Kohfeldt setzt auf Dreier- und Viererkette Werders Abwehr bleibt variabel

Die vielen Gegentore der Hinrunde haben Werders Verantwortliche in der Winterpause analysiert. Warum sie in der Abwehr nun weiter zwischen Dreier- und Viererkette wechseln wollen, hat Florian Kohfeldt erklärt.
08.01.2020, 15:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Werders Abwehr bleibt variabel
Von Christoph Bähr

Es war ein merkwürdiges Bild. 20 Werder-Feldspieler standen auf dem Platz und bewegten sich nicht. Dazwischen lief Trainer Florian Kohfeldt hin und her, schob den einen ein wenig weiter nach vorne, den anderen etwas weiter nach rechts. Es hatte etwas von einem Schachspiel mit Menschen, war aber eine Theorieeinheit. Wie sollen die Spieler sich positionieren? Welche Abstände sind einzuhalten? Kohfeldt gab detaillierte Anweisungen, auch zum Thema Dreierkette. Bei dieser Formation hatte ihm in der Hinrunde die Absicherung nicht immer gefallen. „Wenn ein Verteidiger rausrückt, muss er sich darauf verlassen können, dass die anderen beiden sich fallen lassen“, forderte der Trainer.

Allgemein fällt auf, dass Werder auf Mallorca viel mit der Dreierkette agiert. In den ersten 50 Minuten des Testspiels gegen Monza (2:2) bildeten Sebastian Langkamp, Ömer Toprak und Niklas Moisander eine Dreierreihe. Ist die Dreierkette nun also das bevorzugte Mittel, um in der Rückrunde die Gegentorflut einzudämmen? Nein, sagte Kohfeldt. „Wir spielen gleichberechtigt Dreier- und Viererkette. Vom System her bleiben wir variabel.“ Genauso hat es Werder auch schon in der Hinrunde gehandhabt und die Abwehrformation je nach Gegner angepasst.

Unberechenbar bleiben

Bei der Analyse in der Winterpause kam dieses Vorgehen auf den Prüfstand, mit folgendem Ergebnis: „Wir haben intensiv überlegt, ob wir uns in der Abwehr auf eine Grundordnung festlegen. Eine unserer Stärken ist aber, dass wir für den Gegner nicht ausrechenbar sind“, schilderte Kohfeldt. Im Testspiel gegen Hannover am Sonntag will der Coach wieder die Dreier- und die Viererkette spielen lassen. Wie Werder dann beim wichtigen Rückrundenauftakt gegen Düsseldorf agiert, hält sich Kohfeldt noch offen.

In der Hinrunde setzte er zumeist auf die Dreierkette, wenn es gegen sehr offensivstarke Gegner wie Leipzig, Gladbach oder Bayern ging. Wenn der Gegner angreift, kann die Dreierkette durch die zurückfallenden Außenverteidiger zu einer Fünferkette werden. Das verspricht mehr Kompaktheit. Aber egal ob mit Dreier- oder Viererkette: In der Hinrunde kassierten die Bremer immer zu viele Gegentreffer. Die schlechteste Abwehr der Bundesliga ließ insgesamt 41 Tore zu. Wegen der vielen Verletzungen musste Kohfeldt die Defensive allerdings auch ständig umbauen.

In der Rückrunde sollen nun Niklas Moisander und Ömer Toprak für Konstanz im Abwehrzentrum sorgen, sofern sie fit bleiben. Das Duo ist gesetzt, egal welche Grundordnung Kohfeldt wählt. „Wichtig ist, dass wir Dreier- und Viererkette gut spielen können. Wir werden beide Systeme brauchen“, sagte Moisander. Bei einer Dreierkette haben zusätzlich Milos Veljkovic, der gegen Monza wegen Adduktorenproblemen fehlte, oder Langkamp Chancen auf die Startelf.

Offensivstarke Außenverteidiger

Bei den Außenverteidigern setzt Kohfeldt in dieser Formation auf offensivstarke Spieler. Gegen Monza kam etwa der gelernte Stürmer Benjamin Goller auf der rechten Seite zum Einsatz und sorgte vorne für Belebung, zeigte defensiv aber Schwächen. „Die Jungen machen Druck, Benni hat einen guten Eindruck im Training gemacht“, sagte Kohfeldt. Auch Leo Bittencourt, der im Testspiel geschont wurde, kann diese Rolle spielen. Auf der linken Seite zeigte Marco Friedl eine ordentliche Leistung und erzielte ein Tor. „Marco spielt ein sehr gutes Trainingslager und hat die richtigen Schlüsse aus seiner Hinrunde gezogen“, lobte Kohfeldt.

Normalerweise sind für die Außenbahnen aber sowohl bei der Dreier- als auch bei der Viererkette die aktuell verletzten Theo Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson gesetzt. „Sie sind beide offensivstarke Außenverteidiger“, erklärte Kohfeldt. Augustinsson könnte noch auf Mallorca wieder mittrainieren, Gebre Selassie verpasst den Rückrundenauftakt. Michael Lang hat derweil nach jetzigem Stand nur Chancen auf der rechten Seite, wenn Werder mit Viererkette spielt. Für das System mit einer Dreierkette fehlen ihm der Offensivdrang und die Dynamik.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+