Werders Strategie für den Umweltschutz

Den grünen Farben gerecht werden

Umweltschutz ist längst auch im Fußball ein wichtiges Thema - und somit auch bei Werder. Der Verein entwickelt dafür eine ganzheitliche Strategie, um so grün zu sein, wie es die Vereinsfarben vorgeben.
11.09.2020, 09:50
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Den grünen Farben gerecht werden
Von Christoph Sonnenberg
Den grünen Farben gerecht werden

Eine der größten ­Solaranlagen ­Bremens: Nach dem Umbau des Weserstadions produziert die Außenhülle des Gebäudes Strom.

Christina Kuhaupt

Wenn Werder am Freitag zum Pokalspiel nach Jena reist, steigen die Bremer für die knapp 450 Kilometer nicht in ein Flugzeug, sondern sie reisen mit dem Bus. Das hört sich in diesen Tagen nach einer schönen Geschich­te an. Als die Nationalmannschaft vor Kurzem für die 260 Kilometer von Stuttgart nach Basel einen Flieger nutzte, hagelte es Kritik. „Abgehoben“, titelte die „FAZ“. Dass die Bremer umweltschonender nach Thüringen fahren, ist jedoch keine Reaktion auf das Reiseverhalten des DFB. Kostengründe sind es, die zu der Entscheidung geführt haben: Der Bus ist billiger als ein Charterflugzeug.

Der DFB rechtfertigte den Flug mit einer insgesamt kürzeren Reisedauer, die wiederum eine bessere Regeneration ermögliche. Trotzdem versprach DFB-Direktor Oliver Bierhoff zu überlegen, wie der Verband künftig „die wichtigen Aspekte Umwelt und Nachhaltigkeit stärker in unseren Planungen und Entscheidungen“ berücksichtigen könne.

Vorreiterrolle als Anspruch

Nicht zuletzt durch die weltweite Klimaschutz-Aktion „Fridays for Future“ rücken diese Themen verstärkt ins gesellschaftliche Bewusstsein, diese Lektion hat der DFB nun gelernt. Das gilt für den gesamten Fußball und damit auch für die Bundesliga. Bei Werder stehen diese Themen schon länger auf der Agenda, wie sich am Weserstadion leicht erkennen lässt. Umhüllt ist es seit der letzten Umbauphase zwischen 2009 und 2011 von einer Fotovoltaikanlage, die aus 200 000 Solarzellen besteht. Zwischen 91 und 100 Prozent des Strombedarfs deckt das Stadion selbst ab. Damit sei das Weserstadion bundesligaweit immer noch ein Vorreiter-Projekt, sagt Tarek Brauer, Werders Direktor Recht und Personal und Mitglied der Geschäftsleitung.

Geht es um die Anreise zu Spielen, lassen sich Anspruch und Wirklichkeit nicht auflösen. „Wir möchten Vorreiter sein in der Bundesliga, das ist unser Anspruch. Wir wollen unserer grünen Farbe gerecht werden“, sagt Brauer zu den Themenfeldern Umwelt und Nachhaltigkeit. Trotzdem wird es weiterhin Flugreisen geben, weil sie mitunter extrem zeitsparender sind und dadurch die Regeneration ermöglichen, die nötig ist.

Grün denken, grün handeln

„Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld, das ist uns vollkommen klar. Flüge zu nutzen, werden wir nie vermeiden können“, sagt Brauer. Wichtig sei, das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Bewusstsein zu haben. „Wir versuchen, wenn es möglich ist, mit dem Zug oder dem Bus zu reisen.“ Dass Werder grün ist und grün denkt und handelt, lässt sich in vielen Bereichen erkennen. Im Stadion gibt es ausschließlich Mehrwertbecher und Mehrwertbesteck, um Müll zu vermeiden. Mit dem Stadionticket erwerben Zuschauer zugleich eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr, seit Jahren gibt es Park-&-Ride-Angebote. Auch im Unternehmen wird auf Nachhaltigkeit geachtet: Mülltrennung, Ökopapier, der Gebrauch von Glas- statt Plastikflaschen. „Ich bin zufrieden, dass wir ein Bewusstsein dafür haben. Und damit, dass wir dem Thema Priorität einräumen“, sagt Brauer. „Trotzdem sollten wir nicht zufrieden sein und den Anspruch haben, besser zu werden.“

Darum wird an weiteren Projekten gear­beitet. Das Berliner Unternehmen „Plan A“ ermittelt derzeit Werders CO2-Ausstoß und entwickelt strategische Maßnahme, diesen weiter zu reduzieren. Zusammen entwickeln sie eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie. Künftig soll es Diensträder für Mitarbeiter ­geben, die Leasingrate wird subventioniert. Taxis müssen eine Öko-Option nutzen, also Hybrid- oder E-Autos sein. Es sollen verstärkt regionale Anbieter zum Zuge kommen, um lange Lieferwege zu vermeiden. Und die ­Abfallmenge an Spieltagen soll reduziert ­werden.

Das sind Werders Ziele der Zukunft. Brauer sagt: „Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen oder es gar nicht zu machen. Es ist wichtig, die Dinge, die man tun kann, auch zu tun.“ Bei Werder sind sie dabei, diese zu tun.

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