"Nicht Teil der Ausbildung" Wie Ole Werner mit den mentalen Problemen von Niklas Schmidt umgeht

Ole Werner war bei Werder einer der Ersten, der von der Depression des Mittelfeldakteurs Niklas Schmidt erfuhr. Jetzt erzählt er, wie er mit der Situation umgeht.
10.06.2023, 10:54 Uhr
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von mbü

Drei Tore hat er erzielt. Richtig schöne obendrein. Gegen Borussia Dortmund oder den FC Bayern München zum Beispiel. Und in insgesamt 24 Bundesliga-Spielen hat Niklas Schmidt in der vergangenen Saison auf dem Platz gestanden, elf Mal davon von Beginn an. Doch wer den Profi des SV Werder Bremen nur anhand seiner schnöden Leistungsdaten bewertet, wird dem 25-Jährigen nicht gerecht. Zumal es für seine Mannschaft lediglich sechs Siege gab, wenn er direkt am Geschehen beteiligt war. Und doch ist Schmidt ein echter Gewinner. Ein Mutmacher. Weil er unter mentalen Problemen leidet und sich dieser Diagnose nicht nur im Privatleben stellt, sondern auch öffentlich darüber spricht. Damit das Thema enttabuisiert wird. Und um ein Vorbild für Menschen zu sein, denen es ganz ähnlich geht wie ihm. Das hat ihm in den vergangenen Monaten viel Respekt eingebracht. Auch von seinem Trainer.

„Jeder muss seinen eigenen Weg damit finden. Er hat seinen Weg gefunden, und es geht ihm gut damit, das ist das Wichtigste“, sagt Ole Werner. Der Chefcoach war bei Werder einer der Ersten, der von der Depression des Mittelfeldakteurs erfuhr. Damals, im Herbst 2022, als es Schmidt gerade richtig schlecht ging und er das auch intern mitteilen wollte. „Ich habe einen tollen Trainer, der mir zuhört und mich verstanden hat“, erklärte der gebürtige Nordhesse einmal in einem Radio-Bremen-Interview. „Das hat mir sehr geholfen, ich habe mich direkt sehr gut aufgehoben gefühlt.“

Für Ole Werner war das eigene Verhalten selbstverständlich – wenn auch intuitiv. „Auf so eine Situation ist man nicht vorbereitet, weil es nicht Teil der Ausbildung ist oder jeden Tag vorkommt“, gibt der 35-Jährige heute zu. „Man geht damit als Mensch um, wie es jeder von uns machen würde – unabhängig vom Job. Man versucht, dem Spieler zu helfen und spricht dabei auch mit Leuten, die sich damit richtig gut auskennen.“

Im Winter-Trainingslager in Spanien nutzte Niklas Schmidt am Rande eines Testspiels schließlich die Gelegenheit und berichtete auch der Öffentlichkeit von seinen Beschwerden. Seither gab er mehrere Interviews, gewährte Einblicke in seine Behandlung und wird nicht müde, für das Krankheitsbild zu sensibilisieren. Der Unterstützung seines Vereins, seiner Mitspieler kann er sich dabei gewiss sein. „Wir versuchen, jeden Spieler bestmöglich zu unterstützen - sportlich, aber vor allem auch menschlich“, betont Ole Werner. „Wir wollen Halt geben und helfen, wo es nur geht.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+! Zur Startseite
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+