Spieler sehen Chancen statt Risiken

Werder traut sich Sieg gegen RB Leipzig zu

Werder entwickelt sich zu einer stabilen Einheit und fühlt sich jetzt sogar stark genug für das Spiel gegen Leipzig.
12.03.2017, 00:01
Lesedauer: 4 Min
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Werder traut sich Sieg gegen RB Leipzig zu
Von Andreas Lesch
Werder traut sich Sieg gegen RB Leipzig zu

Mutig, aber nicht übermütig. Verteidiger Niklas Moisander geht mit einer klaren Einstellung an das Spiel gegen Leipzig heran: „Wir müssen unser Momentum festhalten.“

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Werder entwickelt sich zu einer stabilen Einheit und fühlt sich jetzt sogar stark genug für das Spiel gegen Leipzig.

Marco Bode stand in den Katakomben des Leverkusener Stadions und staunte, wie seltsam sein Klub zurzeit dasteht. „Das sah eigentlich von unserer Seite nicht nach Abstiegskampf aus – aber wir sind mittendrin“, sagte Werders Aufsichtsratschef nach dem 1:1 der Bremer bei Bayer. In der Tat haben die Bremer ein Problem: Gefühlt sind sie ein Team aus dem gesicherten Mittelfeld, in Wahrheit aber schweben sie nach wie vor in Abstiegsgefahr. Wer nur ihre jüngste Bilanz sieht und ihre Leistung von Leverkusen, der kann sich fragen, warum bitte man sich um diese Mannschaft Sorgen machen soll. Wer aber auf die Tabelle schaut und sie auf Rang 15 entdeckt, der sieht: Sie haben den Kampf um den Klassenerhalt noch nicht gewonnen.

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Die Bremer haben viel zu lange in dieser Saison schlechte Ergebnisse erzielt, als dass jetzt schon alles wieder gut sein könnte. Sie sind auf dem Wege der Besserung, mehr aber noch nicht. Sie wissen das. Sie lassen sich nicht täuschen von ihrer Serie von vier Spielen ohne Niederlage. „Da hebt keiner ab“, sagte Sportchef Frank Baumann. „Es gibt ja auch keinen Grund dazu, nicht mal ansatzweise.“ So bodenständig und bescheiden sollten die Bremer bleiben, betonte er: „Wir dürfen nicht nachlässig werden.“ Bode sagte: „Ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass wir uns unsere Mentalität erhalten.“

GER, 1.FBL., Bayer Leverkusen 04 vs. SV Werder Bremen

Tapferer Flug: Fin Bartels hat gegen Ömer Toprak um den Ball gekämpft – und diesmal verloren.

Foto: nordphoto / Meuter, nordphoto

Moisander und das Momentum

Wer nach dem Unentschieden von Leverkusen mit Werders Fußballern sprach, der hörte diese erfolgversprechende Mentalität aus jedem Satz heraus. Sie wirkten mutig, aber nicht übermütig. Sie schienen zu wissen, dass ihre Serie ein Anfang ist, aber dass sie ihre Saison damit noch lange nicht zu einem guten Ende gebracht haben. „Wir müssen unser Momentum festhalten, wir dürfen nicht zu zufrieden sein“, sagte Verteidiger Niklas Moisander. Sein Kollege Robert Bauer kündigte an: „Wir wollen auf jeden Fall dranbleiben. Wir versuchen jetzt, unsere Serie auszubauen.“

Am nächsten Sonnabend empfangen die Bremer im Weserstadion RB Leipzig. „Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen“, sagte Theo Gebre Selassie. „Das ist nicht unmöglich.“ Die Bremer trauen sich einen Sieg gegen den Tabellenzweiten tatsächlich zu, und das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. Es ist schlicht Ausdruck ihres neuen Denkens. Die Bremer zermartern sich nicht mehr zu sehr den Kopf über die Risiken, die ihre Lage mit sich bringt. Sie sehen mittlerweile eher die Chancen, die sie haben.

