Werder Bremen Werder sucht Nachfolger für dreifachen Frings

Bremen. Bei Werder Bremen ist Torsten Frings auch im Anschluss an seinem Wechsel nach Toronto nach wie vor präsent. Nach Lage der Dinge werden es die Grün-Weißen schwer haben, Frings zu ersetzen. Das gilt besonders für drei Bereiche.
03.07.2011, 05:00
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Werder sucht Nachfolger für dreifachen Frings
Von Marc Hagedorn

Bremen. Fünf Jahre lang hatten Per Mertesacker und Torsten Frings denselben Arbeitgeber, fünf Jahre lang haben sie in der Werder-Umkleide nur ein paar Meter voneinander entfernt gesessen. Kein Wunder, dass Per Mertesacker sagt: "Man merkt das schon in der Kabine, dass er nicht mehr da ist." Man kann sich das gut vorstellen. Torsten Frings war präsent. Als Kerl, der immer einen lockeren Spruch auf Lager hatte. Als Typ, der die Dinge offen und unverblümt ansprach. Als Kapitän, der in 16 Bundesligajahren mehr erlebt hat als alle seine Teamkollegen.

Torsten Frings hat seine Zukunft in Toronto gefunden, in der nordamerikanischen Profiliga. Zurück bleibt sein Herzensklub Werder, der mit ihm nicht mehr verlängern wollte und nun den dreifachen Frings ersetzen muss. Frings, den Mannschaftskapitän. Frings, den Leitwolf. Frings, den Sechser im defensiven Mittelfeld. Nach Lage der Dinge wird das in allen drei Bereichen nicht einfach werden.

Beispiel Kapitän: Cheftrainer Thomas Schaaf hat sich noch nicht festgelegt auf einen Nachfolger für Frings, der 2009 die Binde von Frank Baumann übernommen hatte. Ja, er habe für das Amt schon jemanden im Kopf, sagte Schaaf auf der Pressekonferenz im Weserstadion zur Saisoneröffnung am Mittwoch. Doch wer das ist, ließ Schaaf offen.

Die Anzahl an geeigneten Kandidaten ist überschaubar. Logisch wäre es, Per Mertesacker die Kapitänsbinde zu geben. "Merte" war Vizekapitän, ist von seinem Status (Nationalspieler) und Auftreten her (umgänglich, aber verbindlich) prädestiniert dafür. Er würde dieses Amt auch gern übernehmen. Kleines Problem: Es gibt nach wie vor Zweifel daran, dass Per Mertesacker seine Zukunft langfristig in Bremen sieht. Seit Jahren wird er angeblich von Klubs aus der englischen Premier League umworben. 2012 endet sein Vertrag.

Vorstellbar wären als Kapitän auch Tim Wiese, weil er ein Mann der klaren Worte ist. Oder Clemens Fritz, weil er einer der dienstältesten und solidesten Profis ist und die Binde aushilfsweise auch schon am Arm hatte. Oder Claudio Pizarro, weil er der Sympathieträger schlechthin ist. Andererseits: Wiese eckt mit seiner Art oft an, Fritz ist vielleicht zu diplomatisch, und Pizarro war in der vergangenen Saison oft verletzt und ist es auch jetzt wieder.

Einer wie Frings war prägend

Spannend ist die Frage, wie Frings' Abgang auf die Teamhierarchie wirkt. Der 79-fache Nationalspieler war das, was Lothar Matthäus einst einen "Leitwolf" nannte. Frings ist ein Fußballer vom Schlage Effenberg, van Bommel oder Ballack, das heißt: selbstbewusst, direkt und zur Not einer, der auf dem Platz auch mal hinlangte, wenn es galt, ein Zeichen zu setzen an den Gegner oder die eigene Mannschaft. Der Fußball von heute brauche diese Spezies Fußballer nicht mehr, heißt es seit Tuchels Systemfußball und Klopps Jugendstil oft. Trotzdem war einer wie Frings prägend: Er scheute sich nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er war es, der in der verunglückten letzten Saison sehr früh den fehlenden Teamgeist beklagte. Dass er sich damit nicht nur Freunde machte, ist klar. Sorgt sein Abgang für Bewegung in der Gruppe?

Auf jeden Fall wird es auf dem Spielfeld Bewegung geben. Frings, der alte Balleroberer und Ballverteiler, war in die Jahre gekommen. Er spielte immer noch überdurchschnittlich, aber eine neue Generation ist jetzt an der Reihe. Philipp Bargfrede zum Beispiel, der Aufsteiger der Saison 2009/2010, will es nach einem eher enttäuschenden Jahr in der nächsten Saison besser machen. Oder Wesley. Der Vorjahreseinkauf aus Santos ist auf der Position des Sechsers brasilianischer Nationalspieler geworden und will in die Selecao zurück. Und wenn Aleksandar Ignjovski demnächst in Bremen unterschreiben sollte, dann wäre da noch einer, von dem Rainer Maurer, sein alter Trainer bei 1860 München, bis zuletzt sagte, dass er ein Riesentalent sei.

Kapitän, Leitwolf, Sechser - spätestens zum Pflichtspielstart Ende des Monats wird es eine Antwort geben.

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