Viele Tore, wenig Gerenne Was Zahlen und Statistiken über Werders Aufschwung verraten

Werder hat sich in wenigen Wochen vom Sorgenkind der Zweiten Liga zu einem Aufstiegsaspiranten gewandelt. Ein Blick in die Statistiken erklärt das – jedoch nur zum Teil.
28.01.2022, 13:13
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Was Zahlen und Statistiken über Werders Aufschwung verraten
Von Malte Bürger

So schnell kann es gehen: Vom Sorgenkind zum Aufstiegsaspiranten in nur wenigen Wochen. Erreicht ist zwar noch lange nichts, doch die Zahlen bestätigen, dass der SV Werder Bremen zuletzt in der 2. Bundesliga mehr als nur die Kurve bekommen hat. Unter Trainer Ole Werner blüht die Mannschaft auf, der direkte Wiederaufstieg ist längst keine Utopie mehr. Hier gibt es eine Auswahl besonders prägnanter Werte:

18 – Seit Ole Werner im Amt ist, läuft die Angriffsmaschinerie. Satte 18 Treffer haben die formstarken Bremer in gerade einmal fünf Ligapartien erzielt – so viele wie kein anderer Profi-Club in diesem Zeitraum. Und zwar in allen Topligen Europas. Zum Vergleich: In den vorherigen 15 Saisonspielen unter Markus Anfang hatte es Werder lediglich auf 21 Treffer gebracht und damit zu diesem Zeitpunkt deutlich hinter der ligainternen Konkurrenz gelegen – nicht nur tabellarisch. Das damalige Toptrio St. Pauli, Darmstadt und Regensburg etwa hatte sogar schon die 30er-Marke deutlich geknackt. Das hat Werder nun im Eiltempo nachgeholt, steht mit bis dato 39 Treffern bereits an der nächsten markanten Schwelle. Für Marvin Ducksch, der gemeinsam mit Niclas Füllkrug aktuell eines der gefährlichsten Sturmduos der zweiten Liga bildet, ganz klar auch ein Verdienst von Werner: „Der Trainer gibt uns einen klaren Plan mit, wir versuchen den auf dem Platz umzusetzen. Das gelingt uns Woche für Woche immer besser. Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

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23,86 – Es ist ein Spitzenwert, den Werder zu bieten hat. Noch. Denn die Zahlen trügen etwas. So spuckt die Statistik momentan Platz zwei aus, wenn es darum geht, wer nach exakt 20 Spieltagen im Schnitt den jüngsten Profis in der Startelf vertraut hat. Ein Durchschnittsalter von 23,86 wurde dort errechnet, nur der Hamburger SV unterbietet diese Quote noch (23,3). Doch Werders Entwicklung geht längst in eine andere Richtung. Ja, es waren die Bremer, die am 9. Spieltag gegen Heidenheim (3:0) die noch immer jüngste Anfangsformation aller 18 Zweitligavereine auf den Rasen geschickt haben (23,8), inzwischen haben sich die Parameter aber erheblich verschoben. Beim jüngsten 4:3-Triumph gegen Paderborn lag der Schnitt beispielsweise bei 27,7. Noch immer sind in Felix Agu, Romano Schmid oder Manuel Mbom echte Jungspunde im Team, doch der Faktor Routine ist ebenso erwünscht wie hilfreich – weshalb Ole Werner einem festen Gerüst an Spielern seit Wochen vertraut. „Im Herbst lag der Altersdurchschnitt bei uns unter 24 Jahren, es gab Schwankungen, die Ergebnisse stimmten nicht immer. Die 2. Liga ist so unberechenbar, Qualität allein reicht nicht – man braucht auch Erfahrung“, betonte Leonardo Bittencourt, einer dieser erfahrenen Profis, die mit ihrer Qualität den Unterschied ausmachen sollen, vergangene Woche im Interview mit der „Sport-Bild“.

