Fußball-Bundesliga

Werder-Vorbild FC Bayern

Bremen. Die Bundesligisten sind kreativ, wenn es darum geht, zusätzliche Geldquellen zu erschließen. Auch Werder denkt über eine Öffnung für Investoren nach.
02.04.2014, 19:45
Lesedauer: 4 Min
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Die Bundesliga-Klubs sind erfinderisch, wenn es darum geht, zusätzliche Geldquellen zu erschließen. Der FC Bayern München setzt auf strategische Partnerschaften, Hertha BSC hat sich gerade einen Finanzinvestor ins Haus geholt. Und bei Hannover 96 will eine Gruppe um Vereinspräsident Martin Kind bis 2018 den Klub zu 100 Prozent übernommen haben. Auch Werder denkt über eine Öffnung für Investoren nach. Eine Reise durch die Liga.

Klaus Filbry hatte am Mittwoch gut zu tun. Mehrere Medien fragten bei Werders Vorsitzenden der Geschäftsführung nach, was es denn mit den Investoren-Plänen auf sich habe, die Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer tags zuvor im Interview mit dem WESER-KURIER angedeutet hatte. Filbry bestätigt entsprechende Überlegungen und spricht von einer „mittelfristigen“ Angelegenheit. „Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen“, sagt Filbry.

Bei Werder bevorzugt man eine strategische Partnerschaft, die eher am FC Bayern München orientiert ist als am Anleihen-Modell des Hamburger SV oder am Finanzinvestor-Einstieg, wie es ihn bei Hertha BSC vor wenigen Wochen gegeben hat. An der grundsätzlichen Erkenntnis, etwas machen zu müssen, gibt es keinen Zweifel. „Der Wettbewerb wird immer härter“, sagt Filbry. Trotz der 50+1-Regel, die eigentlich verhindern soll, dass ein Investor die Mehrheit an einem Fußballverein hält, gibt es Ausnahmen wie Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. In der Liga sprechen mehrere Manager von einem „Umgehungstatbestand“, weil bei den besagten Klubs die 50+1-Regel im Grunde ausgehebelt ist.

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In Leverkusen und Wolfsburg erlaubt die DFL-Satzung das Engagement von Bayer und VW, weil beide Unternehmen den jeweiligen Klub seit über 20 Jahren „ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben, wie es heißt. In Hoffenheim hält der Unternehmer Dietmar Hopp zwar nahezu das komplette Vereinskapital, sein Stimmrecht ist auf dem Papier aber auf 49 Prozent beschränkt.

Der Fall Hannover 96

Martin Kind ist eine eigenwillige Persönlichkeit. Der Unternehmer und Präsident von Hannover 96 hat einen eigenen Kopf, ein gutes Durchsetzungsvermögen und viele Ideen. Jahrelang kämpfte Kind gegen die 50+1-Regel, inzwischen hat er einen Teilerfolg erzielt. Demnach dürfen seit gut drei Jahren Investoren, Sponsoren oder Finanziers die Mehrheit besitzen, wenn sie länger als 20 Jahre ohne Unterbrechung einen Verein gefördert haben. Bis 2018 kann die „96-Firma“ (Sales & Services) auf diese Weise 100 Prozent an Hannover 96 übernehmen. Aktuell sind es schon fast 85 Prozent, wovon Kind selbst, der Drogerie-Krösus Dirk Roßmann und der frühere Textil-Unternehmer Detlev Müller („Cecil“, „Street One“) allein 73 Prozent halten.