Leipzig habe „eine überragende Mannschaft mit viel, viel Tempo“, sagte Mittelfeldmann Fin Bartels. Da müsse Werder gut stehen; da böten sich Werder aber vielleicht auch Räume. „Wir hätten auch im Hinspiel durchaus etwas holen können“, sagte Bartels. In Leipzig hatte Werder 1:3 verloren, das Spiel aber lange offen gehalten. Und diesmal? Gebre Selassie urteilte, die Leipziger seien „eine richtig gute Mannschaft“, aber sie seien „wahrscheinlich nicht mehr so stark wie in der Hinrunde“. Sportchef Baumann glaubt, die Leipziger würden trotz des 0:1 am vergangenen Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg „mit einem anderen Selbstvertrauen auftreten als Leverkusen“. Aber warum soll Werder ihnen das Leben nicht schwer machen? „Wir müssen die Leipziger Offensive kontrollieren. Aber wir müssen zu Hause auch zielstrebig Richtung Tor gehen“, sagte Baumann.

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In den Duellen mit Borussia Dortmund, dem FC Bayern und nun auch Leverkusen haben die Bremer bewiesen, dass sie gegen edel besetzte Teams mithalten können. Sie sind nicht chancenlos, auch nicht gegen Gegner, die in der Champions League zuhause sind. „Leverkusen, die fahren am Mittwoch nach Madrid. Wir fighten für den Klassenerhalt“, sagte Werders Trainer Alexander Nouri. „Das ist die Realität.“ In dieser Realität findet seine Mannschaft sich gut zurecht. „Aktuell sind wir sehr, sehr stabil“, sagte Baumann. Bauer beobachtete, „dass wir jetzt als Mannschaft gefestigter sind“.

In Leverkusen haben die Bremer das bewiesen. Sie sind früh in Rückstand geraten und trotzdem ruhig geblieben. Sie haben weitergespielt, als wäre nichts passiert. Sie haben nicht aufgehört, an sich zu glauben. „Wir haben von der Art und Weise eines unserer besten Spiele abgeliefert“, sagte Nouri. „Wir hatten eine gute Struktur im Spiel. Wir hatten eine gute Angriffs-Absicherung. Wir hatten bei eigenem Ballbesitz unheimlich gute, dominante Phasen dabei. Wir haben hinten wenig Räume freigegeben und sehr eng gestanden. Das war super.“

Leverkusen Germany 10 03 2017 1 Bundesliga 24 Spieltag Bayer 04 Leverkusen SV Werder Bremen

Hübscher Trick: Zlatko Junuzovic verzückt die Zuschauer in Leverkusen mit einem Fallrückzieher.

Foto: imago sportfotodienst, imago/DeFodi

Grillitsch und der Glaube

Die Bremer finden eine immer bessere Balance zwischen Kampf und Spiel, zwischen Defensive und Offensive, zwischen Sicherheitsdenken und Drang nach vorn. Sie beherrschen verschiedene Stilarten und sind dadurch für ihre Gegner schwerer auszurechnen als früher. Sie können auch anders, als alle denken. „In den letzten Wochen wurde viel gemeckert, dass wir die Punkte holen, aber schlecht spielen“, sagte Bauer. In Leverkusen „haben wir einen Punkt geholt, und der war mehr als verdient“.

Was, wenn das so weitergeht? Können die Bremer dann bald schon ihre Rettung feiern? „Je früher, desto besser“, sagte Bode. „Aber wir nehmen’s auch am vorletzten oder letzten Spieltag, wenn‘s drauf ankommt.” Dass so eine Last-Minute-Rettung ihren Reiz hat, haben die Bremer in der vergangenen Saison erlebt. Mittelfeldmann Florian Grillitsch will den Nervenkitzel von damals trotzdem lieber nicht noch mal erleben. Er glaubt, diesmal bleibt ihm das Zittern bis zum Schluss erspart. Grillitsch vermutete, wenn seine Mannschaft ihre Form halte, „dann sind wir schon früher durch”.

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