Gut, aber nicht gut genug

Werders Auftritt in Leipzig macht Mut

Werders Auftritt in Leipzig macht Mut. Trotz dreier Gegentore verteidigten die Bremer gegen den Tabellenzweiten phasenweise sehr stark - auch wenn es für einen Punktgewinn nicht gereicht hat.
25.10.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Werders Auftritt in Leipzig macht Mut
Von Olaf Dorow
Werders Auftritt in Leipzig macht Mut

Kopfballduell: Werders Ousman Manneh gegen Leipzigs zweifachen Torschützen Naby Keita.

Matthias Kern, Bongarts/Getty Images

Werders Auftritt in Leipzig macht Mut. Trotz dreier Gegentore verteidigten die Bremer gegen den Tabellenzweiten phasenweise sehr stark - auch wenn es für einen Punktgewinn nicht gereicht hat.

Das Kompliment kam von prominenter Stelle. Man darf ja Ralph Hasenhüttl jetzt ruhig zur deutschen Fußball-Prominenz dazurechnen, er ist der Trainer des Superaufsteigers RB Leipzig. Der Trainer des aktuellen Bayernjägers Nummer eins, den in acht Spielen bislang noch niemand bezwingen konnte. Man sollte ruhig hinhören, wenn Ralph Hasenhüttl etwas zu sagen hat, und nach dem 3:1 seiner allseits bestaunten Mannschaft gegen Werder Bremen sagte er: „Man hat gesehen, dass Werder eine Mannschaft mit Mentalität ist.”

Werders Sportchef Frank Baumann hatte es abgelehnt, die Niederlage in Sachsen als eine „gute Niederlage” durchgehen zu lassen, auch nicht, wenn man diese Formulierung in Gänsefüßchen packt. „Das ist ein Widerspruch in sich”, sagte er. Die Maßeinheit des Fußballs bleibt die Bundesliga-Tabelle, da ist eine Niederlage noch nie hilfreich gewesen. Ähnlich wie die befragten Spieler, ähnlich wie Trainer Alexander Nouri sah aber auch Frank Baumann in Leipzig eine Bremer Leistung, die vorzeigbar war.

Keine, die für große Ernüchterung sorgte. „Wir werden jetzt noch eine Schippe drauflegen und nicht nachlassen”, sagte Baumann. Es gibt noch viel zu tun, packen wir’s an – der gute alte Werbespruch passte recht gut zur Lage der Bremer. In den Gesprächen nach der Niederlage von Leipzig war die atmosphärische Lage der Bremer irgendwie viel besser als die tabellarische.

Lehrstück in Sachen Kompaktheit


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Was die Kompaktheit anbelangt, war das Spiel in Leipzig wirklich ein gutes Lehrstück. Die Bremer haben gesehen, dass sie da schon ganz gut geworden sind. Dass sie gut Bälle erobern können, dass sie miteinander und nicht nur nebeneinander spielen. Und sie haben gleichzeitig gesehen, wie man das alles noch besser machen kann.

Leipzig hat noch konsequenter die Bälle erobert, hat die Bälle auch konsequenter bei sich behalten können – und hat sich vor allem nie solch einen verhängnisvollen Aussetzer geleistet, wie Werder vor dem 0:1. Dass sechs Männer einen einzigen Mann nicht aufhalten können, der nicht Messi heißt, ist ungefähr das Gegenteil von Kompaktheit.

Berechtigte Hoffnung für Werder

„Es kann doch keiner davon ausgehen, dass wir jetzt hier durch die Liga marschieren”, sagte Werders Kapitän Clemens Fritz. Man könne auf der Leistung von Leipzig aufbauen. Es sei halt eine Niederlage gewesen, die Werder nicht umhauen sollte. Das war ein deutlicher Unterschied zu früheren Niederlagen.

Sie gaben selten Anlass, sie nicht als katastrophal zu bezeichnen. Mal war es ein abenteuerlicher Matchplan, der nicht aufging, mal war ein komplett überfordertes Team am Start. Zufall oder nicht: Seit ein paar Wochen haben Werders Niederlagen deutlich mehr mit Glück und Pech und Kleinigkeiten zu tun als in jener Zeit, in der Trainer Viktor Skripnik vor allem Glück, Pech und Kleinigkeiten als Gründe für Misserfolge nannte.

Kopfballduell: Werders Ousman Manneh gegen Leipzigs zweifachen Torschützen Naby Keita.

Kopfballduell: Werders Ousman Manneh gegen Leipzigs zweifachen Torschützen Naby Keita.

Foto: Matthias Kern, Bongarts/Getty Images

So gesehen, steht Werder weiterhin und eventuell an einem Anfang von etwas, was mal gut werden könnte. „Dass wir mal Spiele verlieren werden, das ist klar”, sagte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic, „nur: Es geht um das Wie.” Und dieses Wie war etwas, was Hoffnung machte. „Das darf uns nicht umwerfen“, sagte Fin Bartels, der schon bald nach seiner Einwechslung den Treffer zum 1:2 durch Serge Gnabry vorbereitet hatte – einen Treffer, der Werder auch rein zahlenmäßig wieder fast auf Augenhöhe mit dem Bayernjäger Nummer eins brachte.

Fehlender Spagat zwischen Defensive und Offensive

„Die Harmonie war schon gut, wir müssen noch diesen Spagat zwischen Defensive und Offensive besser hinkriegen”, sagte Junuzovic. In der ersten Halbzeit hatte Werder in Leipzig abzüglich des verhängnisvollen Aussetzers kurz vor der Pause defensiv sehr gut gestanden, aber selten bis nie eine offensive Entlastung hinbekommen. Es waren schon erste Leipziger Frustfouls zu sehen, ehe sich Leipzig mit Keitas Sololauf selbst ein Überraschungsgeschenk bereiten konnte.

Man müsse jetzt ganz klar die Situationen rund um die Gegentore ansprechen, sagte Nouri, man müsse da noch besser und konsequenter verteidigen. „Das sind Themen, die wir noch besser lösen müssen“, sagte er. Er wirkte tatsächlich wie ein Trainer, der noch ganz am Anfang steht, aber immerhin wenigstens einen ersten Anfang gemacht hat. Nach einem Spiel mit drei Gegentoren mag das vielleich etwas merkwürdig klingen, aber irgendwie verteidigt Werder neuerdings besser.

Gut, aber nicht gut genug, ließe sich vielleicht sagen. „Wir können auch viele positive Dinge mitnehmen”, sagte Nouri. Sein Team habe die Leipziger vor Fragen gestellt, es habe sie zu ungewohnt vielen langen Bällen gezwungen – und zu Fouls, die ihnen Gelbe Karten eintrugen. Irgendwie sind Werder-Niederlagen auch nicht mehr das, was sie mal waren.

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