Werner: Nach vorn gucken Werder will gegen Angstgegner Union Berlin wieder die Kurve kriegen

Nach der hohen Niederlage gegen Köln möchte Werder schnell wieder punkten. Mit Union Berlin haben es die Bremer aber im nächsten Spiel mit einem Gegner zu tun, der ihnen bisher eher nicht lag.
24.01.2023, 17:17
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Malte Bürger

Die Lobeshymnen waren vielschichtig. Wann immer ein Profi oder Verantwortlicher des SV Werder Bremen in den vergangenen Monaten die Gelegenheit dazu bekam, wurde der außergewöhnliche Zusammenhalt der Mannschaft betont. Schnell wuchs der Eindruck, dass da ein ebenso besonderes wie einzigartiges Gefüge vorhanden ist, das wöchentlich für Grün-Weiß um Punkte kämpft. Nun war das mit dem Kämpfen zuletzt ja so eine Sache, in Köln agierten die Bremer bekanntlich recht körperlos. Und das hat vor dem Heimspiel gegen Union Berlin (Mittwoch, 20.30 Uhr/Sky live) auch Auswirkungen auf das Binnenklima gehabt. Nicht zum ersten Mal, wie zu hören ist. Auch Ole Werner räumte am Dienstag ein: „Ich würde nicht sagen, dass in der Saison immer alles wunderbar ist.“

Nun gehören laute Ansagen in alle Richtungen, das wurde nicht zuletzt durch die Werder-Doku im Vorjahr deutlich, am Osterdeich quasi zum ganz normalen sportlichen Alltag. Problematisch wird es erst, wenn die Ergebnisse nicht stimmen und laute Töne vielleicht auch mal einige Dissonanzen produzieren. Dann schleichen sich Unzufriedenheiten bei dem einen oder anderen Spieler auf und neben dem Platz ein, plötzlich droht das viel gepriesene Wir-Gefühl, das als Schlüssel des Erfolgs gilt, zu zerfasern. Aktuell sieht Chefcoach Werner diese Gefahr nicht. „Wir sind, und das zeichnet uns im hohen Maße aus, immer im Umgang miteinander sehr kritisch. Du sprichst die Dinge klar an, kannst Konflikte austragen“, schilderte der 34-Jährige. „Und dass du mehr negative Dinge aus einem Spiel herausziehst, das du 1:7 verloren hast,  als aus einem Spiel, das du vielleicht gewonnen hat, ist ja logisch. Und trotzdem ist der Umgang damit kein anderer.“

Geredet wurde seit Samstagabend viel. Und sich in der Nachbetrachtung noch einmal durch die gruseligen 90 Minuten gequält. Werners ebenso schmerzhafte wie erwartbare Erkenntnis: „Wir können das Spiel nicht nochmal spielen, sondern nur unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Was alle Beteiligten ehrt: Sie haben die Defizite zuletzt offen angesprochen und nicht nur intern analysiert. Niemand redet schön oder duckt sich weg, der Finger liegt in der Wunde. Nun müssen den ehrlichen Worten aber Taten folgen. „Man muss die Dinge ansprechen, seine Schlüsse daraus ziehen und dann nach vorne gucken“, betonte Werner. „Das ist etwas, was wir als Gruppe bislang sehr gut gemacht haben und was für uns in dieser Saison eine ganz zentrale Aufgabe ist.“ Eine, die im Grunde seit dem Frühling des Vorjahres feststeht. Sogar das Datum lässt sich genau beziffern: 15. Mai 2022. Der Tag des Aufstiegs. „Seit dem Abpfiff vom Spiel gegen Jahn Regensburg weißt du, um was es hier geht“, unterstrich Ole Werner, der manch externem Beobachter entgegnete: „Wer davon überrascht ist, dass wir schwierige Phasen haben würden, der weiß nicht, was wir hier tun.“

Die Vehemenz, mit der dieser rheinländische Rückschlag kam, nahm allerdings noch einmal eine besondere Dimension ein. Auch deshalb ist die Gemütslage rund ums Weserstadion derzeit ähnlich frostig wie das Wetter. Der Wunsch nach schneller Besserung ist groß – aber auch realistisch? Mit Union Berlin kommt ein Gegner zu Besuch, der den Bremern bislang so gar nicht lag. Zwei Mal gab es das Duell bisher in Werders Heimstätte, beide Male gab es keinen eigenen Treffer und eine 0:2-Niederlage. Und jetzt sind die Hauptstädter noch einmal ein gutes Stück weiter in ihrer Entwicklung, belegen aktuell sogar Tabellenplatz drei und sind vielleicht so etwas wie das robusteste Team der gesamten Bundesliga.

All das weiß natürlich auch Ole Werner. Selbstverständlich hat er sich wieder akribisch mit seinem Trainerteam auf den nächsten Gegner vorbereitet – und doch schärfte er vor allem die Sinne für das eigene Leistungsvermögen. „Du darfst nicht den Fehler machen, dass du in den Momenten, in denen es mal nicht läuft, alles über den Haufen wirfst, was dich vorher auch ausgezeichnet hat“, erklärte er. „Wir sind gut beraten, den Blick auf uns zu haben, ganz genau zu wissen, was wir können und das dann auch herauszukehren.“ Helfen soll dabei, nicht zu sehr an das kürzlich Erlebte zu denken, sondern an das, was da noch kommen kann. „Für uns ist wichtig, dass der Blick nach vorne gehen muss. Bei allem, was jetzt zu Recht negativ ist, musst du trotzdem wissen, wo du herkommst und wie die Situation ist“, forderte er. „Wenn wir gegen Union ein gutes Spiel machen und dreifach punkten, dann können wir mit 24 Punkten aus der Hinrunde gehen. Das sollte Motivation genug für uns alle im Stadion sein, richtig Gas zu geben.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+