Bayern München - Werder Bremen 6:1 Werder überfordert und mutlos

München. Werder hat beim FC Bayern eine der höchsten Niederlagen in der Bremer Bundesliga-Geschichte kassiert. Mit 6:1 gewannen die auf sechs Positionen umgebauten Münchner gegen mut- und chancenlose Bremer.
24.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder überfordert und mutlos
Von Marc Hagedorn

München. Das Spiel hatte noch gar nicht angefangen, da wurde beim FC Bayern schon gefeiert. Auf den beiden Videoleinwänden der Arena lief ein Zusammenschnitt mit Szenen aus dem Leben des Fußballers und Trainers Jupp Heynckes, der am Sonnabend seine 1000. Bundesliga-Partie mitmachte.

Auf dem Rasen gab es dafür Blumen und Präsente von den Bayern-Oberen, von den Rängen warmen Applaus. Als das Spiel dann lief, dauerte es nur knapp eine halbe Stunde, ehe das Volk erneut in Partylaune war. Bayern führte 2:0, die Fans sangen "Meister wird nur der FCB".

Daran gibt es tatsächlich keinen ernsten Zweifel mehr. Das 6:1 (2:0), das die Bayern am Ende gegen überforderte und mutlose Bremer feiern durften, war der nächste Schritt auf dem Weg zu einem souveränen Titelgewinn. Und Werder? Als relativ chancenlos hatten die Experten das Team von Thomas Schaaf schon im Vorfeld eingestuft. Exakt 25 Minuten hielten die Bremer das Spiel offen, dann brach das Unheil über sie herein – eine Rote Karte für Innenverteidiger Sebastian Prödl kurz vor der Halbzeit beim Stand von 0:2 inklusive. "Wir wollten uns mehr wehren, dazu waren wir aber nicht imstande", kommentierte Schaaf den Auftritt ohne Mumm.

"Mehr Arsch in der Hose"

Eine Niederlage gegen in dieser Saison scheinbar übermächtige Bayern ist keine Schande – aber so... "Klar tut das weh", sagte Sportdirektor Thomas Eichin, "wenn man in Unterzahl 1:4 verliert, sagt man okay. Aber 1:6..." Während sich Eichin oder Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic noch mit Werders Kompaktheit in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit zu trösten versuchten, sprach einer Klartext, von dem man das überhaupt nicht kennt: Aleksandar Ignjovski, der auf dem Feld so bissige, aber abseits des Rasens sonst so zurückhaltende Defensivspieler. Ignjovski also sagte: "Wir müssen als Spieler mehr Arsch in der Hose haben. Entweder hat man einen oder keinen. Einige hatten ihn heute in der Hose, einige nicht."

Rot für Prödl "harte Entscheidung"

Tatsächlich wirkte Werder selbst, als es noch 0:0 stand, seltsam mutlos, es schien der wirkliche Glaube an eine Überraschung zu fehlen. Schaaf hatte mit Ignjovski im Mittelfeld das defensive Element fördern wollen, was grundsätzlich ja kein schlechter Ansatz war. Aber als die auf sechs Positionen umgebauten Bayern nach und nach besser ins Rollen kamen, war es um Werder trotzdem geschehen.

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Es verbietet sich, von einer B-Elf des Gegners zu sprechen, wenn Leute wie Arjen Robben, Mario Gomez, Luiz Gustavo, Jérôme Boateng oder Xherdan Shaqiri in die Startelf hineinrotieren. Allesamt hatten sie zuletzt keine große Rolle beim Erfolgszug der Bayern gespielt. Jubilar Heynckes lag mit diesem Umbau fünf Tage vor dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund aber goldrichtig. Robben sprühte vor Tatendrang, schoss ein Tor, bereitete zwei vor und sorgte unzählige Male für Alarm. Gomez traf doppelt, legte das 3:0 vor und war überdies der Mann, den Prödl in der 44. Minute von den Beinen holte.

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Eine "harte Entscheidung" nannte Werders Innenverteidiger den daraus resultierenden Platzverweis: "Ein Körperkontakt ist da, aber ich gehe zum Ball. Außerdem war ich beim Verteidigen in dem Glauben, dass Gomez im Abseits steht. Jetzt kann man sagen: Gomez war clever und frech, oder es war dumm von mir." Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem.

Ganz eindeutig naiv war das Bremer Defensivverhalten bei den Gegentoren. Sowohl beim 0:1 (25.) als auch beim 0:2 (29.) hatten die Bayern im Strafraum Überzahl. "So können wir gegen so eine Mannschaft nicht spielen", sagte Ignjovski über die Bremer, für die es nach dem Wechsel nur noch um Schadensbegrenzung ging. Aber wieder stellten sich einige Spieler nicht besonders clever an. Vor dem 0:3 (49.) etwa ließ sich Bundesliga-Debütant Mateo Pavlovic von Gomez abschütteln, Lukas Schmitz störte nicht energisch genug, zur Krönung schoss Theo Gebre Selassie den Ball beim Rettungsversuch ins eigene Tor.

Jedes Mal freie Bahn

Die Treffer vier bis sechs fielen dann allesamt nach demselben Muster: Franck Ribéry vor dem 4:0, Philipp Lahm vor dem 5:1 und Robben vor dem 6:1 lupften die Bälle jeweils aus dem Halbfeld über die aufgerückte Bremer Innenverteidigung, sodass die Torschützen Gomez (4:0, 51.), Ribéry (5:1, 86.) und erneut Gomez (6:1, 89.) jedes Mal freie Bahn hatten.

Zur Randnotiz verkam das Bremer 1:4, das Kevin De Bruyne erzielte (58.). Es war das erste Bundesliga-Gegentor des Jahres 2013 für Bayern und die einzige Situation, die den glückselig strahlenden Heynckes störte. "Ein Gegentor", sagte Bayerns Trainer, "war nicht eingeplant."

Werders höchste Niederlagen in der Bundesliga

Eintracht Frankfurt - Werder 9:2 (14. November 1981)

Bayern München - Werder 7:0 (12. April 1980)

Eintracht Frankfurt - Werder 7:0 (4. April 1964)

Eintracht Frankfurt - Werder 7:1 (16. April 1977)

Werder - Bor. Mönchengladbach 1:7 (21. März 1987)

VfB Stuttgart - Werder 6:0 (7. November 2010)

Bayern München - Werder 6:0 (29. März 1969)

1. FC Köln - Werder7:2 (17. August 1977)

Bayern München - Werder * 6:1 (23. Februar 2013)

* außerdem acht 0:5-Niederlagen

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