Spiel gegen Leipzig

Werder und der Druck: Normal und doch bedrohlich

Es waren nur zwei Gegentore, die spielerische Leistung Werders bei der Partie gegen Leipzig im Dezember war jedoch ernüchternd. Jetzt müssen die Bremer wieder gegen die Sachsen ran.
09.04.2021, 20:32
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Von Daniel Cottäus
Werder und der Druck: Normal und doch bedrohlich

Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

nordphoto / gumzmedia

Es war eine schmerzhafte Erfahrung, die Werder Bremen vor nunmehr vier Monaten sammeln musste, und zwar eine von der Art, die noch lange nachwirkt. Die sich ganz einfach nicht abschütteln lässt. Schauplatz Leipzig, RB-Arena, nahe der großen Festwiese, auf der einst Michael Jackson und die Rolling Stones aufgetreten sind, was für die Bremer an diesem 12. Dezember 2020 natürlich überhaupt keine Rolle spielte. Schließlich hatten sie selbst mehr als genug damit zu tun, der für sie relevanten Musik nicht allzu sehr hinterherzurennen. Letztlich glückte das nicht. Während des Hinspiels gegen RB Leipzig setzte es am Ende eine 0:2-Niederlage, die in der Höhe zwar kein Debakel, in allen anderen Belangen aber dennoch vor allem eines für die Bremer war: ernüchternd. „Wir waren an dem Tag nicht schlecht, aber einfach nicht gut genug, um Leipzig zu schlagen“, erinnert Werder-Trainer Florian Kohfeldt, der während des weiteren Saisonverlaufs mehrfach in Richtung Leipziger Festwiese zurückblickte, um die Partie als bis dato einzige auszuklammern, in der seine Mannschaft chancenlos gewesen sei. Stichwort: Schmerzhafte Erfahrung. Am Samstag soll sie nun endlich überschrieben werden, wenn Leipzig für das Rückspiel in Bremen gastiert und es für Werder um wichtige Punkte gegen den Negativtrend geht.

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Gegen die Bayern, gegen Wolfsburg und auch in Stuttgart gab es für die Bremer zuletzt nichts zu holen, macht also drei Niederlagen am Stück, die wiederum den Vorsprung auf die unerfreuliche Tabellenregion von komfortablen elf auf immer noch ordentliche sieben Zähler bröckeln ließ. Angesichts der Qualität der kommenden Gegner (nach dem Leipzig-Spiel geht es für Werder nach Dortmund) ist die tabellarische Ausgangslage aber durchaus angespannt, was Kohfeldt sich entweder nicht anmerken lässt, oder aber schlichtweg nicht so empfindet. „Wenn man so eine Situation als Druck bezeichnen will, dann war der Druck nie weg“, sagt der 38-Jährige und hebt mit Blick auf das Saisonziel „stabiler Klassenerhalt“ hervor: „Bei uns hat keiner gesagt, dass schon irgendetwas entschieden ist. Ich jedenfalls bin abends in dieser Saison noch nie ins Bett gegangen und habe gedacht: Super, erste Liga spielen wir hier auf jeden Fall nächstes Jahr.“ Richtige Sorgen seien das aber nicht, und er würde sich selbige auch erst machen, „wenn wir kopflos agieren würden und keine Stabilität hätten“. Beides hat der Trainer während der vergangenen Wochen jedoch trotz der Niederlagen nicht feststellen können.

In der Tat sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Werder in den jüngsten Spielen zwar wahrlich keine Bäume ausgerissen, das Spielglück andererseits aber auch nicht unbedingt auf seiner Seite gehabt hatte. Ohne die Eigentore von Josh Sargent (während des 1:2 gegen Wolfsburg) und Ludwig Augustinsson (während des 0:1 in Stuttgart) hätte der eine oder andere Punkt durchaus herausspringen können. Weil es nicht geklappt hat, soll es nun gegen den Tabellenzweiten aus Leipzig nachgeholt werden, gegen eine Mannschaft, die gemeinsam mit Wolfsburg die beste Defensive der Liga stellt – und die nach dem bitteren 0:1 gegen die Bayern mit reichlich Entschlossenheit nach Bremen reisen dürfte. Denn schon ein Unentschieden gegen Werder würde die Leipziger Resthoffnung auf den Titelgewinn wohl krachend einstampfen, wie es sonst nur leere Limodosen von Schuhsohlen kennen.

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Um für die große Überraschung (denn nichts anderes wären Bremer Punkte gegen die Sachsen) sorgen zu können, hat sich Kohfeldt natürlich auch das schmerzhafte Hinspiel noch einmal angesehen. „Wir haben schon nochmal überlegt, welche Möglichkeiten wir haben, um gewisse Dynamiken im Spiel anders zu beeinflussen“, sagt er, was vermutlich bewusst vage klingen soll, aber nichts anderes heißen dürfte als: Was wir tun können, um nicht wieder chancenlos zu sein. Kohfeldt weist dabei zurecht darauf hin, dass im Vergleich zum 0:2 am Samstag einiges anders sein wird, die Personalsituation auf beiden Seiten zum Beispiel – und vor allem: Werders Qualität.

„Ich finde, dass wir uns seit dem Hinspiel spielerisch deutlich entwickelt haben, insbesondere im Spielaufbau gegen pressingstarke Mannschaften“, sagt der Trainer. Auch insgesamt sei das Bremer Grundniveau gestiegen. „Und natürlich würde es mich auch nicht stören, wenn Leipzig nicht an 100 Prozent kommt“, schmunzelt Kohfeldt, der freilich nichts lieber täte, als die Vorzeichen vor dem DFB-Pokal-Halbfinale, in dem sich beide Mannschaften am 30. April schon wieder begegnen, durch einen Erfolg im Liga-Spiel umzukehren. Selbstbewusste Bremer hier, Leipziger mit einer schmerzhaften Erfahrung im Gedächtnis dort – für Werder hätte das durchaus was.

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