Achte Niederlage im Weserstadion

Werder verliert gegen Dortmund

Die Sensation, die Werder im Pokal gegen Dortmund gelungen ist, wiederholt sich in der Liga nicht. Mit 0:2 (0:0) unterliegen die Bremer dem BVB. Es ist bereits die achte Heimpleite in dieser Saison.
23.02.2020, 09:06
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Werder verliert gegen Dortmund
Von Christoph Sonnenberg
Werder verliert gegen Dortmund

Dann ist er drin: Dortmunds Haaland trifft zum 2:0 gegen Werder.

nph / kokenge

Der erhoffte Befreiungsschlag ist ausgeblieben, Werder muss gegen Borussia Dortmund eine 0:2 (0:0) Heimniederlage hinnehmen. Dan-Axel Zagadou und Erlin Haaland erzielten für die Gäste die entscheidenden Treffer. Für die Bremer ist es bereits die achte Niederlage im Weserstadion in dieser Saison, kein Klub der Bundesliga holte Zuhause weniger Punkte. Das Spiel, das Werder über weite Strecken offen gestalten konnte, verschärft die Situation in Bremen weiter.

Personell musste Florian Kohfeldt einiges umstellen im Vergleich zum 0:3 bei RB Leipzig am vergangenen Wochenende. Maximilian Eggestein war aufgrund einer Gelb-Sperre zum Zuschauen verdammt. Kevin Vogt fehlt wegen einer Sehenverletzung mindestens noch einen weiteren Spieltag. Dafür konnte Kohfeldt wieder auf Ludwig Augustinsson zurückgreifen, der seit Ende Dezember wegen eines einem Muskelfaserrisses pausiert hatte. Für ihn musste Marco Friedl auf die Bank. Davie Selke hatte in Leipzig eine Gelb-Sperre abgesessen, er kehrte ebenfalls in die erste Elf zurück.

Auch Ömer Toprak, der in Leipzig nicht volle 90 Minuten spielen konnte und deshalb zunächst auf der Bank saß, war gegen Dortmund wieder von Beginn an dabei. Ebenfalls in der Startelf, und das war nach seiner Leistung in Leipzig nicht unbedingt zu erwarten, stand Yuya Osako. Der Japaner war maßgeblich an der Entstehung der Leipziger Führung beteiligt, als er seinen Gegenspieler einfach weglaufen ließ.

Standards waren unter der Woche vor dem Spiel ein Teil des Bremer Trainings – allerdings offensive Standards. „Die haben wir trainiert„, verriet Kohfeldt vor der Partie im Interview bei „Sky“. Ein Signal an seine Spieler, das Werder selbst die Initiative ergreifen will. Der Trainer war auch dem Verdacht entgegen getreten, die Mannschaft hätte ein aufgrund der brenzligen Situation Kopfproblem. „Das wäre eine billige Ausrede“, sagte Kohfeldt der Mannschaft, „die Spieler müssen einfach aufmerksam sein beim Verteidigen der Standards. Es geht darum, besser zu handeln.“

Gehandelt haben mal wieder die Werder-Fans. Beim Abschluss-Training am Freitag hing ein Plakat am Zaun des Platzes mit der Aufschrift: „Kämpft für diese Stadt, unseren Verein und euren Trainer.„ Eine besondere Motivation, zu der Kohfeldt vor dem Anpfiff sagte: „Ein gutes Zeichen der Fans. Am Ende ist entscheidend, was die Mannschaft daraus macht.“

Und das, was die Mannschaft daraus machte, sah zu Beginn gut aus. Ganze 24 Sekunde dauerte es bis zur ersten Bremer Ecke. Auch wenn aus ihr nichts resultierte, war es doch ein Zeichen, dass Werder die Offensive suchte. Sie störten früh und setzten Dortmund unter Druck. Doch nach wenigen Minuten hatte sich die Borussia besser sortiert und übernahm stetig mehr die Kontrolle des Spiels.

Es entwickelte sich eine Partie, die zu großen Teilen im Mittelfeld stattfand. Werders Defensive war aufmerksam und stand gut. Die hochkarätige Dortmunder Offensive mit Jordan Sancho und Winterzugang Erling Haaland, den Kohfeldt zuvor als „im Moment besten Stürmer der Welt“ bezeichnet hatte, kamen wenig zur Geltung.

Auf der anderen Seite hatte Werder wie in den Wochen zuvor kaum Szenen, aus denen ein Tor hätte resultieren können. Die Bremer versuchten es meist mit hohen Bällen ins Sturmzentrum auf Davie Selke, der sich jedoch in den Kopfball-Duellen nicht gegen Mats Hummels behaupten konnte. Von Milot Rashica und Yuya Osako auf den Außenbahnen kam ebenfalls wenig Nennenswertes.

In der 34. Minute gab es die erste aufregende Szene aus Bremer Sicht. Einen Freistoß von Augustinsson aus dem rechten Halbfeld erwischte Toprak mit der Fußspitze und bugsierte den Ball knapp am rechten Pfosten vorbei. Allerdings stand der Verteidiger knapp im Abseits. Aber immerhin meldete sich Werder zurück im Spiel, dass Dortmund emotionslos dominierte, ohne selbst Chancen zu haben.

Dann war es ein Fehlpass Pavlenkas, der in der 42. Minute zu einem Dortmunder Freistoß führte. Guerreiro zirkelte den Ball von halbrechts vor das Bremer Tor, den niemand erreichte, der aber nur knapp am linken Pfosten vorbei flog. Das war, wenngleich nicht absichtlich, die beste Dortmunder Chance bis zu diesem Zeitpunkt. Das sagt viel aus über die Tormöglichkeiten dieser Partie.

Nach der Pause hatte Werder die erste Szene. In der 46. Minute versuchte es Leonardo Bittencourt aus 18 Metern, doch sein Schlenzer von halbrechts stellte Dortmunds Torwart Roman Bürki vor kein Problem. Zwei Minuten später versuchte es Rashica aus der Distanz, schoss den Ball aber um mehrere Meter am gegnerischen Tor vorbei.

In der 52. Minute machte es Dortmund besser. Zunächst rettete Niklas Moisander, in dem er einen Schuss Haalands zur Ecke abfälschte. Dann war es wieder eine Standardsituation, die Werder in Rückstand brachte. Die Ecke Sanchos landete bei Zagadou, der aus fünf Metern zur 1:0-Führung traf. Diesmal war es Selke, der nicht entscheidend störte.

Kurz darauf hätte Haaland fast die Führung ausgebaut. Nach Pass von Guerreiro lief der Norweger allein auf Pavlenka zu, doch der spitzelte ihm den Ball vom Fuß. Moisander klärte die Szene, indem er den abgeprallten Ball aus der Gefahrenzone schlug.

Doch nach der Führung, die sich nicht angekündigt hatte, übernahmen die Gäste komplett die Kontrolle über das Spiel. Es dauerte bis zur 66. Minute, ehe sich das in Zahlen ausdrückte. Hakimi flankte von der Grundlinie in den Rückraum, wo Haaland sich mit einem kurzen Sprint von Toprak absetzte und den Ball zum 2:0 ins kurze Eck beförderte.

Auf der anderen Seite war es Johannes Eggestein, in der 67. Minute für Bittencourt ins Spiel gekommen, der einen Schuss von der Strafraumgrenze nur knapp am rechten Pfosten vorbei setzte. Werder gab sich nicht auf, Dortmund spielte die Partie aber ziemlich routiniert herunter. Und steht unter dem Strich ein verdienter Erfolg der Borussia.

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