Weiterbeschäftigung statt Rauswurf

Weshalb Kohfeldt wirklich noch Trainer ist

Vieles deutet darauf hin, dass Werder eigentlich den Trainer wechseln wollte. Doch ein Nachfolger wurde nicht gefunden, weshalb Florian Kohfeldt erst einmal Coach der Bremer bleibt. Aber wie lange?
28.04.2021, 18:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Weshalb Kohfeldt wirklich noch Trainer ist

Florian Kohfeldt bereitet seine Mannschaft in diesen Tagen auf das Pokal-Halbfinale vor.

Andreas Gumz

Es ist eine ganz besondere Antwort, die der SV Werder Bremen in der Trainerfrage gegeben hat: Florian Kohfeldt wird zwar weiter vertraut, muss sich aber am Freitag im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig beweisen. So hat es der Club öffentlich verkündet. Immerhin wird gegen den Tabellenzweiten nicht unbedingt ein Sieg verlangt, aber eine ordentliche Leistung mit akzeptablem Ergebnis. Was auch immer das genau bedeutet. Ein Novum in der Werder-Geschichte! Aber offenbar ein nicht ganz freiwilliges. Denn nach Informationen unserer Deichstube war eher eine Ablösung von Kohfeldt geplant gewesen, doch dann kam alles ganz anders. Die „Bild" hatte zuerst davon berichtet.

„Es gibt immer wieder verschiedene Möglichkeiten, die zum Erfolg führen können. Deswegen gibt es unterschiedliche Meinungen, und deswegen wird auch kontrovers und sehr intensiv diskutiert. Das ist etwas, das uns bei Werder auszeichnet“, berichtete Baumann von den zweitägigen Verhandlungen über die Zukunft des Trainers, eines besonderen Trainers. Kohfeldt ist immerhin schon 20 Jahre im Club, dreieinhalb davon steht er an der Seitenlinie der Profis und gilt als Gesicht der Grün-Weißen. Die Menschen mögen ihn, nicht nur in Bremen. Kurz gesagt: So einen Trainer entlässt man nicht einfach mal so.

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Aber je länger über ihn diskutiert wurde, desto mehr wurde er als Coach beschädigt – in der Öffentlichkeit, aber auch in der Mannschaft. Es wirkte so, als würde ihm nicht mehr zu 100 Prozent vertraut. Und letztlich war es auch so. Relativ schnell soll sich am Sonntag in den Gremien eine Mehrheit für einen Trainerwechsel gebildet haben. Allerdings unter der Voraussetzung, dass es einen guten Ersatz gibt. Der wurde intensiv gesucht. „Ich kann bestätigen, dass wir uns mit Alternativen beschäftigt haben, aber Namen werde ich grundsätzlich nicht kommentieren“, sagte Baumann. Dabei soll es ausschließlich um einen Feuerwehrmann gegangen sein, also einen, der nur für die letzten Spiele einsteigt und dann seinen Platz wieder räumt. Denn kein aktuell verfügbarer und finanzierbarer Trainer kam als langfristige Lösung infrage.

Unter diesen Voraussetzungen sind die Möglichkeiten natürlich begrenzt. Und es wurde tatsächlich keine sofortige Lösung gefunden. Kohfeldt war somit wieder im Spiel. Oder wie es Baumann ausdrückte: „Bei der Entscheidung geht es am Ende darum, was uns die größte Wahrscheinlichkeit gibt, dass wir in der Klasse bleiben. Da sind wir heute zur Entscheidung gekommen, dass wir am Freitag mit Florian ein weiteres Spiel angehen wollen.“ Im Pokal-Halbfinale gegen Leipzig, das gewiss wichtig für Werder ist.

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Aber viel entscheidender werden die dann anstehenden drei Partien in der Bundesliga. Da geht es nicht nur ums sportliche, sondern auch ums finanzielle Überleben. Und diese Duelle werden Kohfeldt nur anvertraut, wenn die Mannschaft wieder ein anderes als das leblose Gesicht von Berlin zeigt. Ansonsten soll ein Feuerwehrmann übernehmen. An einer Lösung wird weiterhin gearbeitet, denn Baumann und Co. wollen am Tag nach einer durchaus möglichen Pokal-Klatsche gegen das Spitzenteam aus Leipzig nicht ohne Trainer dastehen. Das wäre auch ziemlich fahrlässig.

Welche Rolle dabei Thomas Schaaf spielt, ist nicht bekannt. Angesprochen darauf, ob die Werder-Legende eine Alternative sei, verwies Baumann auf Schaafs wichtigen Job als Technischer Direktor und dessen 60. Geburtstag. Die kleine Feier müsse schließlich vorbereitet werden, scherzte der Sportchef. Ein Ablenkungsmanöver? Vielleicht. Schaaf selbst ist nicht erreichbar. Und auch so dringt kaum etwas nach draußen. „Ich spüre auch jetzt wieder, dass wir nach außen geschlossenen auftreten“, betonte Baumann zufrieden.

Diese demonstrative Einigkeit hat aber auch Folgen. Mehr noch als vor einem Jahr im Abstiegskampf hängen diesmal alle Verantwortlichen mit drin, also die drei Geschäftsführer Klaus Filbry, Hubertus Hess-Grunewald und Frank Baumann sowie die sechs Aufsichtsratsmitglieder Marco Bode, Marco Fuchs, Kurt Zech, Andreas Hoetzel, Thomas Krohne und Axel Plaat. Steigt Werder ab, könnte es auch für sie eng werden.

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