„Ganzkörperkrampf“, „Saft leer“

Werder-Verteidiger Groß schon bereit für den nächsten Fight

Im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig musste Christian Groß in der 119. Minute mit Krämpfen vom Spielfeld. Werder unterlag zwar, habe aber gezeigt, wie es weitergehen müsse, betont der Verteidiger.
05.05.2021, 19:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Maik Hanke
Werder-Verteidiger Groß schon bereit für den nächsten Fight

Nach Krämpfen musste Christian Groß im Pokal-Halbfinale das Spielfeld verlassen. Jetzt ist er aber wieder bereit für die nächsten Herausforderungen.

nordphoto GmbH / Kokenge

Einmal zog er noch an und drosch Dani Olmo den Ball vor der Nase weg, dann klappte Christian Groß zusammen. Mit beiden Händen zog er im Sitzen die Fußspitzen zu sich heran, versuchte die Krämpfe in seinen Beinen zu lösen. Rien ne va plus – nichts geht mehr. Wären Zuschauer im Weserstadion zu Besuch gewesen, sie hätten den defensiven Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen bei seiner anschließenden Auswechslung im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig vermutlich mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Christian Groß galt nach großem Kampf als bester Bremer Feldspieler. In der 119. Minute musste er schließlich raus, nur eine Minute später, in der Nachspielzeit der Verlängerung, setzte es dann den Tiefschlag: Emil Forsberg traf Sekunden vor Abpfiff, 1:2, Leipzig im Endspiel, Werder raus. Und in Fällen wie diesem kann sich manch einer den törichten „Was wäre, wenn...“-Szenarien nicht erwehren: Was wäre, wenn Groß noch eine Minute durchgehalten hätte? Wenn Werder nicht so kurz vor Spielende einen Wechsel in der Defensive hätte vornehmen müssen?

Christian Groß selbst lässt solche Gedanken nicht erst an sich heran. „Jeder kennt mich als Typ: Wenn ich anzeige, dass es nicht mehr geht, dann geht es wirklich nicht mehr.“ Sportchef Frank Baumann sollte nach dem Pokal-Fight von einem „Ganzkörperkrampf“ bei Groß sprechen. „Darüber musste ich lächeln“, sagt Groß. „Aber es war in der Tat so, dass ich alle Körner gelassen habe.“ In den letzten Spielminuten quälte er sich nur noch über den Platz. „Es ging dann einfach nicht mehr, der Saft war am Ende leer.“

Groß weiß, was für ein Kampf hinter ihm liegt, und obwohl Werder Leipzig am Ende unterlegen war, ist er sich sicher, dass genau so der Weg zum Klassenerhalt aussieht. „Das Spiel am Freitag hat gezeigt, in welche Richtung es laufen muss, dass wir über Engagement kommen, Laufbereitschaft, absoluten Willen und Kampf. Das ist die komplette Marschroute für die letzten Ligaspiele“, sagt der 32-Jährige.

Die akute Trainerdiskussion um Florian Kohfeldt und die unklare Zukunft des Coaches „sollte uns nicht direkt interessieren“, meint Groß. „Wir müssen das Hier und Jetzt annehmen und Spiele gewinnen. Am Ende der Saison werden wir sehen, welche Entscheidungen getroffen werden. Wir sind dafür verantwortlich, dass wir es schaffen, in der Liga zu bleiben.“ Und doch hat die Mannschaft gegen Leipzig ein klares Zeichen in der Trainerfrage pro Kohfeldt gesetzt: „Ich glaube, am Freitag haben wir gezeigt, geschlossen als Mannschaft, dass wir hinter dieser Entscheidung stehen.“

Auch in den kommenden Wochen wird es weiter um die zwei K-Fragen gehen: Klassenerhalt und Kohfeldts Zukunft. Christian Groß ist jedenfalls schon wieder bereit für den nächsten Fight. „Ich habe das Spiel gut verkraftet“, sagt er rückblickend zu Leipzig. „Jetzt bin ich wieder in der Trainingswoche und fühle mich gut.“ Der nächste Gegner heißt am Samstag (15.30 Uhr) Bayer Leverkusen, ein weiteres Spitzenteam der Liga. „Meiner Meinung nach geht es nur so, wie wir es auch Freitag angegangen sind“, sagt Groß.

In Ömer Toprak könnte dann der zuletzt verletzte Abwehrchef wieder in die Startelf zurückkehren. Dass das seine eigenen Einsatz-Chancen schmälern könnte, macht Groß nichts aus. „Es ist mir persönlich wirklich sehr, sehr egal, ob ich spiele oder nicht. In dieser Situation geht es nicht darum, ob mein persönliches Schicksal daran hängt, sondern es geht darum, dass der Verein in der Liga bleibt.“ Kämpfer wie Christian Groß kann Werder dabei aber auf jeden Fall gebrauchen. Auch wenn es nicht jedes Mal bis zum „Ganzkörperkrampf“ gehen muss.

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