Mühsamer 1:0-Erfolg auf Schalke Bittencourt schlägt wieder zu

Werder macht den nächsten Schritt im Klassenerhalt: Beim FC Schalke 04 gewann die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt äußerst mühsam mit 1:0 (1:0). Das Tor des Tages erzielte erneut Leonardo Bittencourt.
30.05.2020, 17:26
Lesedauer: 4 Min
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Bittencourt schlägt wieder zu
Von Malte Bürger

Minutenlang standen sie da und warteten. Und warteten und warteten. Werders Profis tummelten sich in ihrer Hälfte, doch vom Gegner war kurz vor dem Anpfiff nichts zu sehen. Es wirkte fast so, als würden sich die Spieler des FC Schalke 04 vor dem verstecken, was da gleich passieren sollte. Natürlich kamen sie dann doch noch, allzu auffällig wurden sie jedoch auch danach nicht. Und Werder wusste dieses Geschenk zu nutzen.

Dabei hatte es die erste Überraschung schon kurz davor gegeben. Es sind recht überschauliche Zahlen, die Sebastian Langkamp bislang zu bieten hatte. Gerade einmal 179 Minuten stand er in dieser Bundesliga-Saison bis zum Sonnabendnachmittag für Werder auf dem Platz. In der Hinrunde war er ausgerechnet gegen die Schalker dabei - und leistete sich prompt einen kapitalen Patzer, der die 1:2-Niederlage der Bremer begünstigte. Danach war Langkamp entweder verletzt oder dauerhafter Bankdrücker. Bis jetzt. Ein wenig unerwartet durfte er den gesperrten Milos Veljkovic in der Innenverteidigung vertreten.

Unfassbare Ballbesitzquote

Die völlige Verunsicherung der Gastgeber führte dazu, dass Langkamp ebenso wie seine Teamkollegen recht entspannt in das Spiel starten durfte. Die Schalker zogen sich komplett in die eigene Hälfte zurück und überließen den Bremern den Ball. Kurzum: Es war nicht wirklich zu erkennen, dass der Tabellenneunte lediglich gegen den Vorletzten antrat. Für Werder war somit die größte Schwierigkeit, eine Lücke in der Enge der gegnerischen Hälfte zu finden. Abgesehen von einer Halbchance von Davy Klaassen gab es zumindest in der ersten Viertelstunde nicht wirklich eine gute Tormöglichkeit.

Doch die Gäste blieben am Drücker. „Ich erwarte von uns, dass wir Intensität auf den Platz bringen und nichts dahinplätschern lassen“, hatte Trainer Florian Kohfeldt noch unmittelbar vor dem Anpfiff gefordert. Und seine Elf kam diesem Wunsch nach. Manchmal etwas umständlich, nicht immer mit der notwendigen Passgenauigkeit, aber mit vollem Einsatz. Bereits nach 20 Minuten hatte Werder satte 82 Prozent Ballbesitz, allein es fehlte die Bestrafung dieses Schalker Offenbarungseides. Noch.

Wieder trifft Bittencourt

Nach etwas mehr als einer halben Stunde eroberten Milot Rashica und Klaassen gemeinsam mit Mittelfeld den Ball, und obwohl der folgende Konter nicht einmal optimal ausgespielt wurde, durfte gejubelt werden. Leonardo Bittencourt hatte in einem bis dahin schwachen Spiel mit einem herrlichen Schlenzer die vorhandene Überlegenheit nun auch auf die Anzeigetafel gebracht (32.). Werders Ersatzbank hatte ohnehin schon die ganze Zeit für ordentlich Stimmung in der leeren Arena gesorgt, nun fiel die Geräuschkulisse noch ein wenig deutlicher aus.

