Heimpleite gegen Gladbach in der Analyse

Werder torpediert seinen guten Plan

Werder war gut auf Borussia Mönchengladbach vorbereitet und weite Strecken der Partie auch ebenbürtig – in den entscheidenden Momenten aber war der Gegner Werder deutlich überlegen.
11.11.2018, 14:37
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Rommel
Werder torpediert seinen guten Plan
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Werder-Trainer Florian Kohfeldt versuchte es gegen Gladbach (1:3) nach den jüngsten zwei Niederlagen in der Liga mit zwei personellen Änderungen: Für die beiden Flügelspieler Florian Kainz und Yuya Osako rückten Nuri Sahin und Martin Harnik in die Startelf. Kohfeldt veränderte auch seine Grundordnung, stellte erstmals Sahin neben Philipp Bargfrede auf die Doppel-Sechs.

Die Viererkette in einer Mischung aus 4-4-2 und 4-2-3-1 blieb wie gehabt mit Theodor Gebre Selassie, Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson besetzt, davor Sahin und Bargfrede und auf den Halbpositionen Maximilian Eggestein und Davy Klaassen. Max Kruse war als hängende Spitze hinter Harnik unterwegs, der als Stoßstürmer agierte.

Gladbachs Trainer Dieter Hecking änderte seine Mannschaft nur auf einer Position: Kapitän Lars Stindl kam für Raffael in die Startelf, an der Anordnung änderte der Wechsel aber nichts. Die Borussia vertraute auch im Weserstadion ihrem 4-3-3.

Werder tat sich in den ersten 20 Minuten im Offensivspiel schwer gegen Gladbach, das ab der Mittellinie attackierte und sauber mit Deckungsschatten arbeitete, sodass Bremen kaum flache Zuspiele in die gewünschten Räume spielen konnte. Dazu kamen einige hektische Aktionen, als Werder wenig Ballkontrolle und Ruhe im Spiel hatte und ungewöhnlich viele Befreiungsschläge fabrizierte beziehungsweise zu früh zu wild nach vorne kombinierte.

Eigentlich hatte sich Werder im Anspielen bei eigenem Ballbesitz nämlich die Räume hinter den Gladbacher Achtern auserkoren, um auf das gewohnte Pressingverhalten der Gäste eine gute Lösung parat zu haben. Sahin ließ sich dafür zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, um mit einem Dreieraufbau den Ball erst ein wenig quer zirkulieren zu lassen und so den jeweils ballnahen Achter der Gäste zu locken.

Gladbach presste dann in der Regel auch wie von Werder gewünscht, es rückten entweder Jonas Hofmann oder Florian Neuhaus zu Stindl in den Angriff auf, um Druck aufzubauen. Weil sich gleichzeitig die beiden Flügelspieler Thorgan Hazard und Alassane Plea tiefer fallen ließen und sich an Werders Außenverteidigern orientierten, gab die Borussia um den einzigen Sechser Tobias Strobl wie geplant genug Raum frei, den Werder über Bargfrede, der seine Position auf der Sechs anders als Sahin hielt, nach rund 20 Minuten auch immer besser anspielen konnte.

Gladbach macht Druck über rechts

Im Spiel gegen den Ball wollte Kohfeldt mit den beiden Sechsern im Zentrum massiver absichern und das auch anders als etwa mit einer Dreierkette und Bargfrede als Libero: Werder hatte zu viel Respekt vor der Geschwindigkeit von Gladbachs Angreifern und wollte sich in der letzten Linie nicht auf zu viele Eins-gegen-eins-Duelle einlassen, die eine Dreierkette gegen ein 4-3-3 fast folgerichtig mit sich gebracht hätte. Statt aggressiv, aber eher riskant nach vorne zu verteidigen, beließ es Werder beim recht tiefen Mittelfeldpressing und versuchte, Gladbach auf den Flügeln zu stellen.

Das funktionierte allerdings nur phasenweise, weil Gladbach sich mit seinem sauberen Überladen auf den Seiten geschickt aus diesen Momenten lösen konnte und im Positionsspiel zwar nicht überragend, aber doch sehr solide und vor allen Dingen ballsicher war. In den ersten 25 Minuten ging fast alles über die rechte Seite, wo Außenverteidiger Michael Lang fast höher spielte als die nominelle Spitze Stindl und die Borussia Druck auf den in den letzten Wochen nicht immer sattelfesten Augustinsson ausüben wollte.

