Klaassen verzichtet auf Treuebekenntnis

Erstaunt über den eigenen Berater

Vor einigen Wochen überraschte Davy Klaassens Berater mit der Aussage, dass der Niederländer auf jeden Fall bei Werder bleibe. Der 27-Jährige selbst ist sich da noch nicht ganz so sicher, wie er jetzt erklärte.
15.08.2020, 17:43
Lesedauer: 4 Min
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Erstaunt über den eigenen Berater
Von Malte Bürger
Erstaunt über den eigenen Berater

Davy Klaassen erwartet eine harte Vorbereitung mit Werder.

nordphoto

Ende Juli schwirrte ein Satz durch die Medienlandschaft, der für Erstaunen sorgte. Auch bei Davy Klaassen. Dessen Berater Sören Lerby hatte in einem Interview nämlich unmissverständlich deutlich gemacht: „Die Spekulationen um Davys Zukunft können aufhören, er bleibt definitiv in Bremen.“ Das Kuriose: In Absprache mit seinem Spieler fielen diese Worte nicht. „Die Klarheit hat mich auch ein bisschen überrascht“, sagte Klaassen nun, als er am Sonnabendnachmittag zwischen Werders ersten beiden Trainingseinheiten im Zillertal in einer Medienrunde zu Gast war. „Im Fußball – und gerade in der jetzigen Zeit – weißt du doch nie, was passiert. Das ist schon eine heftige Aussage.“

Soll also heißen: Komplett in Stein gemeißelt ist Klaassens Verbleib an der Weser nicht. Weil bis zum Schließen des Transferfensters am 5. Oktober bekanntlich noch sehr viel Zeit ist und Sportchef Frank Baumann unlängst häufiger erklärt hatte, dass prinzipiell kein Spieler des Bremer Kaders unverkäuflich sei. Der Verein muss und will finanzielle Gewinne erwirtschaften und das geht bekanntlich am einfachsten durch den Verkauf des spielenden Personals.

Keine Lust auf Spekulationen

Bislang mangelt es jedoch an passenden Angeboten für Werders einstigen Rekordeinkauf, und auch Klaassen hat keine Schmerzen dabei, wenn er noch länger in Bremen bleibt („Ich habe hier immer noch Spaß.“). Anders als sein Berater möchte er die Tür nur eben nicht schon jetzt komplett zumachen. Auch wenn er es jetzt aushalten muss, dass altbekannte Gerüchte wieder aufkeimen. Zum Beispiel die, in denen es um Gespräche mit seinem Ex-Klub Ajax Amsterdam geht. Doch zumindest diesbezüglich zieht Klaassen klare Grenzen. „Ich wusste, dass jetzt diese Fragen kommen würden“, sagte er. „Ich habe aber keinen Bock auf diese Spekulationen.“ Zack, schon war das Thema erst einmal wieder beendet, vom Niederländer wird es dazu keine weiteren Aussagen geben.

Zumal Davy Klaassen aber auch nicht den Eindruck erweckt, mit seinen Gedanken woanders zu sein. Er richtet den Blick nach vorn, will – sofern mit ihm auf dem Transfermarkt eben nichts mehr passiert – zwingend wiedergutmachen, was in den vergangenen Monaten alles schief gelaufen ist. „Die nächste Saison muss unbedingt besser werden. Solch eine wie die letzte will keiner“, betonte der 27-Jährige. „Wir wollen zeigen, dass wir besser sind als ein Beinahe-Absteiger. Das muss unser Antrieb sein.“ Und deshalb ist Klaassen auch nur bedingt davon überzeugt, dass das Positiverlebnis der geglückten Relegation nun vielleicht sogar dazu taugt, um mit etwas Rückenwind die angepeilte Kurskorrektur in Angriff zu nehmen. „Ich glaube nicht, dass wir jetzt mit einer gewissen Leichtigkeit in die Saison gehen sollten“, warnte er. „Dann bekommen wir vielleicht wieder so eine wie die letzte. Wir müssen stattdessen voll fokussiert und noch hungriger sein, damit so etwas nicht mehr vorkommt.“

Anpacken statt zurücklehnen

Auch Florian Kohfeldt steuert seit Beginn der Vorbereitung intensiv dagegen an, dass sich jetzt auf dem erreichten Klassenerhalt ausgeruht wird. Werders Trainer fordert seine Spieler vom ersten Tag an, auch im frühen Testspiel gegen Braunschweig (2:0) wurde deshalb nicht mit angezogener Handbremse agiert. Kohfeldt will direkt die richtige Mentalität im Kader sehen, diese soll die Basis für das weitere Auftreten sein. Und damit handelt er ganz im Sinne von Davy Klaassen. „Dass wir am Ende die Klasse gehalten haben und es gerade noch mal gutgegangen ist, sollte uns nicht blenden. Wir wollen uns nicht wieder in so eine Position bringen“, sagte er. „Durchatmen kann auch gefährlich sein. Wir müssen erst ein paar Mal gewinnen, dann kommt der Spaß von ganz allein.“

Für den Mittelfeldspieler ist es die dritte Vorbereitung mit Werder. Seit seinem Wechsel ist Klaassen eine absolute Säule im Team von Florian Kohfeldt. Zuletzt stieg er sogar zum Vize-Kapitän hinter Niklas Moisander auf. Wer künftig die Armbinde durch die Liga trägt, will der Chefcoach erst demnächst entscheiden – es würde nicht überraschen, wenn es einen Tausch gibt. Allein schon deshalb, weil der verletzungsanfällige Moisander gerade einen Teil der Vorbereitung verpasst und auch in der Vorsaison keine gesundheitliche Konstante war. Schon damals führte Davy Klaassen sein Team auf den Platz. Warum also nicht auch zukünftig? „Wenn sie mich fragen, dann ja“, sagte der frühere niederländische Nationalspieler. Freiwillig in den Vordergrund drängen will er sich deshalb aber noch lange nicht. „In dieser Phase habe ich keinen Grund daran zu zweifeln, dass Niklas unser Kapitän bleibt“, sagte Klaassen. „Für uns alle ist er ein guter Kapitän.“

Ohne Angst vor Verantwortung

Und sollte die Wahl des Trainers doch auf ihn fallen, dann wird er diese Aufgabe eben auch ganz unaufgeregt übernehmen. Der Verantwortung ist Davy Klaassen bei Werder jedenfalls nie ausgewichen. Innerhalb der Mannschaft und auch bei der Außendarstellung. So stellte er sich stets den Fragen der Reporter, auch dann, als es mal wieder gar nicht gut gelaufen war. Für ihn persönlich und seine Mannschaft. In Zukunft will Klaassen in solchen Gesprächen wieder über schönere Werder-Momente reden. Auch deshalb wird er jetzt mit seinen Kollegen im Trainingslager schwer arbeiten müssen. „Wir sind ganz ruhig reingekommen, aber ich erwarte, dass es hart wird“, sagte er schmunzelnd.

In knapp vier Wochen startet die neue Saison, dann ist es noch wichtiger, gut hineinzukommen. „Die Bundesliga ist eine sehr ausgeglichene Liga, viele Vereine haben ähnliche Ambitionen", sagte Davy Klaassen. "Es ist total schwer zu sagen, wohin die Reise gehen wird." Und auch das gilt nicht nur für Werder allein, sondern ebenfalls für ihn ganz persönlich.

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