Kein Risiko bei Rashica

In Watte gepackt

Werder will, Milot Rashica will, trotzdem stockt der Transfer zu RB Leipzig. Um den Wechsel nicht zu gefährden, kam Rashica im Testspiel nicht zum Einsatz. Im Trainingslager soll er aber dabei sein.
10.08.2020, 12:53
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Malte Bürger
In Watte gepackt
Nordphoto

Besonders traurig schaute er nicht drein. Vielleicht war er das auch nicht, es gibt ja Angenehmeres als bei 30 Grad Fußball zu spielen. Werder verzichtete im Spiel gegen Eintracht Braunschweig auf Milot Rashica. Statt auf dem Platz zu stehen, saß er am Sonntagnachmittag auf der Tribüne von Platz 11. Im weißen T-Shirt, schwarzer Jogginghose, die Sonnenbrille in den Shirtkragen geklippt.

Nicht verletzt, eher geschont, könnte man sagen. Es ist eine verzwickte Situation, in der sich Rashica und Werder befinden. Gedanklich war sein Wechsel zu RB Leipzig längst vollzogen. Spieler und Berater haben vor Monaten den geplanten Abschied formuliert. Altin Lala, Rashicas Agent, kündigte im Frühjahr sogar eine baldige Bekanntgabe des neuen Klubs an. Auch bei Werder erweckten sie durch diverse Äußerungen zum Ende der vergangenen Saison diesen Eindruck.

Offene Situation beim Kosovaren

Jetzt ist Rashica immer noch da. Leipzig ist nicht bereit, die geforderten 25 Millionen Euro Ablöse zu zahlen. Was aber tun mit einem, der eigentlich längst verkauft sein sollte und das selbst auch wollte?

„Wir haben gemeinsam entschieden, Milot aufgrund der offenen Situation eines möglichen Wechsels bei diesem Spiel nicht einzusetzen", sagte Florian Kohfeldt. Werder selbst hatte dieses Zitat in einer Mitteilung vor der Partie veröffentlicht, um den Verzicht bereits im Vorfeld des Spiels zu erklären. Kohfeldt führte noch einen weiteren Grund an: „Ich möchte zudem auf seiner Position heute andere Spieler testen.“

Das ist legitim und völlig verständlich. Die Vorbereitung ist dazu da, ein Gerüst für die Saison aufzubauen. Rashica spielt darin eigentlich keine Rolle mehr oder besser: sollte keine mehr spielen. Es geht darum, Nachfolger zu finden und aufzubauen.

Warum sollte Werder wichtiges Kapital gefährden?

Der wahre Beweggrund dürfte die Gefahr einer möglichen Verletzung sein. Was würde passieren, wenn Rashica sich in einem unbedeutenden Testspiel der Vorbereitung beispielsweise das Kreuzband reißt? Ein Transfer wäre damit in Sekunden vom Tisch, die millionenschweren Einnahmen, die Werder dringend braucht, ebenso. Weshalb sollte der Klub ein solches Risiko eingehen, wichtiges Kapital zu gefährden?

„Würde man so denken, müsste man ihn komplett in Watte packen", entgegnet Frank Baumann. Er gibt an, das verschiedene Aspekte bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt hätten. „Da ist das Thema Verletzung ein kleiner Faktor, aber nicht der entscheidende." Baumann kündigte an: „Milot wird weiter am Trainingsbetrieb teilnehmen. Und ich gehe stark davon aus, dass er mit ins Trainingslager fliegt."

Keine Bewegung in den Verhandlungen

Beide, sowohl Kohfeldt als auch Baumann, betonten, dass die Lage beim nächsten Test eine andere sein kann. Am 19. August geht es gegen den Linzer ASK, gespielt wird im Trainingslager in Zell am Ziller. „Kann sein, dass es da schon wieder anders aussieht", sagt Kohfeldt. Es dürfte die Hoffnung sein, dass sich der Transfer bis dahin geklärt hat und ein Einsatz ohnehin keine Option mehr ist.

Bei Werder werden sie jedenfalls ein wenig ungeduldiger, das war am Rande des Spiels gegen Braunschweig herauszuhören. Sportchef und Trainer baten darum, dem Thema nicht zu viel Aufmerksamkeit zu widmen. „Man sollte die Entscheidung nicht zu hoch hängen„, sagte Baumann. Das aber wird schwer, dafür ist ein Transfer viel zu folgenschwer. Baumann sagte, es sei keine Bewegung in den Verhandlungen. „Daraus muss jede Partei für sich die Schlüsse ziehen. Sowohl was die Vereine angeht, aber auch, was die Spielerseite betrifft.“ Das klingt, als würde Baumann Rashica raten, neben Leipzigs besser auch andere Anfragen zu sondieren.

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