der Hinrunde durfte Lukimya bereits viermal von Beginn an neben Sokratis spielen, etwa bei der 2:3-Niederlage in Hannover und beim 4:0 gegen Mönchengladbach. Der Kongolese zeigte dabei gute Ansätze, brachte sich aber auch immer wieder durch Undiszipliniertheiten um weitere Einsätze. Gegen Stuttgart sah Lukimya nur kurz nach seiner Einwechslung die Rote Karte (4. Spieltag). Und auch im Heimspiel gegen seinen ehemaligen Klub Fortuna Düsseldorf flog er vom Platz (12. Spieltag).

Erst nach dem völlig verkorksten Rückrundenauftakt gegen Dortmund (0:5) kehrte Lukimya wieder zurück in die Startelf und erzielte im darauffolgenden Spiel in Hamburg (2:3) gleich ein Tor. Seitdem hat der 27-Jährige als einziger Innenverteidiger jedes Spiel gemacht – allerdings mit sehr durchwachsenen Leistungen. Lukimya ist zwar zweikampfstark, lässt sich aber zu oft übertölpeln.

Interessant: Von allen Bremer Abwehrpärchen haben Lukimya und Sokratis die besten Werte, sowohl in der Kategorie "Gegentore pro Spiel" als auch "Punkte pro Spiel". Und auch bei den Fans stehen die beiden hoch im Kurs. 55 Prozent der Werder-Fans haben sich für die kongolesisch-griechische Verteidigung ausgesprochen.

Prödl/Lukimya

Saisonspiele: 2
Gegentore: 9
Gegentore pro Spiel: 4,5
Punkte: 0
Punkte pro Spiel: 0

Wenn man allein auf die Zahlen guckt, dann hat das Duo Prödl/Lukimya in dieser Saison den schlechtesten Eindruck hinterlassen. Zweimal haben der Österreicher und der Kongolese in der Rückrunde zusammen verteidigt, zweimal ging Werder als Verlierer vom Platz – und kassierte dabei neun Gegentore. Man muss die beiden Partien gegen den SC Freiburg (2:3) und Bayern München (1:6) allerdings getrennt voneinander bewerten.

Im Heimspiel gegen Freiburg hatten Prödl und Lukimya einen schwachen Eindruck hinterlassen. Beide waren mit dem schnellen Kurzpassspiel der Freiburger völlig überfordert gewesen. Prödl/Lukimya hatten sich damit eigentlich nicht für weitere Aufgaben empfohlen. Dennoch durften die beiden auch eine Woche später in München wieder von Beginn an ran, weil Sokratis krankheitsbedingt fehlte. Prödl erhielt seine nächste Chance, sah gegen den Tabellenführer aber kurz vor der Pause die Rote Karte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Werder (nur) mit 0:2 zurückgelegen, nach dem Seitenwechsel verteidigte dann Pavlovic an der Seite von Lukimya.

Die Werder-Fans haben zu Prödl/Lukimya übrigens eine klare Meinung: Nur ein Prozent setzt im Abstiegskampf auf dieses Duo.

Lukimya/Pavlovic

Saisonspiele: 2
Gegentore: 3
Gegentore pro Spiel: 1,5
Punkte: 2
Punkte pro Spiel: 1

Werders Abwehrvariante aus den vergangenen beiden Spielen in Mönchengladbach (1:1) und gegen Greuther Fürth (2:2). Schaaf hat sich dabei für eine defensivere Taktik entschieden, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr. Der Trainer erhofft sich davon mehr Stabilität und weniger Gegentore. Sokratis – der gegen Mönchengladbach gesperrt war – ist dafür gegen Fürth ins Mittelfeld vorgerückt, auch wenn ihm diese Position nicht besonders gefällt. "Ich bin Verteidiger", sagte der Grieche diese Woche. "Aber wenn der Trainer will, dass ich Stürmer oder Torwart spiele, dann mache ich das auch. Er ist der Boss."

Im Tor wird Sokratis gegen Mainz vermutlich nicht spielen, eventuell aber wieder im Mittelfeld. Für ihn könnte dann, wie zuletzt, Pavlovic den Part in der Innenverteidigung neben Lukimya übernehmen. Gegen Mönchengladbach klappte das – mit einigen Ausnahmen – noch ganz ordentlich. Gegen Fürth nicht. Ohne Sokratis fehlt in Bremens Abwehr einer, der Ruhe ausstrahlt. Pavlovic kann das (noch) nicht.

Auch die Werder-Fans sind skeptisch: Nur vier Prozent vertrauen Lukimya/Pavlovic. Übrigens: 21 Prozent setzen auf ein Duo, das noch gar nicht zusammengespielt hat: Sokratis und Pavlovic.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+