Der Berliner Weg

Der Geschäftsbericht 2012/2013 führte bei Hertha BSC 36,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten auf. Seit Februar ist die Hertha schuldenfrei. Da nämlich stieg der Finanzinvestor KKR in Berlin mit 61,2 Millionen Euro ein. „Diese Partnerschaft löst alle Fragen auf der wirtschaftlichen Seite auf einen Schlag“, frohlockte Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller kurz darauf in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Summe splittet sich in drei Blöcke auf: Für 18 Millionen kaufte KKR 9,7 Prozent Anteile an der Hertha BSC GmbH und Co. KGaA, also der Profiabteilung. Acht Millionen Euro soll die Hertha als Einmalzahlung für den Vertragsabschluss bekommen haben. Das dritte Paket, 35 Millionen Euro, stellt KKR dem Klub zur Verfügung. Je nach Entwicklung muss Hertha die Millionen zurückzahlen. Alternativ könnte KKR seine Anteile aber auch bis auf 33,3 Prozent aufstocken. Unterm Strich sollen Hertha pro Saison sieben bis acht Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen. Die Liga und die Hertha-Fans beäugen den Deal kritisch. Von „Heuschrecke“ war schon die Rede. Tatsächlich ist es wahrscheinlich, dass KKR nach der Mindestlaufzeit von sieben Jahren – wie bei früheren Geschäften – seinen Anteil gewinnbringend weiterverkauft. Und dann? Hertha besitzt beim Weiterverkauf ein Veto-Recht beziehungsweise ein Vorkaufsrecht.

Das Bayern-Modell

Der FC Bayern München erlebt seit ein paar Monaten die beste Zeit in seiner Vereinsgeschichte (wenn man den Ärger um Uli Hoeneß mal kurz vergisst). Fußballerisch ist die Mannschaft unangefochten in Deutschland und vielleicht sogar in Europa. Wirtschaftlich und finanziell gibt es weltweit keinen gesünderen Klub. Mitte Februar demonstrierten die Bayern das einmal mehr eindrucksvoll. Damals kaufte der Versicherungsriese Allianz 8,33 Prozent an der FC Bayern AG. 110 Millionen Euro verdiente der Branchenführer damit. Zuvor waren schon Adidas (2002) und Audi (2010/2011) als sogenannte strategische Partner eingestiegen. Die Bayern verwenden einen Teil des Geldes, um alle Verbindlichkeiten für die Allianz-Arena zu tilgen. Das heißt, ihnen gehört das Stadion bald komplett, der FC Bayern ist schuldenfrei. Der andere Teil der Allianz-Millionen fließt in den geplanten Neubau des Jugend- und Nachwuchszentrums.

Der Plan beim HSV

Beim HSV gibt es in diesem Frühjahr zwei ganz wichtige Daten. Am 10. Mai endet die Bundesliga-Saison, spätestens dann weiß man in Hamburg, in welcher Liga man künftig spielt. Zwei Wochen später, am 25. Mai, entscheidet dann die HSV-Mitgliederversammlung über das Konzept „HSV Plus“, das de facto eine Strukturreform und eine Öffnung des Vereins für Investoren bedeuten würde. Setzt sich das Modell „HSV Plus“ durch, wird der Milliardär Klaus-Michael Kühne Anteile am HSV erwerben. Die Rede ist von 25 Millionen Euro, die Kühne zahlen würde. Kühne hat das bis heute nicht dementiert.

Es wäre Kühnes zweiter Versuch, beim Hamburger SV mitzumischen. Im Sommer 2010 hatte der damalige HSV-Boss Bernd Hoffmann das Investorenmodell „Anstoß hoch 3“ durchgesetzt, hinter dem Logistik-Unternehmer Kühne (Kühne + Nagel) stand. Kühne zahlte dem HSV daraufhin 7,5 Millionen Euro für die Abtretung eines Drittels der Transferrechte an Dennis Aogo, Paolo Guerrero und Marcell Jansen. Für weitere Transfers stellte Kühne noch einmal 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Konzept „Anstoß hoch 3“ ist im Prinzip abgewickelt. Guerrero und Aogo spielen nicht mehr beim HSV, bei Jansen (Vertrag bis 2015) entscheidet sich dies demnächst. Von einer möglichen Ablösesumme würde Kühne ein Drittel zustehen.

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