Millionen-Transfer im Sommer

Werder-Talent Selke wechselt zu RB Leipzig

Davie Selke (20) verlässt Werder und wechselt im Sommer zum Zweitligisten RB Leipzig. Damit gibt der Klub eines seiner größten Talente ab, kassiert dafür aber eine dicke Millionen-Ablöse.
01.04.2015, 10:32
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Werder-Talent Selke wechselt zu RB Leipzig
Von Timo Sczuplinski
Werder-Talent Selke wechselt zu RB Leipzig

Davie Selke macht den Abflug: Werders Sturmtalent wechselt im Sommer zu Leipzig.

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Davie Selke wollte nicht sprechen. Er guckte nicht einmal in Richtung Reporterrunde. Er wollte bloß schnell weg vom Trainingsplatz und rein in die Kabine.

Ziemlich genau in diesem Augenblick des Schweigens, um 11.18 Uhr, meldete sich dafür sein Verein zu Wort. Per Pressemitteilung bestätigte Werder das, was zu diesem Zeitpunkt noch viele für einen ziemlich großen Aprilscherz gehalten hatten: Davie Selke wechselt zur kommenden Saison zum Zweitligisten RasenBallsport Leipzig. Selke erhält beim Klub einen Fünf-Jahres-Vertrag. Sein Jahresgehalt soll angeblich bei zwei Millionen Euro liegen.

„Kein Aprilscherz“, kommentiere Werders Geschäftsführer Thomas Eichin Selkes Wechsel. Er nannte ihn stattdessen eine „Win-win-Situation“. Ein Deal, mit dem alle sehr gut leben könnten. Denn: Der Transfer des 20-Jährigen bringt den klammen Bremern angeblich acht Millionen Euro ein – mehr Geld hat bisher noch nie ein Zweitligist für einen Spieler ausgegeben. Diese acht Millionen Euro sind Dimensionen, die Selke vom Verkaufswert her auf eine Stufe stellen mit Valérien Ismaël, Torsten Frings und Claudio Pizarro. Sie hatte Werder einst für ähnliche Summen verkauft. Leipzig bekommt mit Selke einen der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsstürmer. „Davie Selke ist einer der wenigen Spieler, der noch den klassischen Mittelstürmertypus verkörpert – groß, schnell, dynamisch, torgefährlich“, sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick. Und Selke? Er bedankte sich per Vereinsmitteilung dafür, dass Werder ihm diesen Schritt ermöglicht.

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Es ist ein bemerkenswerter Schritt. Davie Selke tauscht die erste gegen die weitaus weniger attraktive zweite Bundesliga. Er tauscht einen gut dotierten Vertrag bei den Bremern mit einem sehr gut dotierten Vertrag bei den aufstrebenden Leipzigern. Und er tauscht den Klub Werder, der mit vergleichsweise wenig Geld viel leisten muss, gegen einen Verein, der mit seiner immensen Finanzkraft durch Hauptsponsor Red Bull auf Teufel komm raus nach oben möchte – und deshalb bei vielen Fußballfans heftig in der Kritik steht.

Für Werder wogen die finanziellen Vorteile dieses Deals schwerer als die Aussicht, mit einem talentierten U 19-Europameister in die sportliche Zukunft zu gehen. „Wir haben den finanziellen Konsolidierungskurs weiterhin vor uns“, sagte Thomas Eichin. Werder hat in den vergangenen drei Jahren ein Minus von 31,6 Millionen Euro gemacht. Die Rücklagen des Klubs von einstmals 40 Millionen Euro könnten am Ende des laufenden Geschäftsjahres aufgebraucht sein. „Es war immer klar, dass wir über Verkäufe auch unseren Etat finanzieren müssen“ – Werder sei auf solche Einkünfte angewiesen, sagte der Geschäftsführer. Ein Teil des Selke-Geldes soll nun in die weitere Konsolidierung fließen. Den anderen Teil will Werder in den Kader stecken, „um das eine oder andere entwickeln zu können“, sagte Eichin. Das eine oder andere ist zum Beispiel die angestrebte Vertragsverlängerung mit Werders derzeit bestem Stürmer Franco Di Santo, dessen Vertrag 2016 ausläuft.

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Einen externen Ersatz für Davie Selke soll es auf alle Fälle geben. Als möglicher Kandidat wird Anthony Ujah vom 1. FC Köln gehandelt. Nach WESER-KURIER-Informationen ist der Nigerianer tatsächlich begehrt, ein Angebot von Werder soll ihm derzeit aber nicht vorliegen. Eichin wollte den Namen nicht kommentieren.

Ein anderes Gerücht lautet, Werder habe Selke aktiv bei RB Leipzig angeboten. Das dementierte Eichin. „Wir haben niemanden dazu gezwungen, Werder Bremen zu verlassen“, sagte er. Auch Trainer Viktor Skripnik habe die Entscheidung, Selke abzugeben, mitgetragen. Bedenken habe es nicht gegeben. „Bei manchen Summen gibt’s die nicht“, so Eichin. Werder und Leipzig standen bereits seit Weihnachten in Gesprächen. In den vergangenen Tagen seien laut Thomas Eichin nun die letzten Details geklärt worden. Der Wechsel sollte eigentlich erst nach der Saison bekannt gegeben werden, die „Leipziger Volksstimme“ kam den beiden Klubs am Mittwoch jedoch zuvor.

Selke hatte seinen Vertrag bei Werder erst im vergangenen Jahr bis 2018 verlängert. Er hatte damals betont, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen sei.

Die Nachricht von Selkes Wechsel löste ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Viele Fans zeigten in den sozialen Netzwerken Unverständnis für Selkes Entschluss, benutzten Worte wie „Söldner“. Andere gratulierten Werder zum Geldsegen. So wie Werder-Legende Max Lorenz. „Wenn er diese Chance hat, soll er gehen. Und wenn Werder so viel Geld kriegt, dann ist das doch auch gut“, sagte Lorenz.

„Ich finde es schade, dass er weggeht“, sagte hingegen Günter Hermann, Werders Weltmeister von 1990. Denn Trainer Viktor Skripnik sei doch gerade dabei, ein Team mit vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs aufzubauen.

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