Werder vor wichtigen Wochen Hinein in die „Crunchtime“

In den kommenden Wochen kann Werder vieles in die richtigen Bahnen lenken - oder nochmal allerlei Probleme bekommen. Für Florian Kohfeldt sind die nächsten Partien daher von großer Wichtigkeit.
19.02.2021, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Ursprünglich stammt das Wort aus dem US-Sport, vor allem im Basketball gehört es dort seit jeher zum festen Vokabular. Weil es in der deutschen Sprache aber einfach kein passendes Äquivalent dazu gibt, tauchte es am Freitagmittag urplötzlich auch in der norddeutschen Tiefebene auf. „Bei uns wissen alle, dass jetzt Crunchtime ist“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim (Sonntag, 18 Uhr) – und sprach damit nicht nur dieser einen Partie, sondern direkt den kommenden zweieinhalb Wochen eine enorm große Bedeutung zu.

„Crunchtime“, damit ist gemeinhin die Phase eines Spiels gemeint, in der es ans Eingemachte geht, in der die Entscheidung näher rückt, also jede Aktion über Wohl und Wehe entscheiden kann. Aus etwas größerem Blickwinkel betrachtet, lässt sich das natürlich auch auf den Saisonverlauf übertragen, so wie es Kohfeldt getan hat, um darauf hinzuweisen, dass für Werder mit dem Spiel gegen Hoffenheim eine ganz entscheidende Phase beginnt. „Wochen der Wahrheit“ hätte man früher wohl dazu gesagt, klingt zugegebenermaßen aber nicht so sexy.

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„Jetzt kommen in der Liga die Spiele gegen Hoffenheim, gegen Köln und gegen Bielefeld und dazwischen noch das Pokal-Viertelfinale“, sagte Kohfeldt, der natürlich weiß, dass seine Mannschaft mit guten Ergebnissen gegen die Teams aus der direkten Tabellennachbarschaft große Schritte hin zum Saisonziel machen kann, nämlich stabil in der Liga zu bleiben. Sollte dazu auch noch das Pokalhalbfinale erreicht werden – die Bremer Saison bekäme plötzlich einen Glanz, von dem viele nicht mal hätten träumen mögen. Da ist es sicher keine schlechte Nachricht, dass Kohfeldt sich und seine Mannschaft bereit dafür hält, bereit also für die „Crunchtime“.

„Ich habe das Gefühl, dass die Spieler wissen, um was es jetzt geht und dass sie mir das auch zeigen wollen“, sagte der Coach und führte mit einem vielsagenden Lächeln die offenbar sehr intensive Trainingseinheit vom Sonntagmorgen als Beleg dafür an. „Wir haben genug Reibung im positiven Sinne“, betonte Kohfeldt, was nichts anderes bedeuten dürfte als: Es ist Feuer in der Mannschaft. Seit über zwei Wochen schon ist der 38-Jährige uneingeschränkt zufrieden mit dem, was er während des Trainings zu sehen bekommt: „Das war top, jede Einheit. Die Spannung ist da, die Jungs geben Vollgas, und trotzdem herrscht in der Kabine eine gewisse Lockerheit. Keiner denkt, dass irgendetwas von alleine kommt, und das gefällt mir sehr gut.“

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Eine Feststellung, die sicher auch ihren Teil dazu beigetragen hat, dass Werder auf dem Platz wieder mutiger werden möchte. In Ansätzen war das bereits während des 0:0 gegen Freiburg zu sehen gewesen. Am Sonntag soll es nach Möglichkeit fortgesetzt werden. „Wir hatten vor dem Freiburg-Spiel eine leichte Kurskorrektur in der Ausrichtung“, berichtete Kohfeldt und sprach danach vom Plan, mutig hinten raus zu spielen „und wieder deutlich mehr über Kombinationsfußball zu kommen“. Nachdem die Defensive endlich wieder dichthält, sei das nun der nächste Schritt in der Entwicklung der Mannschaft. „Das kommt aber nicht vom Erzählen, sondern nur durchs Machen“, betonte Kohfeldt und kündigte an: „Wir wollen uns so langsam auf den Weg begeben, wieder mehr Kombinationsfußball zu spielen und vielleicht auch dominanter aufzutreten.“ Den Anspruch, gegen Hoffenheim das Spiel zu dominieren, habe er zwar nicht, „aber wir wollen gewinnen“.

Gelingt das, könnte sich Werder vom derzeit punktgleichen Kontrahenten – beide Teams haben 23 Zähler, Hoffenheim aber ein Spiel mehr bestritten – weiter ins sichere Mittelfeld der Tabelle absetzen. Die Frage, ob es womöglich ein Vorteil für die Bremer sein könnte, dass Hoffenheim am Donnerstagabend noch in der Europa League gespielt hat (in Villareal kamen die Kraichgauer gegen den FK Molde zu einem 3:3), beantwortete Kohfeldt wie folgt: „Nein, der Gegner wird frisch und ausgeruht sein.“ Hat ja auch keiner gesagt, dass es in der „Crunchtime“ leicht werden wird...

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