Rückschlag für Werder Bremen Werder verfällt in alte Fehler

Bremen. Die 2:3-Heimniederlage gegen den SC Freiburg wirkt ernüchternd. Nach der phasenweise "blutleeren" Vorstellung setzt sich bei Werder Bremen die Erkenntnis durch: Die Mannschaft ist längst noch nicht so weit wie zuletzt vermutet.
18.02.2013, 05:00
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Werder verfällt in alte Fehler
Von Oliver Matiszick

Bremen. Das Publikum im Weserstadion, es hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur einmal als geduldiges erwiesen. Am Sonnabend aber, als in der Partie gegen den SC Freiburg 34 Minuten gespielt waren, war die Geduld mit der Mannschaft am Ende.

Weil Werder, bekannt für seinen Offensivfußball, zu diesem Zeitpunkt nichts mehr einfiel, schon am eigenen Strafraum nicht mehr wusste, wohin noch mit dem Ball. Er wurde quer geschoben, hin und her, zwischendurch immer mal wieder auch zurück zu Torwart Sebastian Mielitz; bis er schließlich an Lukas Schmitz vorbei im Seitenaus landete. Es setzte empörte Pfiffe. So kannten die Zuschauer Werder nicht. Sie waren damit nicht allein. Denn so kannte Werder sich selbst auch nicht.

"Blutleer" nannte Stürmer Nils Petersen diese erste Halbzeit gegen den Sport-Club. Und ordnete sie gleich noch als die wohl schlechteste Hälfte ein, die er seit Beginn seiner Bremer Zeit im vergangenen Sommer erlebte. Wie es dazu kommen konnte, entzog sich allen Erklärungsversuchen. Denn nach zuvor zwei Siegen in Folge durfte eine selbstbewusste Werder-Elf erwartet werden. Eine Elf, die Sicherheit ausstrahlt, weil sie gegen Hannover (2:0) und beim VfB (4:1) gesehen hat, wie es gehen kann. "In Stuttgart haben wir auch bei Führung den Gegner bedrängt", sagte Trainer Thomas Schaaf, "nun sind wir einen anderen Weg gegangen..." Es war ein Irrweg.

Vor allem aber war es ein Rückfall. "Wir haben die alten Fehler gemacht", räumte Zlatko Junuzovic ein, "und dadurch haben wir schon zu viele Punkte verschenkt." Wie so oft in der Hinrunde lautete das Stichwort auch jetzt wieder: Passivität. "Wir waren nicht in den Zweikämpfen, wir sind nicht entschlossen dagegen gegangen", bemängelte Trainer Schaaf, "das Ergebnis müssen wir uns an die eigene Backe nageln. Wir sind leider noch nicht so weit."

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Zumal allen klar gewesen war, welche Aufgabe mit den Freiburgern auf sie zukommen würde. Dazu reichte ein Blick auf das Torverhältnis: In den 21 Partien zuvor hatten die Freiburger nur 20 Gegentore kassiert, auf einen besseren Wert kommt in der Bundesliga nur der ohnehin völlig entrückte FC Bayern. Was nichts anderes heißt, als dass Treffer gegen den SC nicht zufällig fallen – sie müssen hart erarbeitet werden. "Wenn man gegen Freiburg spielt, muss man sie 90 Minuten lang offensiv beschäftigen – und das haben wir nicht getan", stellte dann auch Werders neuer Sportchef Thomas Eichin fest.

Wenn man so wollte, hatte die Mannschaft es ihm am Sonnabend leicht gemacht, sich einen Überblick zu verschaffen, wie es in dieser Saison bei Werder läuft. Denn das 2:3 offenbarte auf eineinhalb Stunden komprimiert die gesamte Bandbreite des aktuellen Werder-Fußballs: Von der zeitweisen Erstarrung in der ersten Halbzeit über hemmungslose Offensive zu Beginn der zweiten Halbzeit bis hin zu einem haarsträubenden Defensivverhalten. Letzteres war "der ausschlaggebende Punkt", sagte Schaaf, "unser Defensivverhalten lässt sich nur als passiv bezeichnen". Und da war sie wieder, die Passivität.

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Durch sie hatten sich die Bremer selbst ins Abseits befördert. Freiburg wurde zu viel Raum gelassen – und Freiburg wusste ihn gewinnbringend zu nutzen. Drei Mal waren die Gastgeber so in Rückstand geraten, und das war einmal zu oft. Mit seinen beiden Toren hatte Petersen jeweils ausgleichen können – und musste sich trotzdem ärgern. "Zwei Tore zu Hause müssten eigentlich für einen Punkt reichen. Dachte ich jedenfalls", sagte der Stürmer. Dass es dennoch eine Niederlage wurde – es war auch ein Zeichen von Naivität, fand Mitspieler Junuzovic. "Natürlich will man nach dem 2:2 noch einen draufsetzen und gewinnen, da ist dann auch Adrenalin im Spiel", sagte er, "aber trotzdem darf man dann nicht so naiv agieren. Dann geht’s halt nach hinten los."

Was nicht für diese Partie Gültigkeit besaß, sondern auch für Tabellensituation als solche. Werder verlor am Sonnabend eines jener Sechs-Punkte-Spiele – Freiburg, einer der Konkurrenten im Kampf um die Europa-League-Plätze, war greifbar, ist den Bremern nun aber erst einmal weit enteilt. "Es wäre sehr wichtig gewesen, nicht zu verlieren. Wir hätten einen großen Schritt nach vorne machen können", ärgerte sich Junuzovic. Was das 2:3 für die internationalen Ambitionen, die mit dieser Saison verbunden werden, noch bedeuten könnte? Thomas Eichin, der neue Mann in der sportlichen Verantwortung, ließ es offen. "Wir sind gut beraten, wenn wir uns nur auf das nächste Spiel konzentrieren", sagte er. Auch das gehört zur Bandbreite des aktuellen Werder-Fußballs.

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