Jung-Profis von Werder Bremen Werders Berufs-Pendler

Bremen. Wenn die Fußballer von Werder II am Dienstagabend beim FC St. Pauli II antreten, werden wieder etliche Jungprofis der Grün-Weißen mitmachen. Oft tun sich die Spieler schwer mit dem Pendeln zwischen großem und kleinem Fußball.
23.04.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Am heutogen Dienstagabend wird wieder durchgemischt. Beim Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli II (18.30 Uhr) stehen Werder II auch jene Spieler zur Verfügung, die am vergangenen Freitag in Kiel (1:1) noch gefehlt hatten, weil sie im Profikader standen.

"Ich kann rotieren", sagt Trainer Thomas Wolter. Ihm gefällt das. Eine größere Auswahl vergrößert die Möglichkeiten. Zumal die diesmal betroffenen Spieler wie Özkan Yildirim, Florian Hartherz, Felix Kroos und Torhüter Richard Strebinger eine Menge Talent mitbringen, die Qualität seiner Mannschaft also zumindest theoretisch heben.

Anderseits weiß der Übungsleiter auch, dass nicht immer alles glattläuft, wenn die jungen Kicker pendeln zwischen erster und vierter Liga. Wer sich mental in der Bundesliga verortet, fühlt sich in der Regionalliga nicht zwangsläufig wohl. "Diese Problematik wirst du immer haben, sie ist normal", sagt Wolter.

Die Analyse des Problems führt ihn zwangsläufig zur Ungeduld der Talente. Es sei nun mal so, dass der Spieler selbst eine ganz eigene Einschätzung seiner persönlichen Leistungsfähigkeit habe. Ein Mitglied des Profikaders hält sich eben auch für geeignet, regelmäßig in der Bundesliga anzutreten – und am besten nur dort. Wolter: "Wenn ich 25 Spieler nach einer Aufstellung frage, erhalte ich 25 verschiedene Varianten, denn der betroffene Spieler stellt sich selbst immer auf." Der Blick für das Wesentliche ginge auf diese Weise aber verloren. "Wichtig und entscheidend ist, dass die Jungs wissen: Ihnen tut jedes Spiel gut", betont der Fußballlehrer.

Seit ein paar Jahren wehrt sich Thomas Wolter nun schon gegen die in Kreisen der Jungprofis offenbar verbreitete Annahme, mit Einsätzen in der zweiten Mannschaft wäre eine Rückstufung oder gar eine Bestrafung verbunden: "Bei Werder möchte jeder das Beste für die Jungs, sie brauchen die Spiele in der Regionalliga, und das wird ihnen auch vermittelt." Doch nicht jeder verstehe das. "Es kommt besser und schlechter an, hängt also auch von der mentalen Verfassung ab", so Wolter. Andererseits findet der Trainer, dass die Ungeduld der jungen Kicker an sich ja nicht einmal eine schlechte Eigenschaft sei. "Ich mag es gern, wenn sie ungeduldig und neugierig sind, nur manchmal ist das eben auch hinderlich", sagt Thomas Wolter.

Wie die Geschichte im Fall von Özkan Yildirim ausgeht, bleibt also abzuwarten. Ihm wurde zwar erst kürzlich ein Profi-Vertrag angeboten. Doch der junge Mittelfeldspieler zögert mit einer Unterschrift – weil ihm regelmäßige Einsätze in der Bundesliga derzeit nicht sicher erscheinen. Unter all den Kickern, die mal hier, mal dort antreten, ist Yildirim allerdings noch eine Ausnahme. Denn bevor er sich im Wintertrainingslager der Profis in den Fokus gespielt hatte, war er 17 Monate aufgrund einer Knieverletzung ausgefallen. "Er braucht jetzt sicher noch, bis er seine volle Leistungsstärke erreicht", so Wolter. Er hat Özkan Yildirim zuletzt im Kurzeinsatz in der Bundesliga beobachtet und fand, das Talent habe bei der 0:3-Pleite gegen den VfL Wolfsburg nicht unbedingt eine überragende Vorstellung geboten ("So sicher war das noch nicht").

In seinem letzten Spiel mit Werder II, beim 3:1 in Goslar am vergangenen Dienstag, habe Yildirim dagegen überzeugt. Wolter: "Umso besser, wenn er diese vielen Spiele jetzt hat." Heute Abend tritt der junge Kicker ja wieder an – gemeinsam mit all den anderen Pendlern.

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