Ausgezehrter Kader

Werder verrichtet Schwerstarbeit am Main

Der 2:2-Abschluss dieser Englischen Woche mit drei Spielen innerhalb von sechs Tagen zeigte: Sie hat ordentlich an Werder Bremens Kräften gezehrt.
07.04.2017, 15:47
Lesedauer: 4 Min
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Von Oliver Matiszick Andreas Lesch

Der 2:2-Abschluss dieser Englischen Woche mit drei Spielen innerhalb von sechs Tagen zeigte: Sie hat ordentlich an Werders Kräften gezehrt.

Die Frage vor diesem 28. Spieltag, sie lautete aus Bremer Sicht: Spielt Werder noch gegen den Abstieg oder doch schon um die vage Hoffnung auf den europäischen Wettbewerb? Beides hören die Verantwortlichen der Grün-Weißen nicht gerne. Das eine, den möglichen Abstieg, will sich niemand vorstellen; das andere, den Höhenflug bis ins internationale Geschäft, mag sich nach dem leidvollen Saisonstart im vergangenen Spätsommer niemand vorstellen. Und das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt blieb die Antwort auf die Frage letztlich schuldig. Es endete am Freitagabend 2:2. Und das ging in Ordnung so, trotz einer Bremer 2:0-Führung zur Pause durch Zlatko Junuzovic und Fin Bartels.

Denn der Abschluss dieser Englischen Woche mit drei Spielen innerhalb von sechs Tagen zeigte auch: Sie hat ordentlich an Werders Kräften gezehrt. Und nach Thomas Delaney gegen Schalke in Frankfurt mit Luca Caldirola einen weiteren Ausfall gebracht. „Es kann durchaus sein, dass er uns erst einmal nicht zur Verfügung stehen wird“, sagte Sportchef Frank Baumann.

Nouris Elf leistet sich Nachlässigkeiten

Trainer Alexander Nouri hatte bei seiner Startformation auf die elf Mann vertraut, die so auch erwartet werden durften. Maximilian Eggestein vertrat den verletzten Delaney im defensiven Mittelfeld, Claudio Pizarro nahm bei Anpfiff wieder auf der Bank Platz – so war es auch schon bei den jüngsten Auswärtsspielen gewesen. Für ihn spielte Fin Bartels neben Max Kruse im Angriff.

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Dem gehörte zwar auch die erste halbwegs anständige Chance dieser Partie, als er in bester Kruse-Manier kurz entschlossen zu einem Distanzschuss ansetzte, den Lukas Hradecky allerdings sicher fing (5. Minute). Das ließ sich zwar gut an – ging aber nicht so weiter. Im Gegenteil. Denn in der folgenden Phase war von jener neuen Stabilität in der Defensive, die Werder in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hat, wenig zu spüren. Um die 10. Minute herum leistete sich Nouris Elf Nachlässigkeiten, die auch leicht zu einem Zwei-Tore-Rückstand hätten führen können. Felix Wiedwald lenkte einen Gewaltschuss von David Abraham reaktionsschnell noch an die Latte (10.), nur kurz darauf später rutschte Branimir Hrgota frei vor dem Tor knapp an einer guten Hereingabe von Bastian Oczipka vorbei (11.). Als sich dann auch noch fahrlässige Ballverluste im Mittelfeld zu häufen begannen, packten die Gastgeber ihre nächste Doppelchance zur Abwechslung in einen Angriff: Am Ende eines Konters scheiterte erst Mijat Gacinovic an Werder-Keeper Wiedwald, der dann auch noch den Nachschuss von Branimir Hrgota abwehrte (27.).

Doch wenn die vergangenen Wochen etwas gelehrt haben, dann dies: Wer seine Chancen gegen diese Bremer nicht nutzt, der wird bestraft. Und zwar unabhängig davon, wie unrund das Werder-Spiel bis dahin ausgesehen hatte. Das Bremer Strafgericht tagte dieses Mal in zwei Abschnitten, jeweils mit zwei Hauptdarstellern.

Teil 1: Florian Kainz, schon nach 28 Minuten für den gelb-rot gefährdeten Milos Veljkovic eingewechselt, passte von links schön in die Mitte, wo sein österreichischer Landsmann Zlatko Junuzovic den Ball per Direktabnahme zum 1:0 ins Tor jagte (37.). Teil 2: Kruse doppelpasste den aufs Tor zustürmenden Bartels in Schussposition, dessen Heber senkte sich hinter Hradecky zum 2:0 ins Tor (43.). Es war Bartels‘ fünfter Saisontreffer. Und ein besonders schöner dazu.

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Die Bremer Effektivitätsmaschinerie hatte auch gegen die Eintracht verlässlich ihren Dienst verrichtet – mit zwei Toren aus zweieinhalb Chancen. Dass Theodor Gebre Selassie im Duell mit Oczipka eigentlich einen Strafstoß hätte zugesprochen bekommen müssen (34.), Schiedsrichter Bastian Dankert aber vorher auf Abseits entschied: Es spielte in diesem Moment keine Rolle.

Punkteteilung geht in Ordnung

Wohl aber unmittelbar nach Wiederanpfiff. Denn nach 485 Minuten beendete die Eintracht tatsächlich ihre notorische Torflaute. Es brauchte dafür den Oberschenkel von Gacinovic, der einen Abraham-Kopfball im Anschluss an eine Ecke recht unbedrängt ins Tor beförderte (48.). Nur noch 1:2 – und noch fast eine komplette Halbzeit zu spielen. Es drohte ungemütlich zu werden für die Bremer. Auch deshalb, weil Ulisses Garcia, zuletzt beim 2:3 in Augsburg für die Profis im Einsatz, auch noch den angeschlagenen Caldirola ersetzen musste (53.).

Es schien zunächst, als könnte Werder den Vorsprung über die Zeit retten – auch deshalb, weil Frankfurt in seinen Aktionen zu ungenau blieb. Ihre Chance zum Ausgleich bekamen die Gastgeber trotzdem – weil Abwehrchef Niklas Moisander sich im Strafraum derart in Hrgotas Arm verhakte und den Schweden zu Boden zerrte, dass Schiedsrichter Dankert unweigerlich auf Strafstoß entscheiden musste. Marco Fabián schoss sicher ein. 2:2 knapp 20 Minuten vor Schluss. Und Werder konnte sich nicht beschweren.

Die Punkteteilung, sie ging in Ordnung. Florian Grillitsch traf noch eine Kopfballverlängerung von Theodor Gebre Selassie alles andere als optimal, dennoch konnte Hradecky nur mit Mühe parieren (76.). Aber auf der Gegenseite schoss der eingewechselte Haris Seferovic aus einem Spielerknäuel heraus auch nur ans Außennetz (83.). Dass Kruse in der Schlussminute der regulären Spielzeit das 3:2 hätte machen können – es wäre vielleicht zu viel des Guten gewesen. „Wenn man das komplette Spiel sieht“, resümierte dann auch Torschütze Bartels, „dann haben wir einen Punkt gewonnen.“

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