Zurückgeblättert: 11. September 1964

„Werder verteidigt die Tabellenführung“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Wir zeigen die Originaltexte und Zeitungsseiten.
10.09.2019, 08:44
Lesedauer: 3 Min
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Von (wkf)

Der WESER-KURIER schrieb am 11. September 1964:

An Überraschungen hat es in der Bundesliga bisher wahrlich keinen Mangel gegeben. Die größte ist zweifellos, daß der SV Werder nach drei Spieltagen die Tabelle anführt, wobei es nicht einmal stark ins Gewicht fällt, daß die Bremer diesen Platz „nur" dank ihres hervorragenden Torverhältnisses einnehmen. Der Vorzug, auf dem
ersten Platz zu stehen, hat aber den Nachteil, daß alle Mannschaften gegen die norddeutsche Mannschaft jetzt mit doppeltem Eifer und verstärkten Anstrengungen um ein gutes Resultat bemüht sein werden. Das trifft sicher auch auf den Karlsruher SC zu, der sich am Sonnabend um 16 Uhr im Weser-Stadion vorstellt und der weiß, was ein ehrenvolles Abschneiden in Bremen wert ist.

Favorit zu sein, ist stets eine Bürde. So wie früher in der Regionalliga alle Konkurrenten Jagd auf den HSV machten, und so wie in der letzten Spielzeit alle Bundesligamannschaften gegen den 1. FC Köln mit besonderem Ehrgeiz spielten, so werden nun alle Vereine der höchsten deutschen Spielklasse versuchen, die Position Werders zu erschüttern. Spiele, die unter solchen Vorzeichen stattfinden, versprechen spannend zu werden, und der Wunsch der Werder-Freunde ist es nur, daß die Bremer Mannschaft sich in ihre Rolle schnell hineinfindet, daß sie von ihrer Aufgabe diegleiche Auffassung hat wie vorher gegen Eintracht Braunschweig und in Frankfurt. Der Papierform nach ist der Karlsruher SC krasser Außenseiter, aber wer Ergebnisse vergangener Spiele als Maßstab für die Beurteilung der Chancen nimmt, hat sich gerade in den letzten Wochen schon oft verrechnet.

„Wir würden den größten Fehler machen, wenn wir das Spiel auf die leichte Schulter nähmen", sagt Trainer Multhaup. Grund zur Überheblichkeit ist schon deshalb nicht gegeben, weil abermals einige der besten Spieler
ausfallen: Steinmann, Klöckner und Schimeczek sind verletzt, Hänel ist erkrankt, und fraglich ist zudem, ob Ferner mitwirken kann. Die Aufstellung der Mannschaft löst sich unter diesen Umständen von allein: Es bleibt keine andere Wahl, als derselben Elf zu vertrauen, die eine Woche zuvor in Frankfurt nach einer hervorragenden Leistung 2:0 gewann.

Beim KSC reißen die Sorgen nicht ab. Kentschke und Kahn waren schon vor Beginn der Meisterschaft verletzt, und nach dem zweiten Spieltag kamen noch Witlatschil und Metzger hinzu. Als fünfter steht nun Cieslarczyk
auf der Liste, der sich gegen 1860 München eine Hüftprellung zugezogen hat. Dadurch konnte Trainer Sommerlatt die von ihm geplante Aufstellung bisher noch nicht verwirklichen. Was der KSC gegen 1860 München bot, war weniger als mäßig, überhaupt taten sich die Neuverpflichtungen bisher sehr schwer. Sie haben noch keinen Kontakt gefunden und haben auch — mit Ausnahme des früheren Bremerhaveners Berking — konditioneil noch viel aufzuholen.

Stopper Witlatschil hat einen, Trainingsversuch unternommen. Dabei stellte er fest, daß die Zerrung noch nicht ganz behoben ist. Man will noch einen weiteren Versuch abwarten, aber es ist nicht wahrscheinlich, daß Sommerlatt auf ein so großes Risiko einer neuen Verletzung eingehen wird. Der KSC trat die Reise nach Bremen bereits gestern "an. Zaczyk, Wild und Madl, die sich in der Reserve durch Fleiß und Können verdient gemacht haben, zählen zu dem Aufgebot. Mindestens zwei von ihnen werden in Bremen spielen. Wer es ist, wird der Karlsruher Trainer erst an Ort und Stelle entscheiden. In der Deckung dürfte sich nicht viel ändern. Wenn Witlatschil nicht spielen sollte, ist mit Paul, Kossmann, Salda, Wischnowsky, Rihm und Marx zu rechnen. Im Sturm stehen Berking, Geisert, Zaczyk, Wild, Madl und Jendrosch zur Wahl. Im Vorspiel stehen sich um 14.45 Uhr die Jugendmannschaften Werders und des ATS Buntentor gegenüber.

1:0 und 2:1 gewann der 1. FC Köln im Vorjahr gegen den VfB Stuttgart. Beide Male war Linksaußen Hornig der entscheidende Torschütze. Diesmal wird er wahrscheinlich nicht dabeisein. Vom schweren Mittwochspiel aus Tirana zurück, muß der Meister seine Leistungen aus den drei ersten Spielen gewaltig steigern, wenn es nicht eine neue Niederlage geben soll. Der VfB hat in Dortmund trotz des 0:1 großartig gespielt. Auch Borussia Dortmund hat ein Mittwochspiel beim CF Barcelona hinter sich, wenn die Mannschaft im Olympiastadion auf Hertha BSC trifft. Mit Pokalsieger 1860 München ist es nicht anders, aber Union Sportive Luxemburg war kaum mehr als ein guter Trainingspartner. Hannover hat die Massen im Niedersachsen-Stadion hinter sich, so daß gegen den Rekordmeister 1. FC Nürnberg durchaus ein Sieg glücken kann.

Daß Uwe Seeler stürmt, gibt dem Gastspiel des Hamburger SV in Neunkirchen eine besondere Note. Der Tabellenletzte wartet allein noch auf den ersten Punkt — der HSV ist allein noch ungeschlagen I Nicht nur in Gelsenkirchen wird von Schalke 04 „als Absteiger„ gesprochen. Mal abwarten, wie es nach dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig aussehen wird, denn auch dieser Gegner hat bisher noch keine „Bäume ausreißen“ können. Duisburg sieht den Meidericher SpV gegen EintrachtFrankfurt, die beim jüngsten 0:2 gegen Werder Bremen eine der größten Enttäuschungen bot.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier. (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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