Werder und das neue, alte Offensiv-Trio

„Wir haben sie endlich alle beisammen“

Niclas Füllkrug, Milot Rashica und Yuya Osako haben sich zuletzt für die Relegation warm geschossen. Werder musste lange warten, verfügt nun aber gerade rechtzeitig noch über sein gewünschtes Offensiv-Trio.
30.06.2020, 13:15
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„Wir haben sie endlich alle beisammen“
Von Malte Bürger
„Wir haben sie endlich alle beisammen“

Yuya Osako, Milot Rashica und Niclas Füllkrug sollen Werder angriffslustig durch die Relegation führen.

Collage: nordphoto

Noch vor wenigen Wochen wirkte alles recht trostlos. Wenn Werder spielte, so viel war sicher, würden für die Bremer nicht allzu viele Tore fallen. Ausführlich wurde die Harmlosigkeit eines Vereins seziert, dessen DNA sich doch eigentlich durch reichlich offensives Spektakel auszeichnet. Auf der Zielgeraden bekam das Team dann doch noch die Kurve, landete gegen den SC Paderborn (5:1) und 1. FC Köln (6:1) beeindruckende Kantersiege. Beide Male hatten es die Gegner Werder recht einfach gemacht, und so ist die wiederentdeckte Angriffswucht auch vor der Relegation weiter mehr Hoffnungsschimmer als festes Versprechen. Die Hoffnung hat aber einen Namen – sogar drei, um genau zu sein.

„Es war das erste Mal in dieser Saison, dass Niclas Füllkrug, Yuya Osako und Milot Rashica zusammenspielen konnten“, sagte Trainer Florian Kohfeldt, als er über den Sechserpack des 34. Spieltags sprechen sollte. Das Trio, das er im vergangenen Sommer eigentlich auserkoren hatte, um Werder in obere Tabellenregionen zu führen, war in der Tat fast nie eines. Vor etwa einem Jahr im Zillertal-Trainingslager gab es einen ersten kleinen Vorgeschmack, als sich das Dreiergespann etwas mehr als 20 Minuten im Test gegen die WSG Swarovski Tirol ausprobieren durfte. Den einzigen Treffer der Partie erzielte: Yuya Osako.

Füllkrug im Corona-Glück

Es folgten aber lediglich vier (!!!) gemeinsame Pflichtspiel-Minuten während der ersten Pokalrunde gegen den SV Atlas Delmenhorst, danach wurde das Dreieck gesprengt, ehe es überhaupt so richtig eines werden konnte. Erst verletzte sich Rashica, dann Osako – und schließlich folgte der zermürbende Kreuzbandriss von Niclas Füllkrug. Die weitere Entwicklung ist bekannt: Allzu rosig lief es fortan für die Bremer nicht mehr. Osako tat sich enorm schwer, Rashica tauchte für einen Großteil der Rückrunde ab. Bis jetzt.

Rashica beendete gegen Köln seine Durststrecke, erzielte das zwischenzeitliche 2:0 und bereitete zwei weitere Tore vor. Osako traf sogar doppelt, und damit schraubte der so häufig – und zurecht – kritisierte 30-Jährige seine Ausbeute auf vier Tore in den vergangenen vier Spielen. Der Japaner, so scheint es, wird doch noch richtig wichtig. „Yuya ist endlich wieder in dem körperlichen Zustand wie zu Beginn der Saison“, sagt Florian Kohfeldt, der aber auch genau weiß, dass die Leistungssteigerung essentiell mit der Rückkehr von Niclas Füllkrug zusammenhängt. Ohne Corona-Pandemie wäre das kaum möglich gewesen. Und nun muss Osako nicht mehr die alleinige Spitze im Bremer Spiel geben. „Da fühlt er sich zu alleine“, sagt Kohfeldt.

Vertrauen in die Qualitäten

Für Füllkrug spricht jedoch auch, dass er vermisste Qualitäten zurück auf den Platz bringt. Werder verfügt wieder über einen Spieler, der auch mit hohen Bällen umzugehen weiß, gleichsam aber am Boden ein ballsicherer und unangenehmer Gegenspieler ist. In Kombination mit seiner vorgelebten Mentalität hebt er das Niveau der gesamten Mannschaft auf eine neue Ebene. Und dann sieht der Fußball plötzlich so aus, wie ihn sich Werders Chefcoach schon damals im Zillertal vorgestellt hatte. „Es überrascht mich nicht, dass wir so spielen können“, sagt Kohfeldt deshalb. „Wir haben immer betont, dass unsere Stürmer diese Qualität haben. Es ist auch eine gute Mischung mit einem dynamischen Stoßstürmer wie Josh Sargent, Niclas Füllkrug oder Davie Selke, einem spielenden Stürmer wie Yuya Osako und einem mit der Geschwindigkeit eines Milot Rashica. Dieses Zusammenspiel hat uns sehr gutgetan.“

In den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Heidenheim wird es für Werder elementar sein, ähnlich angriffslustig und treffsicher zu Werke zu gehen. Und auch wenn die Kölner zuletzt weit von ihrer Bestform entfernt waren, taugte der 6:1-Erfolg dazu, das Bremer Selbstvertrauen zu stärken. „Die Mannschaft weiß, dass wir aus diesen Positionen da vorne Tore schießen können – und jeder einzelne Spieler da vorne weiß das auch“, sagt Florian Kohfeldt. Und das gilt natürlich ganz besonders für sein neues, altes Offensiv-Trio. „Es war ein Wettlauf mit der Zeit, die ganze Saison über. Aber jetzt haben wir sie endlich alle beisammen.“ Vielleicht gerade noch rechtzeitig.

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