3 – Normalerweise müsste an dieser Stelle eine ganz andere Zahl stehen, nämlich die 4. Schließlich war Werders Cheftrainer Ole Werner bei seinem früheren Verein Holstein Kiel ein klarer Befürworter der Viererkette, auf sie griff er bevorzugt zurück, um für defensive Stabilität zu sorgen. Und reichlich Erfolg hatte er damit obendrein. In Bremen jedoch vertraut er nun drei Abwehrspielern und setzt inzwischen auf ein 3-1-4-2-System – am liebsten mit Ömer Toprak, Milos Veljkovic und Marco Friedl vor dem eigenen Strafraum. Markus Anfang leitete mit seiner einstigen Umstellung auf ein 3-5-2 quasi die jüngste Entwicklung ein, die taktische Optimierung für das vorhandene Spielermaterial gelang jedoch erst jetzt unter dem neuen Coach.

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132 – Werder presst mittlerweile noch höher, will den Gegner früh unter Stress setzen. Im Idealfall sorgt das für Ballgewinne, sodass reihenweise Torchancen kreiert werden können. Selbst wenn die gegnerische Abwehr dann klären kann, bleibt immer noch die Möglichkeit eines Eckballs. Und in dieser Hinsicht ist kein Team ertragreicher als das aus Bremen. 60 ruhende Bälle wurden von der linken Seite getreten, 72 Mal ging es nach rechts. Den insgesamt 132 Versuchen können ligaweit nur noch der HSV (130) und Heidenheim (126) folgen. Diese permanente Standardgefahr hilft dabei, Spiele zu gewinnen – so wie zuletzt in Paderborn, als Ömer Toprak nach Hereingabe von Marvin Ducksch das 4:3 erzielte.

111,77 – Derart viele Kilometer hat Werder in dieser Saison im Schnitt pro Spiel abgerissen. Klingt imposant, reicht in der Gesamtwertung aber nur knapp für einen Platz vor der Abstiegszone. Lediglich der SV Sandhausen (111,10), der noch ein Spiel im Rückstand ist, Holstein Kiel (109,34) und Paderborn (108,93) waren noch weniger unterwegs. Der 1. FC Heidenheim bringt es als Führender dieses Rankings dagegen auf 118,87 Kilometer pro Partie. Nun streiten sich die Gelehrten seit jeher, was die Laufleistung über die Qualität einer Mannschaft aussagt. Wer viel läuft, läuft schließlich nicht selten auch seinen Gegenspielern hinterher. Dass diese Theorie durchaus stimmt, zeigt ein Blick auf die kompletten Laufwerte. Im bisherigen Saisonverlauf waren die Bremer exakt 2 235,34 Kilometer unterwegs – und befinden sich damit als 14. der Statistik in guter Gesellschaft. Denn: Auch Zweitliga-Tabellenführer Darmstadt ist mit 2272,46 Kilometern nur unwesentlich aktiver gewesen. Der Spitzenwert kommt abermals vom Liga-Sechsten Heidenheim (2377,41).

3,6 – Die neue Sturmgefahr ist der wohl größte Unterschied zur jüngeren Werder-Vergangenheit. In den ersten 15 Saisonpartien war Werder keineswegs faul, aber eben auch alles andere als effizient. Die Chancenverwertung ließ klar zu wünschen übrig, gerade einmal 1,4 Tore fielen im Schnitt in diesem Zeitraum. Da ist es schwierig, Spiele zu gewinnen. Mit Ole Werner kam schließlich auch das ersehnte Zielwasser. Werder steht wieder für begeisterndes Offensivspektakel, bot den Zuschauern in den vergangenen fünf Begegnungen im Schnitt 3,6 Tore pro Partie. Mit 322 Torschüssen liegen die Bremer aktuell nur hinter dem FC Schalke 04 (332), wenn es darum geht, den gegnerischen Torhüter zu prüfen. Bei 39 Toren ergibt sich daraus eine Trefferquote von 8,26 – die sich insbesondere in den vergangenen Wochen erheblich verbessert hat. Das Muster an Effizienz sind aktuell die beiden Führenden der Liga. Der Spitzenreiter SV Darmstadt 98 benötigte lediglich 305 Versuche für seine 45 Tore (6,78), und der zweitplatzierte FC St. Pauli jubelte 40 Mal nach 279 Abschlüssen (6,98).

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