Marco Friedl über Werders Heimschwäche

„Es liegt an uns Spielern“

Marco Friedl stand in der laufenden Saison bisher in allen Spielen über die volle Distanz für Werder Bremen auf dem Platz. Im Interview spricht er unter anderem über seine neue Rolle in der Mannschaft.
12.01.2021, 22:18
Lesedauer: 5 Min
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Von Daniel Cottäus
„Es liegt an uns Spielern“

"Wir haben wieder gezeigt, dass wir auch gegen starke Mannschaften bestehen können, wenn wir alle an unser Limit gehen", sagt Werder-Spieler Marco Friedl.

Marius Becker/dpa
Herr Friedl, dürfen wir davon ausgehen, dass Sie nach dem 1:1 in Leverkusen einen deutlich angenehmeren Start in die Arbeitswoche hatten als es zuletzt der Fall war?

Marco Friedl: Ja, absolut. Nach dem 0:2 gegen Union Berlin hätte der Trainer gar keine Ansprache halten müssen, da wussten wir Spieler, dass die Leistung einfach nur schlecht war. Wenn es am Wochenende gut lief, macht das vieles leichter. Das heißt aber nicht, dass die Stimmung dadurch lockerer geworden ist. Der Trainer hat uns direkt mit auf den Weg gegeben, dass es keinen Grund gibt, irgendetwas entspannter zu sehen.

Vor dem Leverkusen-Spiel hatte Florian Kohfeldt eine Reaktion der Mannschaft gefordert. Die haben Sie und Ihre Kollegen dann gezeigt. Was kann dieses 1:1 abgesehen von dem einem Punkt für Werder noch wert sein?

Wir haben wieder gezeigt, dass wir auch gegen starke Mannschaften bestehen können, wenn wir alle an unser Limit gehen. Ähnlich wie wir es gegen Bayern und teilweise gegen Dortmund gezeigt haben, auch wenn wir das Spiel gegen den BVB am Ende leider verloren haben. Alles abrufen, 90 Minuten lang – das muss uns immer gelingen, damit solche Spiele wie gegen Union nicht mehr passieren.

Können Sie verstehen, dass es nach einem 1:1 bei einem Topteam wie Bayer Leverkusen Menschen gibt, die den defensiven Spielstil Ihrer Mannschaft kritisieren?

In Leverkusen haben wir uns natürlich sehr aufs Verteidigen und auf das Verhalten in der Abwehr fokussiert. Weil wir wussten, dass es schwierig für uns wird, wenn wir ihre Offensivspieler ins Laufen kommen lassen. Das wollten wir auf jeden Fall verhindern. Ich kann verstehen, dass es Fans gibt, die sagen, dass unser Spiel nicht so schön anzusehen ist. Es geht aber in erster Linie darum, Punkte zu sammeln. Wir hatten ja auch Offensivaktionen, die wir entschlossener ausspielen müssen. Jetzt arbeiten wir daran, dass es in den nächsten Spielen auch nach vorne besser klappt.

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In der Vergangenheit war es oft so, dass auf ordentliche Ergebnisse wieder neue Einbrüche folgten. Was macht es so schwer, das zu verhindern?

Das ist eine gute Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Wir müssen uns mit jedem Gegner auf neue Herausforderungen einstellen. In dieser Saison haben wir uns bisher schwer damit getan, wenn uns der Gegner das Spiel überlässt. Generell haben wir immer einen guten Plan, können ihn aber nicht immer umsetzen. Das liegt in meinen Augen an uns Spielern, die Ausrichtung der Mannschaft vor den Spielen empfinde ich als hervorragend. Wir müssen einfach lernen, die Räume, die uns der Gegner anbietet, besser zu nutzen. Das ist ein Prozess, den man nicht von heute auf morgen verändern kann.

GER,  SV Werder Bremen vs Union Berlin

Hat sich vom Ergänzungsspieler zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt: Marco Friedl. Sein Wort habe in der Mannschaft jetzt mehr Gewicht, sagt er.

Foto: nordphoto/gumzmedia
Vor dem anstehenden Augsburg-Spiel kommt noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: Es findet im Weserstadion statt. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum sich Werder zu Hause schon so lange schwertut?

Als ich nach Bremen gekommen bin, hatten wir eine Phase, in der wir mehrere Monate lang kein Heimspiel verloren haben. Seit der vergangenen Saison haben wir nun deutlich mehr Punkte auswärts geholt. Wir wissen selber nicht, warum das so ist. Klar ist aber, dass wir zu Hause wieder mehr Punkte holen müssen, denn wir wissen sehr genau, wie viel Kraft in diesem Stadion liegt.

