Kohfeldt setzt in Frankfurt auf Trotzreaktion

Werder will es allen zeigen

Florian Kohfeldt setzt im Pokalspiel gegen Frankfurt auf einen Trotzreaktion nach der umstrittenen Spielabsage. Bei den Frankfurtern kommt dieser Motivationsplan nicht sonderlich gut an.
04.03.2020, 14:37
Lesedauer: 4 Min
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Werder will es allen zeigen
Von Christoph Bähr
Werder will es allen zeigen

Wild entschlossen gab sich Florian Kohfeldt bei der Pressekonferenz zum Pokalspiel gegen Frankfurt.

nordphoto

Ein Pokal-Viertelfinale, ein Duell zweier Traditionsklubs, noch zwei Siege bis Berlin, ein volles Stadion, das Flutlicht ist an, die ARD überträgt live, Millionen Fans schauen zu – bessere Voraussetzungen für Pokaleuphorie gibt es kaum. Und dennoch ist davon in Bremen vor Werders Partie in Frankfurt am Mittwochabend (20.45 Uhr) kaum etwas zu spüren. Immer wieder hört man sogar Sätze wie den folgenden: „Die sollen lieber ausscheiden, dann können sie sich auf den Abstiegskampf in der Liga konzentrieren.“ Florian Kohfeldt hält von solchen Gedankenspielen überhaupt nichts. „Der Pokal ist für uns ein sehr wichtiger Wettbewerb“, betonte der Werder-Trainer am Dienstag mit ernstem Blick.

Auch wenn es am Sonnabend bei Hertha BSC um den Verbleib in der Bundesliga geht, stellte Kohfeldt klar: „Bei uns wird keiner geschont und nichts zurückgehalten. Die Situation in der Liga spielt am Mittwoch keine Rolle. Wir wollen unbedingt das Halbfinale erreichen.“ Werder tritt in Frankfurt also mit der bestmöglichen Besetzung an – und mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Dass das Ligaheimspiel gegen die Eintracht am vergangenen Sonntag ausfallen musste, sorgt in Bremen nämlich immer noch für Ärger. Wegen eines Orkans war das Frankfurter Europa-League-Spiel in Salzburg auf Freitagabend verlegt worden. Damit die Hessen nicht zwei Tage darauf schon wieder spielen mussten, strich die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Partie in Bremen. Einen Nachholtermin gibt es bislang nicht. „Das war eine schlechte Entscheidung aus sportlicher Sicht. Dadurch haben wir in zwei Wettbewerben einen Nachteil“, hielt Kohfeldt fest.

Gegen alle Widerstände

Der Coach musste den Trainingsplan kurzfristig umstellen. „Der Spielreiz fehlte, aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Am Sonnabend haben wir im Training ein langes Spiel ,elf gegen elf' bestritten“, berichtete Kohfeldt, sagte aber auch, dass er keineswegs froh darüber gewesen sei, mehr Zeit zum Trainieren zu haben. Er hätte lieber gespielt, doch immerhin könnte die DFL-Entscheidung einen psychologischen Effekt erzielen. „Die Spielabsage ist ein weiterer Widerstand, dem wir unverschuldet ausgesetzt sind“, sagte Kohfeldt. „Unsere Hauptmotivation besteht jetzt darin, es allen zu zeigen.“

Wut und Unverständnis sollen also umgewandelt werden in positive Energie, damit es auf dem Platz in Frankfurt eine Trotzreaktion gibt. Beim Gegner kommt Kohfeldts Motivationsplan nicht so gut an. „Grundsätzlich braucht man in einem Viertelfinale des DFB-Pokals von außen keinen Motivationsschub“, sagte Adi Hütter auf der Pressekonferenz zum Spiel. Der Frankfurter Trainer wünschte sich mehr Empathie von Bremer Seite und verwies auf die besondere Belastung seiner Mannschaft: „Wir haben 28 Europacup-Spiele mehr als Werder.“

Für Brisanz ist im Vorfeld der Begegnung somit ausreichend gesorgt, dabei ist solch ein K.o.-Spiel an sich eigentlich schon brisant genug. „Ich mag das, wenn es drauf ankommt. Und viele meiner Spieler mögen das auch“, unterstrich Kohfeldt. „Das ist ein echtes K.o.-Spiel, einer von beiden hat danach nichts mehr.“ Dass Werder derartige Partien liegen, bewies die Mannschaft im Pokal-Achtelfinale gegen Dortmund, das sie nach einer begeisternden Leistung mit 3:2 gewann. Auf das Duell in Frankfurt stimmte Kohfeldt seine Spieler nun mit Videosequenzen von gelungenen Spielszenen ein. Diese stammten allerdings nicht nur aus dem Dortmund-Spiel, sagte der Trainer. „Auch in der Bundesliga hatten wir positive Aktionen. Am Ende zählt natürlich das Ergebnis, aber ich kann nicht sagen, dass das Dortmund-Spiel außergewöhnlich war und alle anderen Spiele gar nichts waren.“

Frankfurts physische Stärke

Überhaupt werde der Pokalcoup gegen den BVB rückblickend etwas verklärt. „In dem Spiel haben wir nicht 90 Minuten lang Hurra-Fußball gespielt. Wir hatten auch schwierige Phasen zu überstehen, und wir haben phasenweise gut verteidigt.“ Ähnlich heikle Phasen wird es laut Kohfeldt gegen Frankfurt ebenfalls geben: „Uns erwartet dort eine ungeheure Wucht. Wir müssen die Ruhe bewahren, stressresistent sein und unsere Staffelungen auch dann spielen, wenn wir unter Druck geraten.“ Die Stärken des Tabellenzwölften der Bundesliga sieht Werders Trainer vor allem im physischen Bereich. „Deshalb hat ihnen die Spielabsage natürlich geholfen. Sie sind jetzt in einem sehr guten körperlichen Zustand. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Nur der physischen Wucht des Gegners zu trotzen wird in Frankfurt allerdings nicht reichen. Will Werder weiterkommen, geht das nur mit eigenen Toren. Klingt simpel, ist es aus Bremer Sicht aber nicht. In der Bundesliga traf Werder zuletzt am 14. Dezember 2019 in München, danach folgten nur noch zwei Eigentore des Gegners. Im Pokal gab es immerhin die drei Treffer gegen Dortmund zu bejubeln, dennoch lässt sich das Bremer Offensivproblem nicht leugnen. Florian Kohfeldt versuchte dies auch gar nicht erst: „Wir erarbeiten uns zu wenige Chancen. Die Spieleröffnung und der Spielübergang sind gut, aber was wir im letzten Drittel des Spielfelds machen, ist ein Problem.“ Daran sei zuletzt im Training gearbeitet worden. „Wir müssen unsere Automatismen wiederfinden und vor allem im letzten Drittel zielstrebiger werden“, forderte Kohfeldt. Sollte das gelingen, klappt es womöglich sogar mit einem Sieg in Frankfurt und dem Einzug ins Halbfinale. Spätestens dann dürfte in Bremen auch ein wenig Pokaleuphorie aufkommen.

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