Stindls Ausweichen in tiefere Zonen oder zum Überladen verstärkte diese Effekte noch, sodass Gladbach die Partie im Griff hatte. Allerdings kamen die Gäste aus dem freien Spiel auch zu keiner nennenswerten Chance. Die erarbeitete sich stattdessen Werder, das seine Anspielzonen immer besser fand und es mit Harniks Tiefenläufen einige Male hinter die Gladbacher Abwehrreihe schaffte. Aber weder Harnik noch Klaassen konnten ihre Möglichkeiten nutzen – während die Borussia fast aus dem Nichts zum Torerfolg kam.

Plea ist zu viel für Werder

Mal wieder passte die Zuordnung im Anschluss an eine gleich doppelt abgewehrte Ecke nicht, Harnik und Klaassen ließen sich von einem Gegenspieler düpieren. Pleas Abschluss war perfekt, aber in Abschlussposition hätte der Stürmer, der sich mit dem ersten Kontakt eigentlich vom Tor wegbewegte und gedoppelt wurde, eben erst gar nicht kommen dürfen.

Kohfeldt behielt auch nach der Pause seine Grundordnung, nahm aber den müden Bargfrede runter und brachte mit Johannes Eggestein einen noch offensiveren Spieler für die Achterposition, die Eggestein von seinem Bruder Maximilian übernahm. Der wiederum rückte neben Sahin auf die Sechs. Werder spielte jetzt mehr mit Kruse als Zehner in einem 4-2-3-1 und hatte nach wenigen Sekunden einen freien Schuss durch Sahin aus 16 Metern.

Kälter blieben aber die Gäste: Klaassen schlief bei einer Ecke und verlor beim nächsten Gegentor Gegenspieler Plea aus den Augen. Werder verlor in den Minuten danach komplett seine Linie. Plea scheiterte nach einem Solo erst noch, dann rückte Bremen viel zu euphorisch ins Gegenpressing ohne die nötige Absicherung auf. Stindl und Hazard hebelten das fantastisch aus, auf die schnelle Verlagerung folgte der Rückpass in den Rücken der Abwehrspieler und das dritte Tor von Plea.

Viele Flanken, kaum Gefahr

Wie im vergangenen Heimspiel gegen Leverkusen lief Werder erneut einem 0:3 hinterher. Ein von Werder sauber durchgespielter und von Gladbach schlecht verteidigter Angriff brachte das 1:3 und für ein paar Minuten Verwirrung bei den Gästen. Kruse verpasste den Anschlusstreffer und Hecking reagierte, noch ehe die Situation aus dem Ruder laufen konnte. Mit Denis Zakaria und Fabian Johnson für die offensiven Stindl und Hofmann und der Umstellung auf ein deutlich tieferes 4-5-1 stabilisierte sich Gladbach schnell. Werder brachte mit Claudio Pizarro für Sahin einen weiteren Angreifer und stellte auf die Raute im Mittelfeld um. Die Gastgeber besetzten die letzte Linie des Gegners mit vier Spielern im Zentrum und den Halbräumen plus den beiden sehr hoch aufrückenden Außenverteidigern und drückte Gladbach dadurch sehr weit nach hinten.

Werder spielte die Angriffe nur noch vereinzelt aus, sondern versprach sich von seiner gestiegenen Strafraumpräsenz nun Torgefahr nach Flanken. Aber lediglich Pizarros Kopfball bedrohte Yann Sommers Tor noch, ansonsten kam Werder nicht mehr in gute Abschlusspositionen und Gladbach blieb bei seinen zwar wenigen, aber sehr stringent vorgetragenen Kontern sogar noch gefährlicher.

Werder hatte einen guten Plan, spielte auch recht ordentlich mit und ohne Ball. In den entscheidenden Momenten blieb die Mannschaft aber mal wieder zu fehlerbehaftet, während der Gegner bei seinen ersten ernstzunehmenden Torschüssen ungeheuer effizient war. Die individuell besser besetzte Mannschaft siegte deshalb am Ende auch verdient.

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