Florian Kohfeldt hat erklärt, dass der Verein viel versucht, um der Heimschwäche beizukommen. Sogar das Licht in der Kabine wurde verändert. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Wir haben seit dieser Saison neue LED-Lichter in der Kabine, bei denen sich verschiedene Lichtstärken einstellen lassen. Da kann man verschiedene Dinge ausprobieren. Ich habe mich bisher noch nicht so sehr damit befasst. Ich finde es aber gut, dass im Verein auch diese Themen hinterfragt werden.

Neben Torhüter Jiri Pavlenka, Theodor Gebre Selassie und Maximilian Eggestein sind Sie einer der vier Dauerbrenner des Teams, die in dieser Saison noch keine einzige Bundesliga-Minute verpasst haben. Wie hat sich Ihr Standing in der Mannschaft dadurch verändert?

Es ist natürlich so, dass sich das eigene Standing steigert, wenn man auf dem Platz steht. Ich freue mich darüber, dass ich Woche für Woche spielen kann. Es hilft mir dabei, mich persönlich weiterzuentwickeln, sodass ich wiederum der Mannschaft mehr helfen kann.

Wie macht sich das verbesserte Standing denn in der Hierarchie der Mannschaft bemerkbar? Hat Ihr Wort intern jetzt mehr Gewicht?

Ja, das kann man so sagen. Auf meiner Position muss ich ja auf dem Platz ohnehin sehr viel sprechen. Relativ neu ist die Rolle, dass ich mich jetzt auch um die jüngeren Spieler, die noch nicht so lange da sind, kümmere. Mit Romano Schmid rede ich zum Beispiel sehr viel. Ich war damals in der gleichen Situation wie er jetzt. Da versuche ich, ihm Tipps zu geben.

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Der Eindruck nach außen hin ist, dass Sie in Ihren öffentlichen Aussagen mutiger geworden sind. Im November haben Sie zum Beispiel im Interview mit dem WESER-KURIER gesagt, dass 20 Punkte bis Weihnachten schön wären und ...

Ja, da muss ich gleich einhaken, denn das ist damals leider falsch rübergekommen. Klar weiß ich, was ich gesagt habe, aber ich meinte 20 Punkte bis zum Ende der Hinrunde. Das war etwas blöd, deswegen ist es gut, dass ich das jetzt noch mal klären kann.

Ihr Trainer hat kurz nach der „20-Punkte-Aussage“ gesagt, er selbst werde sich hüten, solche Ziele zu formulieren ...

Ich habe ihm meine Aussage damals gleich erklärt. Er hatte es da schon in der Zeitung gelesen und hat zu mir gesagt: „Das ist ein mutiger Satz. Wenn du das sagst, mische ich mich da nicht ein.“

Nachdem Sie sich korrigiert haben: 20 Punkte bis zum Ende der Hinrunde sind für Werder ja noch drin. 15 sind es aktuell, zwei Spiele stehen noch aus ...

Nachdem meine Aussage ja letztens etwas missverständlich transportiert worden ist, lasse ich dieses Mal konkrete Zahlen weg. Wir müssen uns in jedem Spiel auf unsere Leistung fokussieren und absolut ans Limit gehen. Gelingt das, werden wir ausreichend Punkte holen. Davon bin ich überzeugt. Wichtig ist jetzt erst mal das Spiel gegen Augsburg. Da müssen wir die Leidenschaft und Aggressivität wie im Leverkusen-Spiel auf den Platz bekommen. Das ist die Grundlage für unser Spiel.

Wenn die Partie am Sonnabend um 15.30 Uhr beginnt, werden Sie sehr wahrscheinlich wieder in der Startelf stehen, was bedeutet, dass für Kapitän Niklas Moisander nur die Bank bleibt. Wann haben Sie erfahren, dass es in dieser Saison zur Wachablösung kommt?

Es war einfach so, dass der Trainer vor dem ersten Spiel entschieden hat, dass ich spiele. Und so ging es dann weiter. Es gab da kein grundsätzliches Gespräch, in dem das geklärt wurde. Das hat ja auch nichts direkt mit mir und Niklas zu tun. Wir haben mit Ömer Toprak, Milos Veljkovic und Christian Groß noch drei weitere Innenverteidiger, die mit uns um die zwei beziehungsweise drei Positionen in der Innenverteidigung kämpfen. Ich versuche, alles zu geben, damit ich in der Mannschaft bleibe.

Das Gespräch führte Daniel Cottäus.

Info

Zur Person

Marco Friedl (22)

stand in der laufenden Saison bisher in allen Bundesligaspielen über die volle Distanz für Werder Bremen auf dem Platz. Im System von Trainer Florian Kohfeldt hat sich der Innenverteidiger zu einer festen Säule entwickelt.

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