Chongs Start mit Schwung und Schmerzen

„Ich habe das Schlimmste befürchtet“

Tahith Chong hat gleich in seinem ersten Pflichtspiel für Werder gezeigt, über welche Klasse er verfügt. Kurz sah es jedoch so aus, als würde eine böse Verletzung jeglichen Spaß am neuen Wirbler vertreiben.
13.09.2020, 11:17
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„Ich habe das Schlimmste befürchtet“
Von Malte Bürger
„Ich habe das Schlimmste befürchtet“

Tahith Chong glänzte mit einem Treffer, war allerdings auch Opfer mehrerer Fouls.

nordphoto

Davy Klaassen versuchte es mit einem Scherz. „Es war klar, dass wenn wir zwei Holländer reinkommen, dann die Tore fallen“, sagte der Vize-Kapitän und lachte. Natürlich war es als Spaß gemeint, doch nicht selten steckt darin auch ein Fünkchen Wahrheit. In Jena war es sogar ein ziemlich großes Fünkchen. Denn neben Klaassen war es vor allem Tahith Chong, der Werders Spiel deutlich belebte.

„Wir wussten, dass Tahith uns weiterhelfen würde. Sein Tempo-Dribbling, sein Zug zum Tor, das macht ihn sehr stark, lobte Maximilian Eggestein. Und auch Florian Kohfeldt erklärte unmissverständlich: „Er wird eine Belebung für uns sein.“ Im Duell mit dem Viertligisten aus Thüringen war er es nun schon einmal, bald soll er es auch in der Liga sein.

Der Plan mit der Bank

Es gab nicht wenige Fans, die sich bereits im Pokal einen Startelfplatz für Tahith Chong gewünscht hätten. Doch Kohfeldt entschied sich anders. „Wir müssen bei ihm noch sehen, wann er von Beginn an spielt, wann er uns helfen kann“, sagte der 37-Jährige. „Gegen Jena war es zum Beispiel auch der Gedanke, mit ihm und Nick Woltemade noch zwei Eins-gegen-Eins-Spieler auf der Bank zu haben, die im Zweifel ein statisches Spiel noch einmal auflösen können. Das hat geklappt. Ich hätte mich nur gefreut, wenn es nicht derart statisch gewesen wäre in der ersten Halbzeit.“

Weil bei Werder in den ersten 45 Minuten eben so wenig lief, durfte die Leihgabe von Manchester United schließlich ran. Und er flitzte gleich eifrig über den Platz, setzte offensiv seine Akzente. Vor allem sein Treffer zum 2:0, als er zwei Gegenspieler abschüttelte und überlegt einschoss, blieb in Erinnerung (88.). Florian Kohfeldt dachte hinterher aber vor allem an eine Szene, die sich bereits in der 73. Minute abgespielt hatte. Chong war nach einem Zweikampf im Mittelfeld liegen geblieben, plötzlich wurde auf dem Rasen wild gestikuliert. „Ich habe das Schlimmste befürchtet“, räumte der Trainer ein. „Tahith hat vorher schon richtig etwas abbekommen. Er hatte schließlich das Knie durchgedrückt, und das sah wirklich nicht gut aus.“ Letztlich rappelte sich Chong wieder auf, spielte durch und traf. „Er hat bis zum Ende gespielt, aber ich würde noch nicht vollständig Entwarnung geben“, sagte Kohfeldt. „Das würde ich erst Dienstag oder Mittwoch machen. Einen Strukturschaden würde ich jetzt aber erstmal ausschließen.“

Furcht vor vielen Fouls

So weit, so gut. Florian Kohfeldt geht aber recht fest davon aus, dass Chong noch häufiger Schmerzen haben wird. „Er wird sich wahrscheinlich leider daran gewöhnen müssen, dass wenn man so spielt, man auch eine Menge Fouls kassiert“, sagte er. „Und das hat er dieses Mal. In der besagten Situation hat er sich letztlich nur vertreten, aber das ist ja manchmal sogar das Schlimmste. Als dann auch noch die anderen Jungs sehr hektisch wurden, hatte ich wirklich Angst. Das ist schließlich meist kein gutes Zeichen.“ Zumal die Ursache für Chongs Fehltritt vermutlich schon ein paar Sekunden vorher zu finden war. „Vermutlich lag das Problem in einer vorherigen Szene. Er hat einen Pferdekuss abbekommen und hat mir nach dem Spiel erzählt, dass deshalb der Nerv ein bisschen eingeklemmt war. Vielleicht fehlte ihm da dann einfach das Gefühl für die Stabilität.“

Bei Werder werden sie also allein schon aus gesundheitlichen Gründen sehr vorsichtig mit Tahith Chong umgehen. Aber auch aus sportlichen Grünen – allen begeisternden Offensivqualitäten zum Trotz. „Das war gut, aber er hat Theodor Gebre Selassie defensiv in der einen oder anderen Situation auch allein gelassen. Das muss man ehrlicherweise auch sagen“, meinte Kohfeldt. „Er tut das nicht, weil er nicht will, sondern weil er sich einfach noch daran gewöhnen muss, wie weit er einlaufen oder wann er da sein muss.“

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