Fritz kritisiert Mannschaft

Werder und das Dresden-Debakel: "Natürlich erhöht das den Druck"

Werder Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz sieht nach der Niederlage gegen Dresden einen erhöhten Druck auf der Mannschaft lasten - deren jüngster Auftritt sei "enttäuschend" gewesen.
27.09.2021, 21:41
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Björn Knips

Elf Punkte nach acht Spielen – diese Zahlen dürften dem einen oder anderen Fan des SV Werder Bremen durchaus bekannt vorkommen. Denn genau mit dieser Punkteausbeute waren die Grün-Weißen auch in die vergangene Saison gestartet – damals allerdings noch als Erstligist. Und damals war das inklusive Platz neun durchaus ein Erfolg nach dem Fast-Abstieg. Nun fühlen sich diese acht Zähler aber ganz anders an. Die Alarmglocken schrillen zwar noch nicht, klingeln aber schon leise.

Angestoßen und ausgelöst durch eine indiskutable Teamleistung bei der 0:3-Pleite in Dresden. „Natürlich erhöht das den Druck auf uns“, gesteht Clemens Fritz im Gespräch mit unserer Deichstube. Der Leiter Profi-Fußball übt deutliche Kritik am Auftritt der Mannschaft, nimmt die Spieler in die Pflicht, mahnt aber auch, nicht in Panik zu verfallen.

Lesen Sie auch

„Es war enttäuschend“, sagt Fritz und klingt dabei immer noch sehr frustriert: „Wir haben einfach nicht die nötige Aggressivität auf den Platz gebracht. Dresden hat dagegen Herz und Leidenschaft gezeigt. Das sind die Basics.“ So oft ist in dieser Saison schon darüber gesprochen worden. Diese besondere 2. Liga, in der jeder jeden schlagen kann, müsse von allen Spielern angenommen werden, hieß es immer wieder. „Wir können uns nicht allein auf unsere fußballerischen Qualitäten verlassen“, sagt Fritz und wundert sich noch immer, warum die Mannschaft den Kampf nicht angenommen hat.

Die Spielern sind auch ratlos. „Wir waren das komplette Spiel nicht da. Es hat sich angefühlt, als hätten wir keinen einzigen Zweikampf gewonnen“, meinte zum Beispiel Eren Dinkci im vom Verein produzierten Werder-Strom-Talk.
Die Stimmung war nach der Partie entsprechend tief im Keller. Auf dem Platz hatte Trainer Markus Anfang schon deutliche Worte an das ganze Team inklusive Betreuerstab gerichtet. Dann folgte eine fast siebenstündige Busfahrt – inklusive eines langen Staus. Am Montagmorgen ging es sofort weiter mit einer Analyse des Spiels und einem Training. Die Reservisten übten intensiv, die Verlierer vom Vortag absolvierten eine lockere Laufeinheit. Coach Anfang ging durch die Reihen, redete mit diversen Spielern. Gespräche seien jetzt ganz wichtig, betont Fritz. Inhalte gebe es schließlich ausreichend. „Was mir vor allem gefehlt hat, das war die Überzeugung in die eigene Handlung. Die musst du dir als Spieler im Training holen“, fordert der Ex-Profi – und nicht nur das: „Wir müssen als erstes den unbedingten Willen zeigen, unser Tor zu verteidigen, erst dann kommt die spielerische Komponente.“

Lesen Sie auch

Gegen die beiden anderen Aufsteiger Rostock und Ingolstadt hatte Werder das noch gut hinbekommen und jeweils 3:0 gewonnen. In Dresden war davon dann nichts mehr zu sehen. Die Grün-Weißen taumelten über den Platz, agierten fast schon ängstlich. Das lag zum Teil am starken Dresdner Pressing, möglicherweise auch an der besonderen Kulisse. Das Rudolf-Harbig-Stadion durfte zwar nur zur Hälfte gefüllt sein, aber die 16 000 Zuschauer machten ordentlich Alarm – vor allem die Dynamo-Fans. Das kann ein junges Team schon mal beeindrucken. Mit einem Altersschnitt von 24,7 Jahren stellte Werder am achten Spieltag nicht zum ersten Mal in dieser Saison die jüngste Startelf in der 2. Liga. Bei Dynamo lag der Schnitt bei genau 26 Jahren.

Lesen Sie auch

Andererseits: Gerade die Viererkette der Gäste strotzte nur so vor Erfahrung. Anthony Jung (29), Mitchell Weiser (27), Milos Veljkovic (26) und Marco Friedl (23) haben alle schon in der Bundesliga gespielt – teils weniger, teils sehr häufig. Doch die Abwehr strahlte überhaupt keine Sicherheit aus, worunter davor vor allem Ilia Gruev als Sechser bei seiner Startelf-Premiere litt. Werder hat in der Defensive in Abwesenheit der verletzten Ömer Toprak (32) und Christian Groß (32) ein klares Führungsproblem. Auch ein Leonardo Bittencourt (27) würde der Mannschaft gewiss helfen. Doch da ist weiter Geduld gefragt. Beim Heimspiel gegen Heidenheim wird Bittencourt noch fehlen, genauso wie wohl auch Toprak. Groß fällt nach seiner Knieoperation gleich mehrere Wochen aus.

Also müssen es die anderen Profis richten. Neben den Akteuren der Viererkette ist da gewiss auch Stürmer Marvin Ducksch (27) gefragt. Niclas Füllkrug könnte ebenfalls eine größere Rolle spielen. Der 28-Jährige hat zwar als Joker erneut nicht getroffen, aber sich zumindest wieder Chancen erarbeitet und viel Kampfgeist gezeigt.

Lesen Sie auch

Auf einzelne Namen möchte Fritz allerdings nicht eingehen, er setzt auf den Teamgeist, mit dem er nicht zufrieden ist: „Wir haben es nicht geschafft, als Mannschaft zusammenzuarbeiten. Das müssen wir verbessern.“ Möglichst schon am Freitag. Allerdings wartet dann eine ganz knifflige Aufgabe auf die Bremer. „Wir wollen das Spiel gegen Heidenheim gewinnen, aber das ist eine ganz abgebrühte Mannschaft. Das wird schwerer als gegen Dresden. Da brauchen wir eine absolute Topleistung.“ Heidenheim kommt als eingespielter Tabellendritter ins Wohninvest Weserstadion.

Am neunten Spieltag der Vorsaison setzte es für Werder übrigens eine 3:5-Niederlage in Wolfsburg. Weil der Abstand zu den Abstiegsrängen immerhin noch sechs Punkte betrug, hielt sich der Ärger in Grenzen. In der 2. Liga würde eine weitere Niederlage dagegen richtig wehtun, denn eigentlich will Werder nicht mehr nach unten, sondern nach oben gucken. Doch das ist gar nicht so einfach, wie das erste Viertel der Saison gezeigt hat. Dabei rät Fritz: „Wir müssen die Ruhe bewahren und dürfen nicht hektisch werden.“ 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+