Danach wagten sich erstmals auch die Gastgeber nach vorne, Weston McKennie köpfte nach einer Freistoßhereingabe aber doch ein paar Meter am Tor des bis dato völlig beschäftigungslosen Jiri Pavlenka vorbei (37.). Fast im Gegenzug probierte es erneut Bittencourt, doch dieses Mal zischte der Ball über den Kasten (39.). Werder ging kurz darauf völlig verdient mit einer Führung in die Pause. Schön anzuschauen war das zwar alles nicht, doch in der Situation, in der sich die Bremer befinden, geht es schlichtweg auch nicht um Schönheitspreise. Da zählt einzig und allein ein positives Ergebnis.

Schalke wird gefährlicher

Ganz ohne Bremer Negativmeldungen kam der erste Durchgang dann aber doch nicht aus. Bittencourt war unmittelbar vor der Pause bei einem Zweikampf unsanft auf dem Boden gelandet und schleppte sich unter Schmerzen kurz darauf in die Kabine. Dort blieb er dann auch, stattdessen spielte fortan Yuya Osako mit.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel beteiligten sich dann auch die Schalker wesentlich mehr am Geschehen. Trainer David Wagner hatte das System umgestellt, ganz so einfach sollte es den Bremern dann wohl doch nicht gemacht werden. Allerdings bewegten sie sich dabei am Rande der Legalität. McKennie, der bereits zuvor die Gelbe Karte gesehen hatte, ging mit dem Ellenbogen voran in einen Zweikampf mit Osako, Schiedsrichter Felix Zwayer beließ es jedoch bei einer Ermahnung und verzichtete auf einen Platzverweis. Nur Sekunden später verhinderte Pavlenka mit einem starken Reflex den Ausgleich durch Benito Raman (53.).

Bei Werder steigt die Fehlerquote

Werder musste jetzt aufpassen, das Spiel war ziemlich zügig ein komplett anderes geworden. Wo zuvor noch energisch zugepackt wurde, stieg nun plötzlich die Fehlerquote. So kam auch Michael Gregoritsch aus guter Position zum Abschluss, doch er verzog (57.). Florian Kohfeldt reagierte und brachte Davie Selke für den angeschlagenen Milot Rashica. Trotzdem wollte sich die erhoffte Entlastung nicht so recht einstellen. Phasenweise wurde im eigenen Strafraum sogar mächtig geschwommen.

Der Bremer Vorsprung stand inzwischen auf ziemlich wackeligen Beinen. Die Gelsenkirchener glänzten keineswegs, doch das erhöhte Tempo genügte, um die Gäste vor Probleme zu stellen. Werders Zweikampfquote sank zwischenzeitlich auf 44 Prozent, doch irgendwie ging es ohne weiteren Schaden in die Schlussviertelstunde.

Wieder bleibt Elfmeterpfiff aus

Und genau dort gab es wieder einmal Zwist wegen eines schweigenden Video-Assistenten. Osako war nach einem Kopfball im Strafraum von Salif Sané umgestoßen worden, doch der durchaus vertretbare Elfmeterpfiff blieb ebenso aus wie ein Signal aus dem Kölner Keller (79.). Also ging das Zittern weiter. Werder verteidigte nun wieder etwas besser, die Sehnsucht nach einem möglichst baldigen Ende des Spiels war aber in fast jeder Szene zu spüren. Daran änderte auch ein noch gerade so abgewehrter Versuch von Selke nichts (83.). Dann hatte allerdings Osako die Entscheidung auf dem Fuß, doch anstatt selbst abzuschließen, wollte er noch einmal ablegen und bediente so den Gegner (88.).

Die Uhr tickte langsam, aber sie tickte wieder für Werder, weil Schalke dann doch erneut nachgelassen hatte. Und so brachten die Bremer den so wichtigen Sieg tatsächlich ins Ziel. „Es geht am Ende darum, dass wir punkten müssen. Dann brauchen wir auch nicht auf die anderen Teams zu gucken“, hatte Florian Kohfeldt schon vor dem Spiel gesagt. Zumindest an diesem Tag hatte das mit reichlich Mühe geklappt.

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