Vor dem Spiel gegen Leverkusen

Zäher Zweikampf mit der Zuversicht

Am Wochenende trifft Werder auf Bayer Leverkusen - und braucht dabei unbedingt Punkte für den Klassenerhalt
06.05.2021, 19:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus
Zäher Zweikampf mit der Zuversicht

Auf sie alle kommt es in den nächsten Wochen an, wenn es für Werder um den Ligaverbleib geht.

Andreas Gumz

Leicht war die Aufgabe nicht, das muss an dieser Stelle direkt erwähnt werden. Alternativlos war sie aber auch. Weshalb Florian Kohfeldt und Frank Baumann am Donnerstagmittag nichts anderes übrig blieb, als die Sache anzupacken. Geschlossen. Kompakt. Und voll fokussiert. Eben so, wie sie es stets auch von ihren Spielern auf dem Platz verlangen. Während der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) schmissen sich Werder Bremens Trainer und Sportchef ihrerseits in ein gemeinsames Duell – in einen zähen Zweikampf mit der Zuversicht.

Die nämlich, das geben die äußeren Umstände am Osterdeich drei Spieltage vor dem Saisonende so vor, ist gar nicht so leicht zu packen. Sie windet sich, schlägt Haken – und wird gerade deshalb dringender benötigt denn je. Denn jetzt muss Werder, und das weiß Werder auch. Trotz Abstiegsangst und Niederlagenserie. Trotz Toprak-Verletzung, ungeklärter Trainer-Zukunft und der enormen Qualität des nächsten Gegners. Nützt ja alles nichts. Und so wurde bereits die obligatorische Medienrunde zum Sechs-Punkte-Spiel um die richtige Sichtweise.

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„In meinen Augen sind jetzt vor allem drei Dinge hervorzuheben“, setzte Baumann oben auf dem Podium im Medienraum des Weserstadions an und zählte auf: 1.) „Geschlossenheit als Verein und als Mannschaft auf dem Platz“, 2.) „Kompletter Fokus für hundertprozentigen Einsatz“ sowie 3.) besagte „Zuversicht und Optimismus“, was die Grundvoraussetzung für die ersten beiden Punkte darstellt. Alles andere, so der Tenor des Sportchefs: völlig egal. Da passte es nur allzu gut, dass er eigentlich nach der Zukunft von Trainer Kohfeldt gefragt worden war, diesem Thema mit seinem Drei-Punkte-Plan aber ohne Antwort auswich. Weil es ein heikles Thema ist, eines, das die Abläufe stören und der angestrebten Zuversicht abträglich sein könnte.

Längst steht offen im Raum, dass sich Verein und Trainer demnächst trennen könnten – nach der Saison, im ärgsten Falle womöglich auch früher. Denn seitdem Baumann das Pokal-Halbfinale gegen Leipzig zum Job-Endspiel für Kohfeldt gemacht hat, hat sich das Klima verändert, ist die einst bedingungslose Rückendeckung für den Coach Geschichte. Was auch Kohfeldt spüren dürfte. Nur ist er Profi genug, es jetzt noch nicht zu sehr an sich heranzulassen. Mit Baumann habe er in dieser Woche abgesprochen, das Thema Zukunft erst nach der Saison zu klären.

„Ich konzentriere mich nur auf das nächste Spiel und darauf, mit Werder Bremen so schnell es geht, die Klasse zu halten“, versicherte der 38-Jährige, der es als seine Pflicht ansieht „mich 24 Stunden am Tag nur damit zu beschäftigen“. Ein Teil dieser Aufgabe: Negatives so gut es eben geht beiseiteschieben, Positives dafür hervorheben. Das geht bekanntlich nicht immer flugs von der Hand, was eine Erklärung dafür sein könnte, dass Baumann und Kohfeldt dort oben auf dem Podium – anders als sonst – beim Zuversichtlichsein einen leicht angestrengten Eindruck hinterließen.

Die Enttäuschung nach der guten Leistung und dem deshalb so bitteren Pokal-Aus gegen Leipzig sei zunächst groß gewesen, berichtete der Trainer, „aber seit Dienstag ist wieder richtig Zug im Training. Die Mannschaft hat gemerkt, dass das Positive an dieser Leistung war, dass wir bedingungslos alles auf dem Platz gelassen haben und mutig waren. Das nehmen wir aus dem Spiel mit, und das brauchen wir auch gegen Bayer Leverkusen.“ Ein Satz, der an sich schon als Forderung an die Mannschaft verstanden werden konnte. Sicherheitshalber legte Kohfeldt aber nochmal nach: Auch am Samstag wieder im Pokal-Modus aufzutreten – sprich: entschlossen, mutig, selbstbewusst –, sei die Verpflichtung der Spieler. „Ich möchte jedes Spiel gewinnen, bin in jedem Spiel zu tausend Prozent da, und ich sehe am Samstag keinen großen Unterschied zu einem Pokalspiel. Das ist meine klare Formulierung an die Mannschaft, dass sie das beibehalten muss.“

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Damit es gelingt, hat der Trainer an seinen Abläufen von vor dem Leipzig-Spiel weitestgehend festgehalten. „Wir sind da in der gleichen Grundrichtung geblieben“, sagte Kohfeldt, der seine Mannschaft nicht mit zu vielen taktischen Feinheiten überfrachten, sondern lieber die Mentalität in den Vordergrund stellen möchte. Die eigenen Stärken stärken, an sie glauben und sich daran festhalten. Auch das dient dem Zweck Zuversicht.

An der nackten Nachricht, dass Ömer Toprak in der Reha einen Rückschlag erlitten hat und nun womöglich bis Saisonende ausfällt, gab es zwar beim besten Willen nichts Positives, Kohfeldt rang aber auch ihr einen zumindest kleinen Mutmacher ab: „Wir haben gegen Leipzig auch ohne Ömer ein gutes Spiel gemacht.“ Das soll sich gegen Leverkusen wiederholen, mit besserem Ergebnis versteht sich. Kohfeldt lobte den Gegner als „Top-4-Mannschaft“ der Bundesliga, nannte ihn „undankbar“, ehe er doch noch die Kurve zurück zur Zuversicht bekam: „Aber das muss für uns komplett egal sein.“

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